Altstätten vor 6 Stunden

Barockorchester Concerto Stella Matutina: «Alte Musik» neu interpretiert

Das Konzert im Rahmen des Altstätter Konzertzyklus’ vom vergangenen Sonntag war der sogenannten Alten Musik gewidmet. Unter diesem Begriff firmiert Musik aus dem Früh- und Hochbarock.

Von Arthur Oehler
aktualisiert vor 6 Stunden

Wir befinden uns damit in einem Zeitfenster, das etwa vom späten 16. bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts offen war. Innerhalb dieses zeitlichen Rahmens machte die Musik bedeutende Entwicklungsschritte. Sie charakterisieren sich u. a. durch die Entstehung der Oper und des Generalbasses, durch emotionale Ausdrucksstärke und virtuose Verzierungen und durch die Mehrchörigkeit. Für den typischen barocken «Sound» ist die Barockstimmung der Instrumente verantwortlich. Sie liegt im Vergleich zur modernen Stimmung etwa einen Halbton tiefer.

Abgetaucht und mitgerissen

Beispielhaft, mustergültig für die Umsetzung dieser barocken Klangwelt steht das Vorarlberger Barockorchester Concerto Stella Matutina (CSM), benannt nach dem ehemaligen Jesuitenkolleg Feldkirch und dem heutigen Landeskonservatorium für Vorarlberg. Das Originalklang-Ensemble füllte den zeitlichen Gattungsbegriff «Alte Musik» mit neuem Leben, sodass man als Zuhörender den Begriff «Alt» dank dem fulminanten Auftritt sogleich vergass. Man tauchte mit den Musizierenden gewissermassen ins Barockzeitalter ab und liess sich von der Klangfülle mitreissen. Das Programm versprach einen umfassenden Querschnitt durch die Barockmusik.

Seit seiner Gründung 2005 hat sich das CSM einen festen Platz in der Reihe der führenden Originalklang-Orchester Österreichs erspielt. Gastspiele führten das Concerto beispielsweise zu den Internationalen Barocktagen im Stift Melk, zum Origen Festival in Graubünden; Auftritte gab es auch im Konzerthaus und im Musikverein Wien oder im Rheingau Festival.

Von Altposaune bis Zink

Das Ensemble wurde bei diesem Konzert geleitet vom Barockspezialisten Frithjof Smith. Er trat zugleich auch als Zinkenist im Orchester auf, stellte das unbekannte Instrument vor und führte in kurzen Worten durch das Programm. Frithjof Smith studierte an der Schola Cantorum Basiliensis mit dem Hauptfach Zink. Der Zink (italienisch Cornetto = Horn) ist ein historisches Holzblasinstrument mit sinnlichem Klang und grosser Beweglichkeit. Frithjof Smith spielt auch in vielen bekannten Gruppen für «Alte Musik» wie English Baroque Soloists, Concentus Musicus Wien, Musica Fiata oder La Petite Bande mit.

Das Programm war eine «Tour d’horizon» durch die barocke Klangwelt von A wie Altposaune bis Z wie Zink. Sozusagen als Ouvertüre erklang die Toccata für zwei Trompeten, zwei Zinken, vier Posaunen, Streichern und Basso continuo aus der Oper «Orfeo» von Claudio Monteverdi (1567–1643). Es folgte eine Canzon von Giovanni Gabrieli (1554–1612), ebenfalls mit Bläsern und Streichern besetzt. Als Kirchenmusiker am Markusdom in Venedig hatte er die Möglichkeit, seine revolutionären Neuerungen zu erproben und weitere Entwicklungsschritte zu wagen. Damit wurde er Vorbild für zahlreiche seiner Schüler.

Mehrchörigkeit nachgestellt

Und so entfaltete sich im Laufe des Konzerts der strahlende Glanz früh- und hochbarocker Musik in ganz verschiedenen Bläser- und Streicherbesetzungen. Dabei lernte man auch eine ganze Reihe unbekannter Komponisten aus der Barockzeit kennen wie beispielsweise Massimiliano Neri (ca. 1615–1666), Philipp Jakob Ritter (ca. 1637–1690) oder Giovanni Priuli (1575–1627). In der Sonata à 13 von Antonio Bertani konnte das CSM dank der architektonischen Gegebenheiten in der evang. Kirche Altstätten die Situation der Mehrchörigkeit in San Marco, Venedig, mit ihren Emporen – wenn auch in bescheidenerem Ausmass – nachstellen mit den Bläsern auf der Empore und den Streichern im Kirchenschiff. Das festliche Konzert endete mit einer Sonata von Antonio Bertali als Zugabe.