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Heerbrugg

Um zu erfahren, wie die «Nadelmethode» funktioniert, konnten die Besucher der Präsentation gleich selber mit farbigen Punkten die von Jugendlichen bevorzugten oder abgelehnten Orte markieren.
Um zu erfahren, wie die «Nadelmethode» funktioniert, konnten die Besucher der Präsentation gleich selber mit farbigen Punkten die von Jugendlichen bevorzugten oder abgelehnten Orte markieren. (Bild: Maya Seiler)

Wo Jugendliche ihre Freizeit verbringen

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Das Jugendnetzwerk der Sozialen Dienste Mittelrheintal (SDM) hat untersuchen lassen, wo sich Oberstufenschüler der Mittelrheintaler Gemeinden in der Freizeit bevorzugt aufhalten. Das Ergebnis überraschte.

Um mehr über Gewohnheiten und Bedürfnisse der Jugendlichen zu erfahren, gaben die Verantwortlichen für offene Jugendarbeit bei der Fachhochschule St. Gallen eine Umfrage in Auftrag. Fünf Studentinnen untersuchten mit sozialwissenschaftlichen Methoden das Freizeitverhalten von Jugendlichen in der Agglomeration Mittelrheintal. Die Gemeindegrenzen zwischen Au/Heerbrugg, Balgach, Berneck, Widnau und Diepoldsau sind sehr komplex; auch die Aufgabenverteilung ist in den fünf Gemeinden unterschiedlich. So gehört Au-Heerbrugg nicht mehr den SDM an, ist aber zusammen mit Berneck und Balgach an der gemeinsamen Oberstufe OMR beteiligt. Auch andere Aufgaben werden zum Teil von jeder Gemeinde individuell oder aber in regionaler Kooperation gelöst. Die Auswirkungen auf die Sozialräume der Jugendlichen sind für das Wirken des Jugendnetzwerks von Bedeutung.

Mit professionellen Methoden analysiert

Die Fachhochschulstudentinnen haben Anfang Juli an den Oberstufenschulen von Diepoldsau und Widnau sowie an den beiden OMR-Standorten die Schülerinnen und Schüler befragt. Dabei gingen sie nach der Nadelmethode vor, verwendeten aber statt Stecknadeln farbige Punkte. Diese wurden von den Jugendlichen auf einem grossmassstäblichen Ortsplan der fünf Mittelrheintaler Gemeinden platziert, an den Orten, die in der Freizeit bevorzugt aufgesucht oder aber bewusst gemieden werden. Die Ergebnisse waren zum Teil vorhersehbar: Unbeliebt waren die diversen Schulstandorte; bevorzugt hält man sich in der Freizeit daheim oder bei Freunden auf, im Ausgang besucht man einen der Jugendtreffs, man geht gerne zum Schwimmen, sei es im Freibad Weier, in der Widnauer Badi oder im Maz. Zu den Badeorten gaben die mit der Umfrage betrauten Studentinnen zu bedenken, angesichts der Hitzetage Anfang Juli sei dies nicht überraschend. Sie empfahlen aber eine Wiederholung der Untersuchung zu einer kühleren Jahreszeit, um differenzierte Resultate zu bekommen.

Unterschiede je nach Wohngemeinde

Erstaunt waren die Fachstudentinnen, dass die Jugendlichen von Widnau und Diepoldsau ihre Freizeit hauptsächlich in der eigenen Gemeinde verbringen, während die Balgacherinnen und Bernecker eher Orte in einer Nachbargemeinde aufsuchen. Die anwesenden Vertreter des Jugendnetzwerks erklärten dies mit der gemeinsamen Oberstufe OMR für Balgach und Berneck (und Au-Heerbrugg): Man ist in der Freizeit gemeinsam mit den Schulkolleginnen und Kollegen aus den Nachbargemeinden unterwegs. Nur die Diepoldsauer Jugend geht für Cineplexx und Mc Donalds ins nahe Vorarlberg. Man hatte sich bei der Umfrage auf die Oberstufe, die Altersspanne zwischen 13 und 17 Jahren, beschränkt. Die Teilnahme war freiwillig; 177 Mädchen und 151 Buben machten mit. Gleichzeitig konnten sie auch Bedürfnisse notieren. Ein oft geäusserter Wunsch war Mitspracherecht in den Jugendtreffs. Dies erstaunte die anwesenden Treff-Leiter und -Leiterinnen, denn bei Entscheiden werden die jungen Besucher sehr wohl nach ihrer Meinung gefragt. Allerdings kann nicht jeder Wunsch erfüllt werden. Ein weiteres Thema sind Raucherzonen auf Schularealen oder bei Jugendtreffs, überdachte, nicht beaufsichtigte Gemeinschaftsplätze, ein Einkaufszen­trum oder ein Freibad in den Dörfern, wo es keines hat. Die Analyse stiess auf grosses Interesse der Fachleute, das Dafür und Dagegen der Ergebnisse wurde intensiv diskutiert.

Maya Seiler

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