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Video: «Julia, wo beasch?»

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Romeo Lüchinger sucht seine Julia – ohne tragisches Ende, versteht sich. Dafür geht der 20-Jährige ungewöhnliche Wege.

«Kein Hindernis aus Stein hält Liebe auf, was Liebe kann, das wagt sie auch.» Das ist einer der berühmtesten Sätze aus Shakespeares Drama Romeo und Julia. Und was 1597 zutraf, ist heute allem Anschein nach aktueller denn je. Der 20-jährige Romeo Lüchinger aus Montlingen zieht auf der Suche nach einer Freundin im Internet alle Register. Nein, nicht auf Tinder, Bumble oder Lovoo, sondern mit einer «hundskommunen» Website. Wobei seine Site alles andere als gewöhnlich ist. 

Datingplattform mit nur einem Mann 
Die Suche nach der grossen Liebe im Alter von 20 Jahren ist eher untypisch. Lüchingers Gedanke: Weil derzeit in seinem Kollegenkreis niemand eine Freundin hat, dachte er, es sei an der Zeit. «Dann würde ich auch ein bisschen ruhiger werden und könnte samstags zu Hause bleiben», sagt er. Als er letztes Jahr mit Freunden auf dem Fussballplatz in Montlingen herumalberte, war die Idee einer Website geboren. «Mein Name bietet sich für eine solche Aktion natürlich an, und das musste ich ausnutzen.» 

Seit drei Wochen ist nun seine eigene Dating-Plattform – mit ihm als einzige Auswahlmöglichkeit – online. Auf der Website romeo-sucht-julia.ch wirbt der 20-Jährige mit Infos über seine Person und mit Bildern in Feuerwehrmontur mit einem Kind im Arm vor einem brennenden Haus oder lässig mit einem Cocktail in der Hand vor einem Strand und verspricht: «O wennd nöd viel vo mina Ooga gsiasch, versprech der, i ha si nu för di.» 

Unterstützung bei der Umsetzung fand er bei seinen beiden Arbeitskolleginnen Petra und Jennifer Kobelt von der Mosterei Kobelt in Marbach. Feuer und Flamme für Lüchingers Idee, waren sie massgeblich an der Gestaltung der Website und seines Social-Media-Auftritts beteiligt. «Sie waren eine grosse Hilfe. Durch sie ist die Website besser geworden, als ich anfangs dachte.» An der Rhema folgte gleich die erste Werbeaktion. Am Stand der Mosterei Kobelt wurde an jedem der angebotenen Getränke ein Trinkhalm angebracht, auf dem der QR-Code seiner Website klebte. In den kommenden Wochen sollen Visitenkarten und ein Banner folgen, der dann am Häxafäscht in Montlingen aufgehängt werden soll. Lüchinger ist schliesslich fest entschlossen, eine Freundin zu finden. Die muss übrigens nicht Julia heissen. Aber Romeo hat durchaus eine Traumvorstellung von seiner Zukünftigen: «Am beschta hät si Böda z’Muntlaga», sagt er. Sie sollte zudem über Witze lachen und gute Gespräche führen können. Zu alt sollte sie auch nicht sein, es sei denn, «sie hat genug Scheine», sagt Lüchinger und lacht. Im Gegenzug könne sie einen lustigen und intelligenten jungen Mann erwarten, mit dem es sicher nie langweilig werde. «Ich bin für fast alles offen. Ich sage zu fast nichts nein, sonst könnte ich ja noch etwas verpassen.» 

Die Richtige lässt bisher auf sich warten 
Der gelernte Lebensmitteltechnologe ist in seiner Freizeit sehr engagiert. Er ist Mitglied im Turnverein, aktiv bei den Muntlagr Bärghäxa, in der Feuerwehr tätig und Präsident der Turnerhütte in Montlingen. Im Sommer beginnt er mit der Berufsmatura. Bleibt da noch Zeit für eine Freundin? «Das habe ich mir auch schon überlegt. Aber für die Richtige würde ich es mir einrichten», sagt er.  Die lässt bis anhin noch auf sich warten. Seit der Veröffentlichung der Website am ersten Rhema-Wochenende hat sich noch keine ernsthafte Interessentin gemeldet. Dafür bekam er umso mehr positive Rückmeldungen von Freunden, entfernten Bekannten und der Familie, die seinen Mut bewundern. «Es hat sehr schnell die Runde gemacht», sagt Lüchinger und lacht. Seinen Eltern hat er im Vorfeld nichts verraten. Die waren im ersten Moment entsprechend sprachlos, sind jetzt aber neugierig, was bei der Aktion rausspringt. Im besten Fall eine Freundin – und falls nicht, sei dies «auch nicht so  
tragisch». 

 

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