Ein Hinrundenfinale wie im 2021 - doch diesmal für Montlingen | Der Rheintaler

St. Margrethen | Montlingen 05.11.2022

Ein Hinrundenfinale wie im 2021 - doch diesmal für Montlingen

Letztes Jahr stürzte St. Margrethen den FC Montlingen im letzten Hinrundenspiel ins Elend. Jetzt ist es umgekehrt.

Von Remo Zollinger
aktualisiert am 07.11.2022

Ein 2:1 in Montlingen war es, das dem FC St. Margrethen vor Jahresfrist eine ruhige Winterpause bescherte, während der Gegner in höchster Abstiegsnot zurückblieb. Dieses Jahr ist es anders: Der FCM siegte auf der Rheinau 4:1, geht mit 16 Punkten in den Winter, die Unterrheintaler bleiben auf vier sitzen. Sie traten unter mehreren Gesichtspunkten auf wie ein Absteiger.

Faktor 1: Die Chancenauswertung. Der FC St. Margrethen spielte nicht schlechter, holte aus seinen Möglichkeiten aber weniger heraus als der Gegner. Besonders Mitte zweiter Halbzeit hätten die Gastgeber aufholen können, sie liessen aber drei Topchancen teils stümperhaft liegen. Natürlich hat eine Mannschaft, die fast immer verliert, nicht allzu viel Selbstvertrauen. Hier wäre mit etwas mehr Überzeugung im Abschluss aber viel mehr drin gelegen.

Faktor 2: Die Solidarität. Auf dem Platz gerieten die St. Margrether sich ab und zu unschön gegenseitig in die Haare. Das ist in dieser Situation verständlich und zeigt, wie sehr die Situation die Spieler beschäftigt. Erfolg bringt das jedoch nicht; der Zusammenhalt im Team fehlt (siehe Zweittext unten).

Faktor 3: Die Qualität. Eine Mannschaft, die nach elf Spielen abgeschlagen am Tabellenende steht, tut das nicht per Zufall. Es war im Samstagsderby sichtbar: Montlingen bringt mehr PS auf das Feld als St. Margrethen. Ein Valdet Istrefi macht seine Chancen, entscheidet immer wieder Spiele für den FCM. St. Margrethen fehlen solche Spieler.

Faktor 4: Pech. Wer weiss, wie das Spiel ausgegangen wäre, hätte Montlingens Maik Büchel in der 17. Minute nach dem Foul als letzter Mann die rote statt die gelbe Karte gesehen?

Valdet Istrefi und Tarik Öztürk treffen je zweimal

In der ersten halben Stunde war St. Margrethen aktiv, blieb aber immer wieder an Montlingens Abwehr hängen. Die Gäste hingegen gingen mit ihrer zweiten Chance in Führung: Valdet Istrefi traf per Freistoss aus 30 Metern zum 0:1 (31.). Zuvor traf Noah Frick mit einem Hammer aus gleicher Distanz die Latte. Istrefi erhöhte in der 35. auf 2:0; St. Margrethens Abwehr hatte wegen einer mutmasslichen Abseitsposition die Arbeit eingestellt. Und als Öztürk in der 61. Minute das 3:0 erzielte, schien das Spiel entschieden.

Mit diesem Freistoss traf Valdet Istrefi zum 1:0 für den FC Montlingen.
Mit diesem Freistoss traf Valdet Istrefi zum 1:0 für den FC Montlingen.
Bild: Remo Zollinger

Dann folgten die vielen guten Chancen der Gastgeber und eine Gelb-rote für Maik Büchel (72.), ehe Nurkan Ibrahimi doch noch das Anschlusstor erzielte. Doch zu mehr reichte es St. Margrethen nicht – die Unterrheintaler begannen zu spät, an einen Punktgewinn zu glauben. In der 91. Minute erzielte Öztürk dann noch das 4:1 für Montlingen. Bei drei von vier Toren gab Noah Frick den Assist.

«Es ist eine Katastrophe, anders kann ich es nicht sagen»

St. Margrethens Spielertrainer Besart Shoshi war schon vor der Saison nicht zu optimistisch – dass es so schlimm würde, dachte aber auch er nicht. «Ich spiele seit über 20 Jahren Fussball, war Spieler und Trainer, doch so schlimm war es noch nie», sagt er nach dem Spiel. Er spricht auf die Einstellung mancher Spieler an.

Es gibt solche, die sagen, sie kämen nur ans Spiel, wenn sie in der Startelf stehen. Es ist eine Katastrophe, anders kann ich es nicht sagen.

Dass es dem Team nicht am Talent, sondern am Zusammenhalt fehlt, ist auf und neben dem Feld spürbar. Darauf gibt es hin und wieder unschöne Wortgefechte, die aber wohl hauptsächlich der sportlichen Situation geschuldet sind. Daneben sind bis auf den Trainer und drei Kollegen eine halbe Stunde nach dem Spiel alle verschwunden. Zusammen etwas zu trinken gibt es hier nicht. Der gesellige Shoshi schüttelt den Kopf.

«Ich liebe den Sport, ich versuche alles, aber irgendwann bin auch ich einmal ausgelaugt», so Shoshi. Optimismus klingt definitiv anders.

2. Liga, Gruppe 1
St. Margrethen – Montlingen 1:4 (0:2)
Rheinau – 150 Zuschauer.
Tore: 30. Istrefi 0:1, 35. Istrefi 0:2, 61. Öztürk 0:3, 78. Ibrahimi 1:3, 91. Öztürk 1:4.
St. Margrethen: Keller; Axhija, Prenaj, Cetinkaya, Gashi (64. Gavranic); Simonelli, Shala, Osmani, Ibrahimi; Rushiti (64. Keskin); Aktas.
Montlingen: F. Lüchinger; Büchel, Wörnhard, Haltiner, Zoller; Frick (93. L. Lüchinger), N. Lüchinger, Caglar (89. Wüst), S. Lüchinger, Ramadani (55. Öztürk); Istrefi (75. Malacrida).
Gelbe Karten: 17. Büchel, 33. N. Lüchinger, 37. Ramadani, 46. Osmani, 50. Cetinkaya, 77. Axhija, 90. Wörnhard.
Gelb-rote Karte: 72. Büchel.
Weitere Ergebnisse: Winkeln – Herisau 4:0, Abtwil-E. – Altstätten 2:2, Au-Berneck – Mels 2:0, Vaduz II – Uzwil II 3:1, Ems – Flawil 3:1.
Rangliste (alle 11 Spiele): 1. Vaduz II 25, 2. Abtwil-E. 23, 3. Ems 20, 4. Winkeln 19, 5. Altstätten 19, 6. Montlingen 16, 7. Au-Berneck 14, 8. Flawil 14, 9. Mels 13, 10. Uzwil II 11, 11. Herisau 8, 12. St.Margrethen 4.