Auf Brachen fühlte er sich besonders wohl, doch die gibt es heute nicht mehr. Bevor Nüsslisalat züchterisch bearbeitet wurde, grub man wilde Pflanzen aus und pflanzte sie in leere Gartenbeete. Erst im 20. Jahrhundert begann dann der gezielte Anbau. Heute gilt das einstige Unkraut als Delikatesse. Theoretisch kann man «Nüssli» während der gesamten Vegetationsperiode aussäen. Praktisch bringt das aber nichts, da er in der warmen Jahreszeit umgehend in Blüte geht. Der beste Saattermin ist erst jetzt, wenn die Holunderbeeren reifen. Bei sommerlichen Temperaturen keimt «Nüssli» am besten im Halbschatten. Er kann deshalb gut neben hohe Pflanzen wie Federkohl, Lauch oder Spargel gesät werden. Wer über einen längeren Zeitraum Nüsslisalat ernten will, sät in mehreren Sätzen bis zum Spätherbst (Oktober). Je später die Saat, desto länger dauert es, bis man ernten kann: Während früh gesäter «Nüssli» bereits nach 50 Tagen erntereif ist, kann man mit spät gesätem erst nach 170 Tagen die Salatschüssel füllen. Das dafür üppig: Falls alles gut geht, kann man von einem Quadratmeter etwa ein Kilo Salat ernten. Der Anbau ist nicht besonders schwierig, aber er braucht viel Zeit, und in dieser Zeit ist das Unkraut fast immer schneller. Wegen der langsamen Entwicklung ist es besser, wenn man in Reihen sät. So kann man unerwünschte Pflanzen frühzeitig vom Nüsslisalat unterscheiden und entfernen. Das ist auch vorbeugender Gesundheitsschutz: Zu dichte Bestände sind nämlich mehltauanfällig. Ausserdem führt eine dichte Saat zu sehr kleinen Pflanzen. Da wird das Rüsten zur Geduldsprobe. Wenn Nüsslisalat einmal schiesst, sollte man ihn in Blüte gehen und versamen lassen. Er taucht danach zu gegebener Zeit an allen möglichen und unmöglichen Stellen von selbst im Garten auf. Wie einst, als er noch Unkraut war. www.spriessbuerger.ch