Besonders in der ersten Halbzeit entwickelte sich das Spiel so, wie es erwartet werden konnte: Es war eine zähe Angelegenheit, in der es deutlich mehr harte Zweikämpfe als Torraumszenen gab. Das ist schnell erklärbar. Mit Rheineck gastierte der Leader auf dem Bützel, Favorit war er dort aber nicht. Das liegt an den Werdenberg-Ausflügen der beiden Teams: Am letzten Samstag gewann Staad in Grabs 3:2, während Rheineck bei Buchs II seine erste Niederlage der Saison kassierte – ein 0:6. Kein Wunder, sagte FCR-Sportchef Roberto De Nardin vor dem Spiel: «Das wird auch ein Charaktertest.»
Diesen bestand die Mannschaft des Trainerduos Pasquale Marciello und Luciano Cipriano. Die Rheinecker, bei denen vier Leistungsträger im Vergleich mit dem Buchs-Spiel in die Startelf zurückkehrten, traten als Mannschaft auf und gingen füreinander. Punkte gab es allerdings erneut nicht, was wiederum am starken FC Staad liegt. Dieser warf die gleichen Qualitäten in die Waagschale, weshalb sich das angesprochene zähe Spiel entwickelte. Staad schien aber ein wenig mehr an den Sieg zu glauben und war auch leicht besser, etwa im Verhältnis 52:48.
Und Staad fuhr seinen fünften Sieg in der Liga in Serie ein, weshalb die Ranglistenspitze nun so aussieht: Rheineck führt mit 24 Punkten, Au-Berneck II, Staad und Buchs haben je 23 Zähler. Bei noch sechs ausstehenden Spielen verspricht dies Hochspannung bis zum Schluss.
Wenige Szenen in der ersten Hälfte
«Ja, das wird kämpferisch», sagte ein Staader Ersatzspieler während des Einwärmens zu einem Kollegen. Wenig später schwor Seebuben-Trainer Martin Caderas seine Spieler noch einmal auf das Spiel ein: «Jeder einzelne muss alles geben», sagte er. Caderas wusste: Einfach wird die Aufgabe nicht. Und so begann das Spiel auch. Torhüter Luca Buschauer musste in den ersten zwei Minuten schon zweimal eingreifen, um Flanken zu behändigen. Es waren keine gefährlichen Szenen, sie unterstrichen aber Rheinecks Ambitionen. Nur knüpften die Gäste danach nicht an diesen Beginn an, weil Staad das Spiel mehrheitlich in die Hand nahm.
Torgefahr gab es allerdings erst in der 22. Minute erstmals: Pascal Nussbaum scheiterte nach einem schönen Doppelpass mit Filippo Gervasi an Rheineck-Goalie Yves Hüttenmoser. Die Gäste hatten mit Luca Müller ihre erste Chance, es gab aber kein Tor, sondern nur eine Ecke. So ging es bis zur Pause weiter – je eine halbe Möglichkeit gab es noch, sonst aber nichts.
Rheineck legt vor, Staad dreht Spiel
Auch die zweite Halbzeit begann gemächlich, doch nach sieben Minuten kam es zu einer wegweisenden Szene: Staads Adrien Carrel verlor den Ball in der Vorwärtsbewegung an Valdon Axhija, der zwei Gegner ausliess und Besart Rushiti bediente. Dieser hatte keine Mühe, das 1:0 für Rheineck zu erzielen – jetzt war die Partie richtig lanciert. Den 165 Zuschauerinnen und Zuschauern, so viele wie schon länger nicht mehr auf dem Bützel, wurde ein stets interessantes Spiel geboten. Mit Gastgebern, die sich durch den Rückstand nicht beeindrucken liessen. Die Partie war intensiv und Schiedsrichter Manuel Carli, der früher in der vierthöchsten italienischen Liga (Serie D) Spiele leitete, bekam doch einiges zu tun. Zu hitzig wurde es allerdings nicht.
Dann begann das Privatduell zwischen Staads Nummer zehn, Enver Islami, und Yves Hüttenmoser. Der Rheinecker Torhüter entschärfte einen Freistoss des Zehners spektakulär an die Latte und parierte dann noch einen guten Abschluss.
Doch beim dritten Versuch blieb Islami Sieger: Hüttenmoser liess einen weiteren Freistoss nach vorne abprallen, wo Andri Knellwolf das 1:1 erzielte (81. Minute). «Das ist das Los des Torhüters», sagte ein Zuschauer zu seinem Kollegen. Hielt Hüttenmoser zuvor noch wirklich stark, wurde er in dieser Situation erwischt. Und Staad legte nach: Nach einer Ecke stand Zaid Lesfer genau richtig und erzielte per Kopf das 2:1. Rheineck hatte es in dieser Phase verpasst, vielleicht einfach den einen Punkt mitzunehmen, statt weiter nach vorn zu stürmen. Mit einem Unentschieden wäre Staad distanziert geblieben – so aber holten die Seebuben auf. Leon Bajra vergab danach aus 20 Metern noch die letzte Chance, es blieb beim Heimsieg. Und dem grossen Zusammenschluss an der Spitze.
4. Liga, Gruppe 3
Staad – Rheineck 2:1 (0:0)
Bützel – 165 Zuschauer – SR: Carli.
Tore: 52. Rushiti 0:1, 81. Knellwolf 1:1, 85. Lesfer 2:1.
Staad: Buschauer; Carrel, Lesfer, Knellwolf, Benz; Cazorzi, Gervasi, Islami, Morgante, Turro; Nussbaum.
Rheineck: Hüttenmoser; Thurnherr, Rexhepi, Ibrahimi, Imeri; Müller, Elezkurtaj, Bajra, Axhija; Rushiti, Spahiu.
Gelbe Karten: 19. Bajra, 25. Morgante, 45. Turro, 57. Spahiu, 82. Imeri.
Weitere Ergebnisse: Ruggell II – Rebstein II 0:1, Buchs II – Haag 3:5, Altstätten III – Grabs 3:1, Au-Berneck II – Eschen/M. II 4:0.
Rangliste (alle 12 Spiele): 1. Rheineck 24, 2. Au-Berneck II 23, 3. Staad 23, 4. Buchs II 23, 5. Eschen/M. II 19, 6. Ruggell II 16, 7. Haag 13, 8. Altstätten III 12, 9. Grabs 10, 10. Rebstein II 8.
Staad dreht das Derby und nähert sich der Tabellenspitze