proLitteris
Bodybuilding 24.04.2026

Ein Meilenstein, der Türen öffnet: Marco Stiefken holt die Profikarte

Vor gut zwei Wochen hat Marco Stiefken in Vaduz die Profilizenz geholt. Diese bedeutet, dass er nun offiziell Profisportler ist und dass er sich mit den Besten der Besten messen kann. Das ist ein Meilenstein.

Von Remo Zollinger
aktualisiert vor 4 Stunden

«Es ist alles auf den Punkt aufgegangen», sagt Marco Stiefken über den Wettkampf in der Vaduzer Spörryhalle. Er gewann am Mr. Universe Liechtenstein nicht nur, er holte dabei auch die IFBB Pro Card, die ihn berechtigt, in Zukunft bei Profiwettkämpfen zu starten. Der 34-Jährige erklärt:

Sobald ich die Profikarte annehme, darf ich nicht mehr an Amateurwettkämpfen starten, sondern bei den Besten der Besten. Es gibt weniger Wettkämpfe und man bezahlt keine Startgebühr mehr.

Vom Bodybuilding zu leben, ist in der Schweiz aber unmöglich, auch die Profikarte hilft da nicht. «In den USA ist Bodybuilding ein riesiges Ding und allgemein wird der Sport auf der ganzen Welt betrieben. Aber davon leben können nur sehr wenige. Man macht es aus purer Leidenschaft.» Diese teilt Marco Stiefken mit seiner Frau Jacqueline, die den Sport ebenfalls auf Leistungsniveau treibt. «Sie hat in Vaduz die Ränge zwei und vier erreicht und keine Profikarte geholt. Manchmal hat alles auch mit Glück und Pech zu tun, denn die Siegerin war eine mehrfache Weltmeisterin aus Spanien. Sie zu schlagen, war einfach zu schwierig.»

«Für unsere Leute auf der Bühne gestanden»

Auch Marco Stiefken spürt auf seinem Weg Widerstand. Er wollte die Profikarte schon zwei Wochen zuvor am Wettkampf in Klagenfurt holen, es hat aber nicht geklappt. Er war frustriert. Die Motivation für Vaduz war hoch. Einerseits, weil seine Wegbegleiter ihn mit einem Motivationsvideo heiss machten. Dann aber vor allem, weil es eine Art Heimspiel für seine Frau und ihn war.

Wir sind für unsere Leute auf der Bühne gestanden. Wir fuhren nach Vaduz und sagten: Diesen Wettkampf machen wir nur für euch.

Die beiden konnten auf eine grosse, lautstarke Fangemeinde zählen. Und gemeinsam jubeln.

Die Profikarte zu erlangen, gehört noch nicht lange zu Marco Stiefkens Zielen. Eigentlich wollte er nach einigen Erfolgen das letzte Jahr pausieren. Doch die «Road to Pro», wie er sagt, verschwand nicht aus dem Hinterkopf. «Ich habe es mir in den Kopf gesetzt. Und ganz ehrlich – am Ende will jeder, der Bodybuilding betreibt, die Pro-Card.» Also schuftete er stunden-, wochen-, monatelang, um die beste Linie, wie die Körperhaltung in dem Sport heisst, zu erreichen. Und sich seinen Traum zu erfüllen.

Zu verbissen, um Teil eines Teams zu sein

Kraftsport hat Marco Stiefken schon fasziniert, als er ein Kind war und in Rebstein aufwuchs. «Ich habe jeweils mit meinem Vater am Fernsehen Arnold-Schwarzenegger-Filme und irgendwelche lustigen Strongman-Wettbewerbe geschaut. Das hat mir immer gefallen», sagt er lachend. Selbst in eine solche Disziplin einzusteigen, war damals noch kein Thema, Sport war aber auch da schon ein wichtiger Teil von Marco Stiefkens Leben. Leichtathletik, Ringturnen und Fussball waren da, bevor er Fitness und später das Bodybuilding für sich entdeckte.

Marco Stiefken ist ein geselliger Typ, der sich gern mit Menschen trifft und viel lacht. Trotzdem, es mag ein wenig überraschen, war Teamsport gar nichts für ihn.

Ich bin verbissen und will immer gewinnen, wenn ich bei etwas starte. Und ich verliere schnell einmal die Motivation, wenn im Team jemand nicht mitmacht.

Im Einzelsport fühlt er sich wohler. Marco Stiefken sagt: «Da kann ich nur auf mich selbst wütend sein. Auch das ist schon vorgekommen.»

Marco Stiefken teilt die Leidenschaft für den Sport mit seiner Frau Jacqueline.
Marco Stiefken teilt die Leidenschaft für den Sport mit seiner Frau Jacqueline.
Bild: pd

Bodybuilding erfordert vor allem eines: eine eiserne Disziplin, die es, sobald es in Richtung Wettkampf geht, ausnahmslos aufzubringen gilt. Zur Vorbereitung auf einen Contest gehört nicht nur das körperliche Training, nicht nur, jeden einzelnen Muskel zu stählen, sondern auch eine strikte Diät. Marco Stiefken isst in dieser Phase sechsmal am Tag, meistens ähnliche Zutaten in anderer Zubereitung, und alles ist auf das Gramm abgewogen – selbst wie viel Salz er zu sich nehmen darf. «Ich kenne es nicht anders und ich liebe es», sagt er dazu, wie die Zeit vor einem Wettkampf verläuft.

Eine uneingeschränkte Empfehlung, Bodybuilding zu betreiben, gibt er indes nicht ab. «Allen, die mich fragen und nicht selbst Vollfreaks sind, sage ich, sie sollen drei-, viermal pro Woche ins Fitness gehen, das reicht. Was ich mache, empfehle ich nicht. Erstens, weil man dann kein anderes Leben mehr hat. Und zweitens, weil der Verschleiss extrem ist.» Bodybuilding sei Leistungssport, «und Leistungssport ist nicht gesund. Auch für die Psyche nicht.»

Das Debüt folgt nicht heute oder morgen

Auch deshalb lässt er sich nun viel Zeit damit, die Profikarte einzulösen. Im Oktober findet in der Schweiz zwar ein Profi-Wettkampf statt, an diesem startet er aber nicht. «Vielleicht gehe ich dort die Preisverleihung machen oder anders am Anlass mithelfen, denn ich bin dem Schweizer Verband sehr dankbar für seine Unterstützung. Aber ein Start kommt nicht in Frage», sagt Marco Stiefken. Er hat zwei Jahre Zeit, sich für einen Pro-Wettkampf anzumelden und dann ein weiteres Jahr, um ihn zu bestreiten.

«Ich brauche jetzt zwei Jahre Pause. Dann gebe ich mein Pro-Debüt und schaue, wie es weitergeht», sagt Stiefken. Er weiss, dass er einen Meilenstein in seiner Karriere erreicht hat und blickt entspannt in die Zukunft:

Ich habe noch nicht richtig verarbeitet, dass ich die Profikarte wirklich geholt habe. Aber ich habe gemerkt, dass der Druck weg ist. Ich will abschalten und zum Beispiel auch viel Zeit mit meiner Grossmutter verbringen. Sie ist 88-jährig und früher war ich jeden Tag bei ihr. In letzter Zeit musste ich ihr viel zu oft absagen.