Jugendwort 11.11.2022

Es ist offiziell: Das Rheintaler Jugendwort wurde gekürt

Ihr habt entschieden: «Gspürdi» ist euer Favorit für das Rheintaler Jugendwort 2022. Und das mit einem klaren Vorsprung vor «Rietflättera» und «bullisch».

Von Cassandra Wüst
aktualisiert am 11.11.2022
Jugendwort 11.11.2022

Es ist offiziell: Das Rheintaler Jugendwort wurde gekürt

Ihr habt entschieden: «Gspürdi» ist euer Favorit für das Rheintaler Jugendwort 2022. Und das mit einem klaren Vorsprung vor «Rietflättera» und «bullisch».

Von Cassandra Wüst
aktualisiert am 11.11.2022

Das «Rheintaler Jugendwort des Jahres» steht fest: Mit 48 Prozent der Stimmen hat «Gspürdi» die Abstimmung gewonnen. Der Ausdruck steht dafür, sich zu beruhigen oder runterzufahren, à la «Gspürdi mol, Alte».

Rietflättera auf  Platz zwei, Bullisch als Schlusslicht

Aus den über 30 Wörtern, die ihr uns zugesandt habt, wählte die Rheintaler-Life-Redaktion zunächst drei Vorschläge aus. Bis zum 8. November gab es in einem Onlinevoting die Möglichkeit, darüber abzustimmen.
Bei der Wahl konnten alle Altersgruppen abstimmen. 145 Personen haben sich beteiligt. In der Endauswahl standen neben «Gspürdi» auch die Wörter «Rietflättera» (Ohrfeige) und «bullisch» (krasse Leistung, von Bulle abgeleitet). «Rietflättera» bekam 31 Prozent der Stimmen. Für «bullisch» voteten 21 Prozent der Teilnehmenden.

«Früher konnte man das Dorf  am Dialekt erkennen»

Seit Jahrzehnten beschäftigt sich Berta Thurnherr aus Diepoldsau mit ihrem Dialekt und trägt mit eigenen Büchern, Gedichten und Vorlesungen dazu bei, dass die Mundart nicht verloren geht. Im März erscheint ihr neues Buch mit modernen Texten in Mundart in der Rei­he «Gesprochene Schrift». Im Interview spricht die «Gschichtavazellari» über den Wandel des Rheintaler Dialekts und was sie vom diesjährigen Rheintaler Jugendwort 2022 hält.


Wie nehmen Sie den Wandel der Jugendsprache im Dialekt wahr?
Berta Thurnherr: Da gibt es verschiedene Aspekte. Viele spielen gerne mit den Zweier- und Dreierlauten, sagen also statt Stai und Bai Boa und Stoa, weil sie es lässig finden und bewusst merken, dass sie sich damit von anderen abheben. Umgekehrt sind aber auch andere Einflüsse spürbar und vieles ist durch die Sprache offener geworden.


Inwiefern?
Unsere Sprache verändert sich durch die Menschen, die aus anderen Regionen oder Ländern zu uns ziehen und anders sprechen, aber auch durch das Fernsehen und die Digitalisierung. Anglizismen wie «cool» oder «switch» sind heute ein fester Bestandteil der Sprache.


Sehen Sie dabei irgendwelche Trends?
Ich höre gern zu, wie die Leute miteinander reden. Wenn ich Wörter nicht einordnen kann, frage ich, woher sie kommen. Früher konnte man jedes Dorf im Rheintal noch an seinem Dialekt erkennen.


Und heute?
Das ist fast nicht mehr möglich. Oft ist der Dialekt von den grösseren Städten, wie St. Gallen oder Zürich, beeinflusst. Hinzu kommt, dass sich die jungen Leute heute in einer Sprache verständigen können, die wir «Alten» nicht mehr verstehen. Aber das ist die natürliche Entwicklung der Sprache. Wir müssen jedoch aufpassen, dass wir unseren Klangreichtum nicht verlieren. Er ist Identität und Persönlichkeit, und das müssen wir den Menschen bewusst machen.


Welche typischen Rheintaler Wörter hat man in Ihrer Jugend gebraucht?
Wir hatten damals noch keine Jugendsprache. Aber typische Rheintaler Wörter sind zum
Beispiel Äadli (Herdöpfel), Bis meattig (Vormittag) bis Nacht (Nachmittag) oder troastlig (getrost), Buärli (Erbsen) und Hopp.


Wie lautet Ihre Meinung zum Rheintaler Jugendwort 2022?
Ehrlich gesagt, müsste ich lügen, wenn ich einen Favoriten unter den dreien wählen müsste. Gspürdi finde ich nicht so originell, Rietflättera ist zu gesucht und Bullisch ist ein Anglizismus. Diese werden uns in Zukunft noch mehr begleiten.