Fussball 03.04.2025

Der FC Widnau erwartet einen hartnäckigen Tabellenvorletzten

Die Uhren sind umgestellt: Die Spiele in Widnau beginnen wieder zur gewohnten Anspielzeit um 14 Uhr. Am Sonntag gastiert mit dem FC Bazenheid ein Team aus den hinteren Tabellenregionen auf der Aegeten.

Von Hansueli Steiger
aktualisiert am 03.04.2025

Vor zwei Tagen wurde bekannt, dass Andreas Lüchinger sein Traineramt nach fünf erfolgreichen Jahren, in denen sich das Team kontinuierlich entwickelt hat, nach dieser Saison niederlegt. Er sagt: «Es war eine lange, sehr schöne und intensive Zeit. Pro Saison hatten wir 30 Spiele – fast wie in der Bundesliga.» Fünf Jahre gehen im Fussball nicht spurlos an einem vorbei. «Ich wollte immer eine intaktes Team  übergeben, wenn ich aufhöre und ich denke, das ist mir gut gelungen. Es war eine sehr schwere Entscheidung, weil ich mich beim FC Widnau über all die Jahre sehr wohl gefühlt habe.» Die restlichen Spiele will Lüchinger mit dem Team geniessen: «Wir werden alles in die Waagschale werfen und schauen, zu was es reicht.»

«Defensiv solid, offensiv Luft nach oben»

Empfängt ein Spitzenreiter den Zweitletzten, ist die Favoritenrolle in der Regel schnell vergeben. Doch auch gegen Bazenheid ist nur mit 100 % Einsatz etwas Zählbares zu holen. Andreas Lüchinger sagt: «Die nächsten Spiele werden schwierig. Jeder, der sich im Abstiegskampf befindet, opfert sich auf. Wir sind die Gejagten, jeder möchte uns besiegen.»

Das Derby in Altstätten sei das erwartet schwere Spiel gewesen: «Unsere Leistung war defensiv sehr solid. Vor allem offensiv ist aber noch Luft nach oben.» So sieht es auch sein Bruder, Co-Trainer Daniel Lüchinger: «Altstätten stand in der ersten Halbzeit sehr tief. Wir taten uns schwer damit und fanden keine Lösungen nach vorne.» Die Konter, die sein Team immer wieder zuliess, machten dem Leader das Leben schwer. «Einige Spieler hatten nicht ihren besten Tag erwischt. Schliesslich waren wir der glückliche Sieger.» Er erwartet Bazenheid ähnlich stark wie Altstätten, die Untertoggenburger sind stets ein harter Brocken. Das letzte Heimspiel gewann Widnau am 27. September 2023, einem Mittwoch, auf dem Nebenplatz durch Tore von Lucas Barboza Maciel und Timon Cabezas, 2:1. Trotz Unterzahl in der ganzen zweiten Halbzeit wegen einer roten Karte, standen die Gäste einige Male nahe vor dem Ausgleich.

Auch in der Hinrunde hatte der FC Widnau mit Bazenheid mehr Mühe, als ihm lieb war. Am Schluss einer anstrengenden englischen Woche war er – nach Spielen gegen Altstätten und Dardania – am 7. September 2024 zu Gast auf dem Ifang. Bazenheid hatte die ersten drei Spiele verloren und wollte zu den ersten Punkten kommen. Das 0:0 hielten die Gastgeber bis in die 94. Minute, ehe Kevin Egbon den Ball an Bazenheid-Goalie Jordi Forster vorbei zum 1:0-Sieg versenkte.

Viele personelle Änderungen beim FCB

Im Winter hat Forster den FC Bazenheid verlassen. Der 26-Jährige wurde Nachfolger des zurückgetretenen Stammtorhüters Nemanja Babic bei Rorschach-Goldach. Schon im Sommer gab es Abgänge. Bekannt ist Edmir Zulic, der mittlerweile bei Altstätten Aktivposten ist. So etwa der langjährige Captain Marc Ott (zu Bütschwil) und Florentin Bytyqi, der zum Ligakonkurrenten Dardania wechselte. Neuer Stammtorhüter der Untertoggenburger ist seit Januar der 23-jährige Yuri-Gino Klein.

Ebenfalls im Januar wurde vom südbadischen Landesligisten FC Singen 04 der 37-jährige Patrick Peters verpflichtet, der die Captainbinde übernahm. Bereits 2006 und 2018 hatte er seine Fussballschuhe bei Bazenheid geschnürt. Peters war bei verschiedenen Schweizer Vereinen unter Vertrag – etwa Gossau, Herisau, Tuggen und Brühl. Von ihm erhofft sich das Team von Trainer Adrian Bernet mehr Stabilität in der Defensive.

Der FC Bazenheid wurde 1938 gegründet. Immer wieder schafften es Junioren des Clubs in höhere Ligen: Etwa Harald Gämperle, der bei St. Gallen, GC, Xamax und YB kickte, Elsad Zverotic (Wil, Luzern, YB, Nationalmannschaft Montenegro) oder Philipp Muntwiler (St. Gallen, Luzern, Vaduz). Vor knapp 15 Jahren machte der FCB im Cup Furore, indem er viermal auf namhafte Teams traf. Gegen Lugano verlor er wegen eines Gegentor in der 118. Minute. Zwei Jahre später war der FC Chiasso Endstation (0:1). Gegen St. Gallen erreichten die Rot-Schwarzen sogar die Verlängerung und verloren 0:2. 2016 war YB auf dem Ifang zu Gast. Jenes Spiel war dann klarer – 1:7.

Aufstieg mit dem Punktemaximum

2017 stürmte Bazenheid wieder in die Interregio – in 22 Spielen gewannen die Untertoggenburger 22-mal. Kein Wunder, haben der FCW und der FCB in der Liga schon einige Male die Klingen gekreuzt. In 19 Spielen gewann Widnau zehnmal, viermal trennte man sich unentschieden und fünfmal gewann Bazenheid.

Diese Rückrunde begann für den FCB mit einer 0:2-Niederlage bei Seefeld. Am letzten Samstag stand Bazenheid in Arbon kurz vor dem Sieg, ehe die Thurgauer in der Nachspielzeit mit einem Penalty zum 3:3 ausglichen.

Am Sonntag fehlen Widnau die gesperrten Ceyhun Tüccar und Carlos Giovetti de Almeida sowie die verletzten Orhan Ademi, Timon Cabezas und Kevin Egbon. Das sind einige Ausfälle, doch Widnau ist breit aufgestellt. Co-Trainer Daniel Lüchinger sagt: «Wir werden alles versuchen, um zu gewinnen. Ein Selbstläufer wird es aber nicht. In dieser Liga kannst du gegen jeden verlieren, wenn die Einstellung nicht stimmt.»

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