Gemeinsam das Ende der Fastenzeit mit einem Brunch gefeiert | Der Rheintaler

Heerbrugg 24.03.2023

Gemeinsam das Ende der Fastenzeit mit einem Brunch gefeiert

Bei einem Brunch haben muslimische Familien das Fastenbrechen im Lokal des Türkischen Kulturvereins Rheintal gefeiert. Auch Andersgläubige waren dabei. Der Anlass stand so im Zeichen des interreligiösen Austauschs – und der Beben in der Türkei und in Syrien.

Von Yann Lengacher
aktualisiert am 24.04.2023

Das Ende des Ramadans feiern Musliminnen und Muslime mit dem Fest des Fastenbrechens. Im Türkischen spricht man von «Ramazan Bayrami», im Arabischen von «Eid al-Fitr». Um diesen heiligen Tag zu feiern, haben der Türkische Kulturverein und die Fachstelle Integration Rheintal gemeinsam einen Brunch organisiert. Dieser war für Personen aller Glaubensrichtungen offen. Eine gute Idee, findet etwa Serap Nisanci:

Es freut mich sehr, dass auch viele Nicht-Musliminnen und Muslime gekommen sind. 

Die 40-Jährige besuchte mit ihrer Familie den «Bayram-Brunch». Zentraler Bestandteil des Fests ist das Zusammensein, bei Baklava, türkischem Tee und anderen Spezialitäten. Kinder erhalten typischerweise Süssigkeiten und Sackgeld. Die jüngeren Familienmitglieder küssen den Älteren aus Respekt die Hände. «Uns ist es wichtig, dass die Kinder neben der hiesigen auch diese Kultur kennenlernen», sagt Nisanci.

Vorurteile abbauen geht nur durch Begegnung

Eine Brücke zwischen den Kulturen und Religionen schlugen Imam Zekai Aydin und die evangelische Pfarrerin Sabine Gritzner-Stoffers aus Au. Gemeinsam sprachen sie ein Gebet, indem sie sich unter anderem für das Essen bedankten, aber auch für die Erde, die Gott den Menschen zur Verfügung stelle. Interreligiöse Anlässe seien für das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen elementar, sagt Ursula Stadlmüller Mattle von der Fachstelle Integration Rheintal:

Wir wissen aus der Forschung, dass Vorurteile nur durch Begegnung abgebaut werden könnte.

Nach wie vor begegneten muslimischen Bürgerinnen und Bürgern Vorurteile im Alltag – insbesondere Frauen mit Kopftuch, sagt Fikriye Ylmaz. Sie ist Co-Präsidentin des Frauenvereins innerhalb des Türkischen Vereins. «Es gibt das Vorurteil, dass muslimische Frauen nur Kopftuch trügen, weil sie unterdrückt würden. Dabei entscheiden muslimische Frauen selbstbestimmt, wie sie sich kleiden.» Auch um Letzteres zu vermitteln, wurde innerhalb des Türkischen Kulturvereins ein Frauenverein gegründet. Fikriye Ylmaz sagt:

Wir wollen zeigen, dass wir Frauen die islamische Welt mitgestalten.

Ylmaz agiert auch im Vorstand des Türkischen Kulturvereins. «Es war denn auch der Frauenverein, der die Organisation des Bayram-Brunch gemeinsam mit der Integrationsstelle einfädelte.» Der Bayram-Brunch soll den Beginn einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen dem Türkischen Kulturverein und der Fachstelle Integration Rheintal markieren. Zuletzt sei diese etwas weniger gepflegt worden – auch wegen Corona. Nun wollen die beiden Institutionen vermehrt gemeinsame Anlässe organisieren, sagte Fikriye Ylmaz.

Erdbeben beschäftigt Verein weiterhin

Nach wie vor beschäftigt die Türkische Gemeinschaft die Beben in der Türkei und in Syrien. Die Einnahmen vom Brunch kommen via Glückskette den Betroffenen zugute. Vereinspräsident Ali Yavuz sagte: «Geld ist die beste Hilfe. Dieses kann in der Türkei flexibel eingesetzt werden.» Kleiderspenden nimmt der Verein nicht entgegen. Dies sei in den ersten Tagen nach dem Beben auf Unverständnis gestossen.

Der Entscheid ist aber begründet. Yavuz sagte: «Kleidertransporte könnten wichtige Zufahrtsstrassen in den betroffenen Gebieten blockieren. Das wollen wir nicht.» Die Solidarität im Rheintal sei enorm. Schweizweit hätten nur zwei andere Türkische Vereine mehr Geld gesammelt. «Viele Unternehmen haben uns Geld gespendet. Dafür sind wir sehr dankbar», sagte Ali Yavuz.