Fussball vor 6 Stunden

Der Discjockey legt nur einmal auf, aber Rüthi feiert einen Sieg

Der FC Rüthi gewinnt das erste Heimspiel der Saison gegen Aufsteiger Glarus mit 1:0 und gehört mit seinen sieben Punkten zur Spitzengruppe der 2. Liga, Gruppe 1. Der Torschütze und der Speaker sind auf ihre Art Neulinge auf dem Rheinblick.

Von Beni Bruggmann
aktualisiert vor 6 Stunden

Torschütze Alessandro Kräuchi, im St.Galler Nachwuchs ausgebildet, hat in St. Gallen, Wil und Vaduz Super- und Challenge-League-Erfahrung gesammelt. Er ist auf diese Saison hin zum FC Rüthi gekommen; in erster Linie als Spieler, aber auch als Ergänzung im Trainerteam. In der 24. Minute erzielt er nach schöner Einzelleistung das entscheidende Tor. Nicht nur wegen dieses Tores: Rüthi hat spielerisches Potenzial gewonnen.

Der Ersatzspeaker

Max Kurzhals, den anderen Neuling, findet man nicht auf dem Spielfeld. Er steht am Spielfeldrand, neben dem Tor, das dem Garderobengebäude am nächsten liegt, umringt von Kollegen, die auch das Vereinsdress des FC Rüthi tragen. Max ist der Speaker. Erst seit zwei, drei Spielen. Und auch das nur als Ersatzmann. Stefan Kobler, Speaker Nummer eins, ist in den Ferien.

Auf anderen Plätzen im Rheintal haben es die Sprecher komfortabler. Sie belegen ihren eigenen Raum, in dem sie ungestört sind. Nicht selten ist er erhöht, damit sie das Geschehen auf dem Platz genau verfolgen können. Kurzhals’ Einrichtung ist spartanisch. Natürlich ein Mikrofon, dazu sein Handy, ein paar Zettel und ein Mini-Tischchen, das er am Geländer, das den Platz begrenzt, einhängen kann, damit er eine Unterlage zum Notieren hat. Wenn es regnet, kommt ein Regenschirm dazu.

Bestens vorbereitet

Man merkt es im Gespräch mit ihm sofort: Er nimmt seine Aufgabe ernst. Schon zwei Stunden vor dem Spiel ist er auf dem Platz. Die Technik muss klappen. Seine Unterlagen hat er bereits vorbereitet. Lange vor dem Anpfiff kümmert er sich um die Aufstellungen und schaut die Namen des Gastteams genau an. «Wenn ich nicht weiss, wie man einen Namen ausspricht, erkundige ich mich.»

Kurz vor dem Anpfiff gibt er die Mannschaftsaufstellungen durch, auch das Schiri-Trio wird genannt. Alles kurz, klar, gut zu verstehen. Im Rheintaler Dialekt. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Der Name Kurzhals deutet auf deutsche Wurzeln hin. «Ja, unsere Vorfahren lebten in Deutschland. Aber ich bin in Rüthi aufgewachsen und zur Schule gegangen. Schon mit vier Jahren spielte ich Fussball beim FCR. Das tue ich heute noch. Fussball ist mein einziges Hobby. Ich spiele in der zweiten Mannschaft, am liebsten im offensiven Mittelfeld.»

Einen Song für jeden

Einziges Hobby? Vermutlich ist es für ihn eine Selbstverständlichkeit. Aber wer sieht, wie geschickt er mit dem Handy umgeht, hat das Gefühl, auch dies sei ein Hobby. Neben den Durchsagen, die einfach zu einem Spiel gehören, hat Max Kurzhals noch eine Spezialität. Er führt eine Liste der Spieler mit ihrem Lieblingssong. Von diesem hat er 20 Sekunden auf sein Handy aufgenommen. Schiesst nun ein Spieler ein Tor, folgt zuerst eine kurze Sequenz aus seinem Song und dann die Durchsage, wer der Torschütze sei.

Nach dem 9:1-Sieg gegen Eschenbach vom letzten Spieltag durfte man sich am Samstag gegen Glarus, das ja auch am Tabellenende liegt, eine rechte Anzahl Tore und damit eine schöne «Party mit DJ Max» auf dem Rheinblick erhoffen. Daraus wird nichts. Ein einziges Tor fällt. Und das ausgerechnet durch Alessandro Kräuchi, von dem die Lieblingsmelodie in des Speakers Sammlung noch fehlt. Er sucht in seinem Fundus und spielt 20 Sekunden aus «I Kissed a Girl» von Katy Perry. Hoffentlich im Sinn von Kräuchi. Dann hat der Discjockey nach Kurzarbeit Feierabend. Die restlichen Durchsagen sind Routine.

Ein anderer Stil

Hinter dem Tor auf der Gegenseite steht während der ersten Halbzeit Martin Büchel. Er war jahrelang Speaker auf dem Rheinblick, also ein Vorgänger von Max Kurzhals. Er war mit Freude dabei und hatte seinen ganz persönlichen, freundlichen Stil. Kein Wunder, ist das, was jetzt aus den Lautsprechern als Musik ertönt, nicht nach dem Geschmack des 72-jährigen Pensionärs. Aber wenn man einem 24-Jährigen die Aufgabe als Speaker anvertraut, darf er auch seine Musik spielen – auch wenn sie Martin und mich und überhaupt die ältere Generation nicht anspricht.

Fazit: Ein guter Heimspielstart für den FC Rüthi, ein guter Heim-Einstand von Alessandro Kräuchi und eine geglückte Premiere von Max am Mikro.