Die Altstätterin Melanie Mazenauer ist Schiedsrichterin des Jahres | Der Rheintaler

Fussball 06.11.2023

Die Altstätterin Melanie Mazenauer ist Schiedsrichterin des Jahres

Melanie Mazenauer vom FC Altstätten wurde an der Ostschweizer Fussballnacht vor 1200 illustren Gästen zur besten Schiedsrichterin der Ostschweiz gekürt – umrahmt von Gala, Charity und einem Hauch Glamour. Hinter dem Titel stecken viel Aufwand, Engagement und Leidenschaft.

Von abr/mke
aktualisiert am 06.11.2023

Plötzlich taucht ihr Name auf der grossen Leinwand auf. Melanie Mazenauer erfährt an der Gala der Ostschweizer Fussballnacht, was ihre Familie schon länger wusste: Sie erhält den Award als beste Schiedsrichterin der letzten Saison. Dieser Titel wurde noch nie verliehen, ist also eine grosse Ehre.

«Mein Vater Sandro, selbst lange Zeit aktiver Schiedsrichter und unterdessen als Coach und Instruktor beim Verband immer noch fest mit den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern verbandelt, hat mich einfach wieder mal zur Gala eingeladen. Ich habe nichts davon gewusst. Umso grösser sind nun die Überraschung und die Freude», sagt die sichtlich stolze Melanie Mazenauer.

Sie betreibt mehr Aufwand als viele Fussballer

Melanie Mazenauer sprudelt und strahlt, wenn sie von der Tätigkeit als Schiedsrichterin erzählt. «Genau genommen bin ich Schiedsrichterin und Schiedsrichterassistentin. Ich habe so früh wie möglich, also mit 15 Jahren, damit angefangen und von den Coaches meistens sehr gute Noten erhalten. Aber natürlich nicht immer.» Angefangen hat sie bei den C-Junioren und schon bald wurde sie in die regionale Talentgruppe aufgenommen, um von mehr Trainings und Schulungen zu profitieren.

Dort wurde ich ermutigt, mein Talent als Assistentin an der Swiss Referee Academy zu vertiefen. Darum darf ich jetzt bereits in der 1. Liga Classic assistieren.

Wegen ihres Studiums wohnt Melanie Mazenauer in Olten, von wo aus die Wege an die Kurse nicht so lang sind. Die meisten finden in Bern und in der Westschweiz statt. «Ich bin jede Woche Teil eines Dreierteams. Das ist, was mir besonders gefällt: Zu dritt, als Team, versuchen, eine perfekte Leistung hinzukriegen, Woche für Woche. Dabei nicht nur in Sekundenschnelle die richtigen Entscheide zu treffen und eine noch so spezielle, seltene Regel sofort abrufbar zu haben, sondern auch zwischenmenschlich und gruppendynamisch die Emotionen positiv steuern zu können. Eine echt coole Sportart, das Schiedsrichterwesen», sagt sie.

Zusätzlich zu Matches, Kursen und Online-Übungen trainiert Mazenauer zwei- bis dreimal pro Woche im Fitnessbereich, also Kraft, Ausdauer und Schnelligkeit, denn in der 1. Liga ist das Tempo hoch. Wer auf Ballhöhe sein will – und das muss eine Assistentin zu jeder Zeit – muss schnell und geschickt sein sowie das Spiel lesen können. «Die besten Trainings sind Spiele. Je mehr Routine, desto besser kann man Spielsituationen lesen und Entscheidungen treffen.»

«Ich will jedes Spiel perfekt assistieren»

Beim Gespräch mit der besten Schiedsrichterin des Jahres wird schnell klar: Hier ist eine intelligente, motivierte Frau am Werk, die viel aus ihrem Hobby als Schiedsrichterassistentin rausholt.

Ich habe vor allem Spass daran. Ohne Spass wird das nichts. Ich komme herum, lerne Leute kennen, bin fit, spüre die Emotionen des Fussballs und seit dem 7. April 2022 bin ich sogar international unterwegs.

Das heisse etwa: Für drei Tage nach Finnland; ein Tag Anreise, der zweite Tag gehört dem Spiel, am dritten Tag reist man zurück. «Dazwischen macht man Erfahrungen, die man im Leben gut brauchen kann, logiert in schönen Hotels, ist im Team unterwegs, alles bezahlt und mit einem guten Sackgeld garniert», sagt Melanie Mazenauer.

Tatsächlich kommt sie bereits auf vier internationale Einsätze und stieg dieses Jahr in die 1. Liga auf. Hier muss sie sich wieder behaupten und gute Leistungen zeigen. Dreimal wurde sie bereits gecoacht und benotet, jedes Mal waren die Noten gut. «Am Schluss einer Saison komme ich wohl auf zehn Coachings. Ich bin auf bestem Weg, in der 1. Liga Fuss zu fassen. Was dann kommt, sehen wir. Schlussendlich will ich jedes Spiel perfekt assistieren. Die Noten sind von selbst gut, wenn ich mein Ziel erreiche.»

Das Schiedsrichtern als lukrative Lebensschule

Melanie Mazenauer hat bis zu den Junioren B selbst Fussball gespielt. Sie ist mit drei Brüdern aufgewachsen und einem Vater, der in der Schiedsrichterszene noch immer aktiv ist. Sie kannte die Schiri-Welt also schon und hatte sich angemeldet, sobald es möglich war.

An das erste Spiel erinnere ich mich nicht mehr so richtig. Ich weiss nur noch, dass der FC Rüthi gespielt hat, Junioren C, und ich von einem Coach betreut wurde. Aber das ist klar, die ersten Schritte macht man nicht allein,

sagt Melanie Mazenauer, die auch dienstälteste Schiedsrichterin in der Ostschweiz. Dass sie sich nicht mehr an die Details erinnert, ist wohl als gutes Zeichen zu deuten. «Ich kann jungen Leuten nur empfehlen, Schiedsrichter zu werden. Man lernt viel fürs Leben, bekommt breite Schultern, bleibt körperlich und geistig fit und nebenbei gibt es ein Sackgeld.» Der FC Altstätten, ihr Stammverein, ist stolz auf seine Schiedsrichterin. Und er ist angewiesen auf weitere Leute, die sich gern diesem Hobby verschreiben würden. Im Moment läuft die Suche auf Hochtouren, weil Altstätten sehr viele Aktivteams angemeldet hat. (abr/mke)