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Fussball 30.07.2026

Das St.Galler Wunder von Lissabon bleibt aus – FCSG verliert hoch

Der FC St.Gallen wird nicht in der Europa League spielen: Er verlor beim portugiesischen Rekordmeister SL Benfica sehr deutlich und schied aus. Dennoch lebt der Traum von einer europäischen Gruppenphase weiter: Nun geht’s gegen Sheriff Tiraspol.

Von Remo Zollinger, Lissabon
aktualisiert am 30.07.2026

Nachdem dem FC St.Gallen vor einer Woche im Hinspiel mit dem 2:1-Sieg eine Sensation gelungen war, trat er am Donnerstag zum Rückspiel der zweiten Europa-League-Qualifikationsrunde an. In Portugal erwartete ihn eine schwierige Aufgabe, die er ohne Stammgoalie Lawrence Ati Zigi lösen musste. Anstelle des verletzten Ghanaers begann Lukas Watkowiak. Abgesehen davon verzichtete Trainer Enrico Maassen auf Wechsel in der Startelf; die als angeschlagen gemeldeten Carlo Boukhalfa, Tom Gaal und Lukas Görtler spielten von Beginn an. Auch das Sturmduo blieb gleich, Andrin Hunziker muss weiter auf sein Startelf-Debüt warten.

Bei Benfica gab es ebenfalls nicht viele Wechsel, nur das zentrale defensive Mittelfeld sah anders aus als im Hinspiel. Statt Miguel Figueiredo und Manu Silva spielten Leandro Barreiro und Enzo Barrenechea. Mehr Änderungen gab es nicht, wobei die Rückkehr des Belgiers Dodi Lukébakio und des Norwegers Andreas Schjelderup auf die Ersatzbank auffiel. Die Portugiesen konnten also auf ein grösseres Kader zurückgreifen – Lukébakio ist ein bewährter Routinier und dem erst 22-jährigen Schjelderup wird ein Marktwert von 40 Millionen Euro nachgesagt.

Benfica geht in der elften Minute in Führung

Was die St.Galler in Lissabon antrafen, war ein grosses Stadion mit vielen Fans, aber alles andere als ein Hexenkessel. Der Geräuschpegel erreichte keine besondere Höhen, wobei Benficas Ultras in einer Art Protest waren. Los ging es mit einem ersten Abschluss von Christian Witzig und einem ersten St.Galler Eckball, beides brachte nicht viel Gefahr. Auf der Gegenseite ging Benfica mit der ersten richtigen Aktion in Führung. Die Ostschweizer Abwehr verschlief in der elften Minute einen Einwurf Benficas, in dessen Anschluss Rafa Silva von der rechten Seite zur Mitte spielte, wo Vangelis Pavlidis das 1:0 erzielte.

St.Gallen reagierte auf diesen frühen Tiefschlag mit einer Halbchance von Aliou Baldé sowie einem Boukhalfa-Kopfball, der drüber ging. Viel mehr brachten die Gäste aber nicht zustande, ehe das Spiel merklich abflachte. Wer sich in dieser Phase bemerkbar machte, waren die St.Gallen-Fans: Sie waren trotz der Sperre des Gästeblocks angereist und fanden in einem Sektor direkt unter dem Stadiondach Platz.

Watkowiak gegen Silva mit einer Monsterparade

Benfica hatte mehr vom Spiel, war aber nicht drückend überlegen. Die Portugiesen griffen mit viel Geduld an und verloren diese nicht, als St.Gallens Abwehr drei-, viermal klärte. Doch kamen die Portugiesen mal durch, war da immer noch Watkowiak: Zehn Minuten vor der Pause parierte er einen Kopfball von Antonio Silva reflexstark. St.Gallen war in dieser Phase mit nicht viel mehr als Abwehren beschäftigt, und Tom Gaal musste tatsächlich verletzungsbedingt dem jungen Joel Ruiz Platz machen.

In der 40. Minute zeigten sich auch die Espen wieder in der Offensive, doch Baldés starker Linksschuss nach einer schönen Einzelaktion prallte nur an den Pfosten. Weil Benfica danach zwar noch dreimal gefährlich vor Watkowiak auftauchte und durch Jakub Kaminski eine weitere riesige Chance hatte, aber kein Tor erzielte, blieb es zur Pause beim 1:0. Das Gesamtskore lautete 2:2 – der FC St.Gallen durfte zu diesem Zeitpunkt zufrieden feststellen, Benfica über drei Halbzeiten ebenbürtig gewesen zu sein. Doch die entscheidenden 45 Minuten folgten noch.

Doppeltes Unglück innert einer Minute

Und diese entscheidenden 45 Minuten hatten es in sich. In der 54. Minute gelang es Watkowiak noch, eine Chance von Barreiro abzuwehren, doch eine Minute später lag der Ball im Netz. Kaminski bediente nach einer schnellen Ballstafette Pavlidis, der zum zweiten Mal traf. Maassen unternahm einen Doppelwechsel: Für Boukhalfa und Witzig kamen Leon Frokaj und Andrin Hunziker. Doch die Portugiesen waren nun zu überlegen. Nur eine Minute nach dem Wechsel kam Stanic zu spät, foulte seinen Gegner und flog mit der Ampelkarte vom Platz.

In der 66. Minute erhöhte Pavlidis per Kopf auf 3:0, womit das Spiel definitiv gelaufen war. Benfica setzte zum Schaulaufen an und bekam in der 73. Minute nach einem Foul von Frokaj einen Penalty zugesprochen. Einmal mehr traf Pavlidis, der damit sein viertes Tor erzielte. Danach gab der Benfica-Trainer auch noch Lukébakio und Schjelderup Auslauf. Das nächste Tor schoss aber ein Altbekannter: Clement Lenglet, ehemaliger französischer Nationalspieler, traf in der 83. Minute zum 5:0.

St.Gallen versuchte, wenigstens noch das Ehrentor zu erzielen, doch dies gelang weder Frokaj noch Hunziker. Frokaj tankte sich sehenswert durch, indem er drei Portugiesen stehen liess, schoss aber knapp daneben. Weiter geht’s am Sonntag mit dem Auswärtsspiel in Vaduz. Am Donnerstag, 6. August, folgt der nächste europäische Auftritt: Die Ostschweizer gastieren in der dritten Qualifikationsrunde zur Conference League in Moldawien bei Sheriff Tiraspol. Das Rückspiel findet am 13. August im Sitterstadion statt. Übersteht der FCSG diese Runde, folgt vor dem Einzug in die Ligaphase noch das Playoff mit Hin- und Rückspiel.

Europa-League-Qualifikation, 2. Runde, Rückspiel
SL Benfica – FC St.Gallen 5:0 (1:0)
Estádio da Luz – 60000 Zuschauer – SR: Badstübner; Günsch, Hüwe.
Tore: 11. Pavlidis, 55. Pavlidis, 66. Pavlidis, 74. Pavlidis, 82. Lenglet.
Benfica: Trubin; Bah (77. Dedic), Silva, Lenglet, Dahl; Barreiro (66. Ríos), Barrenechea; Silva (75. Lukébakio), Sudakov, Kaminski (75. Schjelderup), Pavlidis (77. Duran).
St.Gallen: Watkowiak; Gaal (33. Ruiz), Stanic, Okoroji; Vandermersch, Görtler (71. Konietzke), Daschner, Boukhalfa (57. Frokaj), Stevanovic; Baldé (71. Owusu), Witzig (57. Hunziker).
Gelbe Karten: 21. Stanic, 50. Okoroji.
Gelb-rote Karte: 57. Stanic.