Geschichte im Briefmarkenalbum | Der Rheintaler

27.10.2022

Geschichte im Briefmarkenalbum

Peter Moser sammelt Briefe und Karten, die in Altstätten abgestempelt wurden. Und hat sich auf diese Weise ein besonderes historisches Wissen angeeignet.

Von Max Tinner
aktualisiert am 26.06.2023

Peter Moser hat sich einen Namen gemacht als Fotograf. Er ist einer von wenigen, der noch die Schwarz-Weiss-Fotografie pflegt, wobei er mit einer original Leica fotografiert und sich auf die Landschafts- und Naturfotografie festgelegt hat. Moser ist zudem Philatelist – und hat auch als Briefmarkensammler Nischen gefunden, die ihn von anderen abheben.

Besondere Freude bereitet ihm seine Altstätter Sammlung, wobei nicht die Briefmarken das Spezielle an ihr sind, sondern die Stempelungen der Briefe und Karten: In ihrer Gesamtheit zeigen sie alle Stempel, die von der Post in Altstätten seit 1838 verwendet wurden. Als besondere Herausforderung hat sich Peter Moser zum Ziel gesetzt, den ersten und letzten Einsatz eines jeden dieser Stempel zu dokumentieren. 

Die eigene Familiengeschichte macht's noch spannender

Als hilfreich für seine Sammelleidenschaft erwies sich die Familiengeschichte. Der eins­tige Custos des Altstätter Museums, Carl Moser (1871 – 1962), war ein entfernter Verwandter. Einige Jahre lebte jener in England, wo er an einem College unterrichtete. Den Kontakt mit seiner Familie im Rheintal hielt er die ganze Zeit aufrecht: Man schickte sich Briefe hin und her – wobei für Peter Mosers Sammeltätigkeit freilich vor allem jene interessant sind, welche von den Altstätter Moser nach England geschickt wurden.

Ein Grossvater Peter Mosers war ausserdem Briefträger. Vieles, was dieser ihm zu Lebzeiten erzählt hat, hilft ihm nun heute. Etwa beim Deuten von postalischen Vermerken auf den Karten und Briefen, die längst nicht mehr in Gebrauch sind. Etwa «zu spät» oder «nach Abgang der Post» für Sendungen, die es nicht rechtzeitig auf die Postkutsche schafften. Dies, Fachartikel und Gespräche mit Fachkundigen und anderen Sammlern verhalfen Peter Moser zu einem Spezialwissen, das seinesgleichen sucht.

Lange gingen der Beruf und der Sport vor

Peter Moser hat nicht immer gesammelt. Zwar bereits in Jugendjahren. Dann aber jahre­lang nicht mehr. Das Berufsleben ging vor.

Und der Sport: Er gehörte als Sportschütze dem Regionalkader Westschweiz an, wohin es ihn wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten verschlagen hatte. Handball spielte er als Ausgleichssport. Zum einstigen Hobby zurückgefunden hat er durch Hugo Schumacher, der viel für die Philatelie im Rheintal getan hat und Moser in den Phi­latelistenverein holte. Dort hatte dann jemand alte Altstätter Briefe, die er Moser verkaufte und die diesem als Grundstock für seine Spezialsammlung dienten.

Fragt man Peter Moser allerdings nach Sammlerstücken, auf die er besonders stolz ist, nennt er nicht seine Poststempelsammlung. Sondern fehlgeleitete Briefe, die statt nach Altstätten nach Dresden Altstadt gingen. Oder ein altes internes Weisungsbuch des Postamts Altstätten. Oder ein Billett aus dem Jahr 1854 für die Fahrt in der Postkutsche von Altstätten nach Rorschach.

«Ich sammle, weil es Spass macht!»

Und nicht zuletzt ein Foto vom Eisweinwimmet am Altstätter Forst. Auch Peter Mosers Frau ist drauf zu sehen. Die Aufnahme diente als Vorlage für eine Briefmarke des Fürstentums Liechtenstein. Peter Moser ist dabei wichtig: «Es geht mir nicht darum, eine möglichst wertvolle Sammlung aufzubauen – ich würde für ein besonderes Stück auch nicht jeden Preis bezahlen», betont er, «ich sammle schlicht, weil es Spass macht!»