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Nebst den bekannten Tafeln sollen neue Elemente die Besucher zum Lachen bringen.
Nebst den bekannten Tafeln sollen neue Elemente die Besucher zum Lachen bringen. (Bild: pd)

Witzweg soll aufgemöbelt werden

Karin Erni Kommentare

Der humorvolle Weg durchs Appenzeller Vorderland erfährt zum 30-Jahr-Jubiläum eine Modernisierung.

40000 Besucher begehen pro Jahr den 8,5 Kilometer langen Witzweg zwischen Walzenhausen und Heiden. Doch die Zahl sei in den vergangenen Jahren stetig im einstelligen Prozentbereich zurückgegangen, sagt Livia Himmelberger, Projektleiterin bei Appenzellerland Tourismus AR. «Einzig in den Jahren 2020 und 2021 gab es eine Zunahme. Wir führen dies auf eine allgemein verstärkte Nachfrage für Wanderungen sowie Ferien in der Schweiz infolge von Corona zurück.» Unter Einbezug von Bahn, Postauto und Schiff kann die Route zur Erlebnisrundfahrt erweitert werden, 3500 Personen machen gemäss Himmelberger pro Jahr vom Angebot Gebrauch. «Einbrüche der Nachfrage sind zu beobachten, wenn beispielsweise wie aktuell das Schiff oder wie im letzten Jahr das ‹Liseli› auf der Strecke Walzenhausen–Rheineck ausfällt.»

Neue Attraktionen sollen Publikum anlocken

Im Hinblick auf das 30-Jahr-Jubiläum des Witzwegs im Jahr 2023 hat Appenzellerland Tourismus AR in Zusammenarbeit mit den Appenzeller Bahnen, Postauto und der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt ein neues Konzept für die Rundfahrt erstellt. Verschiedene Attraktionen sollen es gemäss Livia Himmelberger dem Gast ermöglichen, den Appenzeller Witz mit allen Sinnen zu erleben. «Da Witze erst durch mündlichen Vortrag ihre volle Wirkung entfalten, wird der Fokus der Neuinszenierung des Themenwegs zukünftig darauf gelegt.»

Die Audio-Stelen erinnern an die Witzkiste in Heiden, wo Hans Sturzenegger aus Speicher und Ruedi Holderegger aus Rehetobel ihre Witze erzählen. Weiter soll es künftig eine Witz-Ausstellung geben, so Himmelberger. «Wir können uns diverse Standorte dafür vorstellen. Es laufen zurzeit Abklärungen. Uns ist wichtig, dass die Einrichtung frei zugänglich und damit nicht von Öffnungszeiten abhängig ist.»

Für die Ausführung der Arbeiten werde das einheimische Gewerbe berücksichtigt, sofern Anbieter vorhanden sind und diese zu marktkonformen Preisen offerieren, sagt Livia Himmelberger. «Es laufen bereits erste Abklärungen mit Firmen. Wer jedoch welche Attraktionen ausführen wird, ist noch nicht definiert.»
Die Projektsteuerungsgruppe rechnet mit Investitionen in der Höhe von 1,3 Millionen Franken für die Planung und Umsetzung der Neuinszenierung. Diese Kosten sollen neben Beiträgen der beteiligten Unternehmen auch dank der Unterstützung aus der Neuen Regionalpolitik des Bundes, von verschiedenen Gemeinden sowie Stiftungen gedeckt werden.

Wolfhalden will nicht auf Kosten sitzen bleiben

Der grösste Teil des Witzwegs führt über Wolfhäldler Boden. Die Gemeinde muss daher für den Wegunterhalt auf ihrem Gebiet aufkommen. Die geplante Erneuerung führe zu zusätzlichen Kosten, wie Gemeindepräsident Gino Pauletti sagt. Er rechnet mit 100’000 bis 150’000 Franken ohne Aufbauten. Seiner Meinung nach müssen sich Heiden und Walzenhausen als grösste Nutzniesser des Weges ebenfalls an den Kosten beteiligen. Diesbezüglich seien Gespräche im Gang, so Pauletti. «Um das Projekt noch breiter abzustützen, müssten auch Anrainer wie Lutzenberg, Rheineck und Rorschach vermehrt miteinbezogen werden.»
Der Gemeindepräsident freut sich, dass sich in Wolfhalden in letzter Zeit einiges verändert hat und man vom Witzweg nun etwas mehr profitieren könne. Nebst Bäckerei und Café Hecht, welches bereits einen guten Zulauf habe, sei nun auch die «Krone» wieder offen. Ein langjähriges Ärgernis für viele Wandernde, die tagsüber geschlossene «Harmonie am Chistenpass», bestehe ebenfalls nicht mehr. «Wir wollten deswegen sogar die Route ändern, was aber zu Einsprachen führte», so Pauletti. «Nun ist eine Verlegung des Weges nicht mehr nötig und in der Nähe könnte sogar bald eine neue Besenbeiz entstehen.»

Witze «nicht mehr zeitgemäss»

Noch sei nicht geklärt, wer die Erneuerungsarbeiten am Witzweg ausführen werde, so der Gemeindepräsident. «Sie könnten durch ein Bauamt erledigt werden oder es wird ein Auftrag an eine Privatfirma erteilt.» Grundsätzlich findet er es höchste Zeit, dass der Weg gründlich überarbeitet wird. «Die Witze sind teilweise nicht mehr zeitgemäss. Ich habe schon Beschwerden aus der ganzen Schweiz erhalten, dass manche frauenfeindlich seien.» Er wünsche sich, dass der Weg eine gute Visitenkarte des Vorderlandes sei und gerne weiterempfohlen werde, so Pauletti weiter.

Der Witzweg wurde 1993 auf Initiative von Peter Eggenberger ins Leben berufen. Er ist für seine seine humorvollen, satirisch zugespitzten Geschichten im Kurzenberger Dialekt bekannt und gilt als Koryphäe für Appenzeller Witz und Satire. Er und weitere Mitstreiter sollen anlässlich einer Jubiläumsfeier geehrt werden. Diese war ursprünglich auf den Frühsommer 2023 geplant. «Meiner Meinung nach wird es eher Spätsommer werden», so Pauletti. «Diese Mühlen mahlen langsam.»

 

Der Appenzeller Witz

Seit 2012 ist der Appenzeller Witz ein immaterielles Kulturgut, das von der Unesco im entsprechenden Inventar aufgeführt wird. Herausgebildet hat sich das Klischee vom Appenzeller Witz bereits gegen Ende des 
18. Jahrhunderts. Zeugnisse von Witz im Appenzellerland finden sich aber schon früher. Es sind weit herum erfolgreiche Witz­erzähler und Satiriker, die das Bild der lustigen Appenzeller ­besiegeln. Als Standardwerk gilt die bekannte Sammlung von ­Alfred Tobler aus dem Jahr 1902. Die politische Seite der Appenzeller Satire repräsentiert Carl Böckli mit veröffentlichten Karikaturen unter dem Pseudonym «Bö». (pd)

 

 

 

 

 

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