«Stopp!», ruft das Kind beim kräftemessenden Raufen, und die anderen lassen sofort los. In der Schule haben sie bei der Gewaltprävention gelernt, dass es wichtig ist, Grenzen zu setzen und diese zu achten. Bei «Stopp!» ist Schluss.
«Stopp!» zeigt das Schild am Ende der Strasse. Ich bremse, und das Auto kommt zum Stehen – auch wenn kein Verkehr ist. Stopp heisst Halt.
Stopp, möchte ich laut schreien angesichts des Wahnsinns der Mächtigen, die sich die Welt mit Gewalt neu aufteilen.
Ich weiss genau, dass dieser Aufschrei ungehört verhallt. Und ich weiss auch, dass mein Bedürfnis nach einer fairen, friedlichen und demokratisch geordneten Welt nicht von allen geteilt wird.
In den biblischen Schriften zeigt sich das Ringen um gutes und faires gemeinsames Leben über Jahrhunderte. Immer war es so, dass einige mehr hatten als andere und dazu neigten, dies zu verteidigen: Macht, Geld, Einfluss. Und immer auch wieder gab es Versuche, mehr Gerechtigkeit, mehr Ausgewogenheit, mehr Ausgleich zu finden. Denn nur, wenn es den meisten ähnlich gut geht, können Menschen zufrieden sein. Und wie das Wort selber zeigt, ist die Zufriedenheit eine Voraussetzung für Frieden.
Doch wenn ein nach demokratischen Prinzipien gewähltes Staatsoberhaupt einer mächtigen Nation öffentlich sagt, dass nur noch seine eigene Moral und sein eigener Geist («mind») ihn stoppen können, ist das alarmierend.
Zudem widerspricht das christlicher Überzeugung zutiefst. Das Recht der Schwächeren spielt in allen Religionen eine grosse Rolle.
Beispielhaft schreibt Paulus im Römerbrief (12,16): «Seid allen gegenüber gleich gesinnt; richtet euren Sinn nicht auf Hohes, seid vielmehr den Geringen zugetan. Haltet euch nicht selbst für klug!»
Diese Selbsteinschränkung durch den Glauben an göttliche Macht begrenzt das Machtstreben Einzelner. Wenn Menschen sich auf eine göttliche Macht berufen, schränkt das die Übermacht von wenigen ein.
Wenn sich Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungswelten auf eine Macht beziehen und miteinander aushandeln können, wie diese Macht zu verstehen sei, verhindert das Gewalt und Krieg.
Daher finde ich es sehr vernünftig, an Gott zu glauben, und wundere mich nicht, dass Glaube von vielen Seiten lächerlich gemacht wird. Wenn wir in allen anderen Geschöpfe Gottes erkennen, hilft das, friedlich zusammenzuleben und überbordenden Machtansprüchen entgegenzutreten. Gewalt und Machtmissbrauch müssen gestoppt werden: bei uns im Alltag und in der ganzen Welt – gemeinsam.
Ein gesegnetes Wochenende wünsche ich Ihnen!
Stopp sagen gegen Gewalt und Machtmissbrauch