Fussball 20.07.2026

Auf den FC St.Gallen warten im Europacup lange Reisen

Am Donnerstag trägt der FC St.Gallen gegen SL Benfica das Hinspiel der zweiten Qualifikationsrunde zur Europa League aus. Je nach Ausgang dieser Runde wartet auf den FCSG eine Reise nach Graz, Edinburgh, Tiraspol oder Batumi.

Von rez
aktualisiert am 20.07.2026

Gespannt verfolgten die FCSG-Fans am Montag die Auslosungen für die nächsten europäischen Qualifikationsspiele der Ostschweizer. Sie dürfen aufgrund einer Sperre der UEFA nicht ans Auswärtsspiel nach Lissabon reisen, weshalb diese Auslosung eine besondere Bedeutung hatte. Und weil sie vor den beiden Partien gegen den portugiesischen Rekordmeister stattfand, gibt es nun vier Optionen.

Wohin der FC St.Gallen in der nächsten Runde reist, hängt primär davon ab, wie die doppelte Partie gegen Benfica ausgeht. Gelingt den Grün-Weissen die Sensation, treffen sie in der dritten Runde der Europa-League-Quali entweder auf Sturm Graz oder Heart of Midlothian aus Schottland. Beide Gegner sind sportlich etwas höher einzuschätzen als der FCSG, allerdings wäre er nicht chancenlos. Sturm Graz – mit dem Ex-St.Galler Albert Vallci – beendete die letzte Saison einen Punkt hinter dem Linzer ASK auf dem zweiten Rang der österreichischen Bundesliga. Heart of Midlothian wäre es indes um ein Haar gelungen, die Hegemonie der Glasgower Vereine Celtic und Rangers zu durchbrechen und als erster anderer Club seit Aberdeen im Jahr 1985 Meister zu werden. Dies gelang aber doch nicht; am Ende lagen die Hearts mit zwei Punkten weniger als Celtic auf Rang zwei.

In dieser Runde würde der FC St.Gallen sein Heimspiel am 6. und sein Auswärtsspiel am 13. August austragen. Kommt er gegen Benfica nicht weiter, wäre dies umgekehrt. Verliert der FCSG, scheidet er nicht direkt aus dem Europacup aus: Es ginge in der dritten Qualirunde zur Conference League weiter. Der Gegner dort hiesse Sheriff Tiraspol (Moldau) oder Maccabi Tel Aviv (Israel). Diese Gegner wären für die Fans mit deutlich mehr Reiseaufwand verbunden, allerdings auch schlagbarer. Maccabi trägt seine Europacup-Heimspiele derzeit nicht in Israel aus, sondern in Batumi, einer Stadt in Georgien, die am Schwarzen Meer liegt. Batumi ist nur 200 Kilometer von Trabzon entfernt, wo St.Gallen sich vor zwei Jahren für die Ligaphase der Conference League qualifiziert hatte.

Tiraspol liegt in Transnistrien, einem Gebiet Moldawiens, das Anspruch auf politische Unabhängigkeit erhebt und von Russland unterstützt wird.
Tiraspol liegt in Transnistrien, einem Gebiet Moldawiens, das Anspruch auf politische Unabhängigkeit erhebt und von Russland unterstützt wird.
Bild: Archiv/Remo Zollinger

In der Republik Moldau liegt die Stadt Tiraspol, deren Fussballverein Sheriff heisst. Dieser schaffte im September 2021 eine riesige Sensation, als er in der Champions League in Madrid gegen Real 2:1 gewann. Seither ist einige Zeit vergangen und der Verein spielt international eine kleinere Rolle. Dies liegt auch am russischen Krieg gegen die Ukraine, der für die Region noch mehr Isolation zur Folge hatte. Tiraspol liegt in der Pridnestrowischen Moldauischen Republik, kurz PMR, oder auch Transnistrien. Das Gebiet erhebt Anspruch auf Unabhängigkeit, wird aber völkerrechtlich von keinem Staat anerkannt – nicht einmal von Russland, von dem die PMR stark abhängig ist. Für Schweizerinnen und Schweizer ist es möglich, in die Region zu reisen, allerdings bestehen zwischen dem Flughafen in der moldauischen Hauptstadt Chisinau und Tiraspol Grenzkontrollen. Einen eigenen Flughafen hat die PMR nicht.

So sieht es in Tiraspols Stadtzentrum aus – prägend ist die Lenin-Statue vor dem Rathaus.
So sieht es in Tiraspols Stadtzentrum aus – prägend ist die Lenin-Statue vor dem Rathaus.
Bild: Archiv/Remo Zollinger