2011 war das Jahr, in dem der digitale Sprachassistent «Siri» von Apple auf den Markt kam, die TV-Serie «Game of Thrones» Premiere feierte und der verheerende Unfall im Kernkraftwerk Fukushima die Welt erschütterte. Doch auch im St. Galler Rheintal gab es wegweisende Ereignisse – darunter die Wahl von Reto Friedauer zum Vorstandsmitglied des Vereins St. Galler Rheintal. Am Dienstag wurde er als Präsident im Rahmen der Delegiertenversammlung im Kinotheater Madlen verabschiedet.
Das Rheintal behauptet sich als gallisches Dorf
Wenn man Reto Friedauer und seinen Werdegang betrachtet, könnte man ihn als die «Siri» des Rheintals bezeichnen – er übernimmt ständig neue Aufgaben, lernt dazu und kann auf unterschiedliche Bedürfnisse der Region reagieren.
Friedauer, der in den letzten 14 Jahren in vielen verschiedenen Funktionen tätig war – von Präsident der Fachgruppe Verkehr über Siedlung und Landschaft bis hin zur Präsidentschaft des Vereins – kennt die Region und ihre Anliegen bestens. Als Gemeindepräsident von St. Margrethen hat er praktisch alle Ämter durchlaufen – bis auf das der Energie- und Kulturstiftung. «Vielseitig» ist wohl die treffendste Beschreibung, wie auch Ruedi Mattle, der ihm nun nachfolgt, sagt:
Er ist die Rheintaler Antwort auf das Schweizer Taschenmesser.
Zur Verabschiedung überreichte Mattle ihm symbolisch ein Taschenmesser – «Heute Morgen in St. Margrethen gekauft», sagte er und lachte.
Ebenso wie «Game of Thrones» mit einer komplexen Handlung und über Jahre hinweg entwickelten Charakteren zu einer festen Grösse wurde, hat auch Friedauer durch sein langfristiges Engagement eine wichtige Rolle im St. Galler Rheintal gespielt. Dafür gab es von Ruedi Mattle einen Leuchtstift – für die vielen Akzente, die Friedauer im Tal gesetzt hat. Der Stift war übrigens gebraucht, da Mattle einen neuen zu kaufen vergessen hatte.


Auch ein Bild im Asterix- und Obelix-Stil, passend zu Friedauers Fan-Liebe für die beiden, gehörte zu den Abschiedsgeschenken. Symbolisch für den ständigen Kampf des Rheintals, das laut Mattle oft wie ein gallisches Dorf wirke, das sich gegen den Kanton und den Bund behaupten müsse. «Immer mit vollem Einsatz für unser Tal», sagte Mattle und würdigte Friedauers Engagement.
Besserer Abschluss als erwartet
Nach sieben Jahren als Präsident des Vereins St. Galler Rheintal übergab Reto Friedauer das Präsidium. Am Dienstagabend führte er ein letztes Mal die Delegiertenversammlung im Kinotheater Madlen. In seiner Abschiedsrede blickte er auf die vergangenen Jahre zurück und hob hervor, was der Verein gemeinsam erreicht hat: den erfolgreichen Einsatz für bessere ÖV-Verbindungen im Tal, das Projekt «Allpot» und die Ergebnisse des letzten Fahrplanwechsels. Er sagt:
Jetzt müssen wir alle den ÖV auch nutzen, um zu zeigen, dass wir die Verbindungen brauchen.
Besonders hervor hob Friedauer das Agglomerationsprogramm Rheintal, die Velovision mit besseren Wegen und Brücken über die Rheingrenze, das Kompetenzzentrum für Integration sowie das Standortmarketing mit «rheintal.com», das die Region weit über die Grenzen hinaus als attraktiven Arbeits- und Wohnort positionierte. «Und das habe nicht ich, sondern wir alle gemeinsam geschafft», betonte er.

Besonders erfreulich war, dass er das Präsidium mit einem positiven Abschluss übergeben konnte. Der Verein schloss das Jahr mit einem Überschuss von rund 36’000 Franken ab, was besser war als erwartet. Dies war vor allem den Mehreinnahmen der verschiedenen Fachgruppen zu verdanken – etwa durch den Bevölkerungszuwachs, geringere Personalkosten in der Fachgruppe Integration sowie zusätzliche Beiträge von Stiftungen, Kanton und Sponsoren. Die Jahresrechnung, der Jahresbericht und das Protokoll wurden einstimmig angenommen. Auch die Wahl der neuen Mitglieder verlief reibungslos.
Verein St. Galler Rheintal im Wandel
Die Delegiertenversammlung des Vereins St. Galler Rheintal stand insgesamt unter dem Motto des Wandels. Abschied, Begrüssung und Wahlen prägten das Geschehen des Abends. Neben dem Abschied von Reto Friedauer wurden auch neue Delegierte begrüsst und ein neuer Präsident gewählt: Ruedi Mattle übernimmt nun das Präsidium. Die Fachgruppe Verkehr, die Mattle bisher leitete, wird künftig von Christian Sepin, dem Gemeindepräsidenten von Au, geführt. Als neues Vorstandsmitglied wurde Ralph Lehner, der Gemeindepräsident von Diepoldsau, gewählt. Er wird künftig den Vorsitz der Fachgruppe Energie übernehmen, die zuvor von Christian Sepin geleitet wurde.

«Es ist Zeit, neue Wege zu gehen und ich bin zuversichtlich, dass der Verein unter der neuen Führung weiterhin erfolgreich sein wird», sagt Reto Friedauer. So wie Siri 2011 die Kommunikation revolutionierte und «Game of Thrones» über Jahre hinweg die TV-Welt prägte, hat auch Reto Friedauer die Entwicklung des St. Galler Rheintals massgeblich mitgestaltet.
VSGR: Ein Verein mit vielen Aufgaben
Der Verein St. Galler Rheintal (VRSG) koordiniert Aufgaben in der Region, welche nicht nur einen kommunalen, sondern einen regionalen Blickwinkel benötigen. Obwohl der VSGR keine vierte Staatsebene ist und deshalb auch keine Verfügungsmacht hat, spielt er eine wichtige Rolle bei der regionalen Entwicklung. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den zwölf Mitgliedergemeinden und der Rheintaler Wirtschaft. Auch bei der Finanzierung der vielfältigen Tätigkeitsfelder kann auf den regionalen Zusammenhalt gezählt werden. So finanzieren sich die Aufgaben mehrheitlich durch Beiträge der zwölf Mitgliedergemeinden, des AGV-Rheintal, der Rheintaler Ortsgemeinden und der unzähligen Partner aus der Wirtschaft.
Rücktritt nach vierzehn Jahren: «Reto ist die Rheintaler Antwort auf das Schweizer Taschenmesser»