Im Abwasserwerk Rosenbergsau (AWR) in Au wurden letztes Jahr 7,8 Millionen Kubikmeter Abwasser gereinigt. Das sind rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Im langjährigen Vergleich liegt der Wert hingegen fünf Prozent über dem Durchschnitt.
Während des Betriebsjahrs ist die Einwohnerzahl im Einzugsgebiet um 417 auf 43'715 Personen gestiegen. Im selben Zeitraum hat die Abwassermenge der Industrie aufgrund von betrieblichen Schwankungen markant abgenommen. Umgerechnet entspricht dies einer reduzierten Menge von 5000 Privatpersonen. Heute wird von der Industrie noch so viel Abwasser gereinigt, wie 27'283 Personen der ARA zuführen.
Der Gesamtaufwand war mit 5,9 Millionen Franken geringer als budgetiert. Gerechnet wurde mit einem Aufwand von knapp 6,2 Millionen Franken. Die Erfolgsrechnung 2024 schliesst damit mit einem Aufwandüberschuss von 141'000 Franken ab. Das Eigenkapital reduziert sich auf knapp 6,8 Millionen Franken.
Bauarbeiten sind auf Kurs
Christian Sepin, Verwaltungsratspräsident des Abwasserwerks Rosenbergsau, informierte an der Delegiertenversammlung, dass die Bauarbeiten der EMV-Stufe (Elimination von Mikroverunreinigungen) auf Kurs sind. Insgesamt werden 19 Millionen Franken in die zusätzliche Reinigungsstufe investiert, um Mikroverunreinigungen aus dem Abwasser zu entfernen.
Der AWR-Geschäftsführer Maurizio Schirinzi zeigte auf, dass die ersten Studien für die zusätzliche Reinigungsstufe vor über zehn Jahren gemacht wurden und vor rund drei Jahren die Baubewilligung vorlag. Noch vor den Sommerferien soll die neue Anlage in Betrieb gehen. Gemäss Prognosen kann das Baubudget eingehalten und im besten Fall leicht unterschritten werden.
Anforderungen nehmen zu
In einem Ausblick zeigte Maurizio Schirinzi, dass mit dem Abschluss der Bauarbeiten der EMV-Stufe die Investitionen in die moderne Anlage nicht abgeschlossen sind. Als nächstes muss in der biologischen Reinigungsstufe die Stickstoff-Elimination von heute 60 bis 65 Prozent auf 80 Prozent erhöht werden. Dies ist aufgrund der Überarbeitung der Gewässerschutzverordnung nötig. Sie tritt voraussichtlich im Jahr 2028 in Kraft.
Um Entscheidungsgrundlagen für die nötigen Sanierungsmassnahmen zu erhalten, wurde eine Varianten- und Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Weiter beschäftigt sich der Verwaltungsrat mit den möglichen Folgen eines länger andauernden Stromausfalls. Das Szenario ist aufgrund der geopolitischen Lage realistischer geworden, als es vor ein paar Jahren schien. Eine bundesrätlich angeordnete, zyklische Netzabschaltung hätte Auswirkungen auf das Abwassersystem.
Keine Notstromversorgung
Aktuell ist der Betrieb bei anhaltendem Stromausfall nicht gewährleistet. Weder die ARA noch die verbandseigenen Anlagen verfügen über eine Notstromversorgung. Der Verwaltungsrat prüft deshalb verschiedene Möglichkeiten, wie die Siedlungsentwässerung bei länger andauerndem Stromausfall sichergestellt werden könnte.
Abwasserwerk kann bald Mikroverunreinigungen entfernen - nächste Investition auf dem Weg