rheintaler.ch

Videos

Video: Freiheitstrychler führen Protest-Fackelumzug durchs Städtli an

Seraina Hess Kommentare

Rund 120 Menschen lehnten sich am Freitagabend in Rheineck gegen die Änderung des Covid-19-Gesetzes auf.

«Diktatur», «Impfzwang», dazwischen ein lautes «Liberté»: Es sind die immer gleichen Schlachtrufe, die am Freitagabend durch die Gassen im Rheinecker Städtli hallen. Mit Schweizerflaggen und Transparenten zog die Menschenmenge, die sich gegen 19 Uhr am Bahnhof eingefunden hatte, durch die Strassen, mit dem Ziel, ihren Unmut über die Anpassung des Covid-19-Gesetzes kundzutun. Familien mit Kindern sind dabei, junge Frauen und Männer mit Bierdosen ebenso wie ältere Herren, die sich Pins an ihre Dächlikappe gesteckt haben und nun übereifrig jede Sequenz des Spektakels mit der Kamera festzuhalten versuchen. Man kennt sich, grüsst sich, umarmt sich – und kommt sofort ins Gespräch. Ein junger Mann, der aus Schaffhausen angereist ist, fragt rhetorisch: «Wie viele Transparente für das Covid-Gesetz hängen wohl in Rheineck? Kein einziges, da bin ich mir sicher», sagt er und erntet Zuspruch.

19 Uhr: Die Menschen am Treffpunkt werden immer mehr.

Letzte Woche 32, diesmal über Hundert 

Es ist nicht der erste Fackel-Spaziergang im Städtli, sagt Esther Wüthrich, die Gleichgesinnte über Telegram und weitere Social-Media-Plattformen zum Protestmarsch aufgefordert hat. Die Mittfünfzigerin trotzt der Kälte an diesem Novemberabend mit Stirnband und Zebra-Schal, die Schweizerflagge hat sie am Rucksack befestigt, das Megafon trägt sie in der Hand. «Letzte Woche waren wir noch 32 – diesmal haben wir offenbar schon die 100er-Marke geknackt», sagt sie just in dem Moment, als die ersten Glockenklänge zu hören sind. Es sind zehn Freiheitstrychler, die sich der Menge vom Bahnhofsparkplatz her nähern, um den Umzug über die Poststrasse bis zum Schulhaus Neumüli, die Thalerstrasse entlang bis zum Städtli, die Gaisgass hinauf und über die Appenzellerstrasse zurück ins Städtli anzuführen. «Wir haben einen Rheinecker Trychler im Team, deshalb ist uns das gelungen», sagt Esther Wüthrich.

Esther Wüthrich, ausgerüstet mit Megafon.

Die Freiheitstrychler waren zwei Tage zuvor in Buchs an einer Kundgebung, am Freitag führten sie den Fackelumzug in Rheineck.

Mit «wir» meint die Rheineckerin eine Reihe von sogenannten «Freunden der Verfassung» in der Region, die sich gegen die Änderung des Covid-19-Gesetzes stark macht, Kundgebungen besucht und diese – wie gestern in Rheineck – auch veranstaltet. Unter ihnen ist Heinz Rhyner, der in der Parteileitung der örtlichen SVP sitzt. Mit seiner Schweizerfahne läuft er an der Spitze des Umzugs, koordiniert die Route und setzt zu Pausen an, wenn den Trychlern die Glocken zu schwer werden.

Zu den Organisatoren gehört auch Heinz Rhyner (l).

Die Polizei ist währenddessen nur am Rande mit einer Patrouille erkennbar, die langsam die Bahnhofstrasse hinauf fährt. Eingegriffen hat sie nicht, bestätigt Kapo-Mediensprecher Pascal Häderli eine knappe Stunde später. «Wir hatten Kenntnis vom Spaziergang, sind aber davon ausgegangen, dass die Teilnehmerzahl gering ausfallen würde.» Gemäss Häderli sind rund 120 Personen durch Rheinecks Strassen gelaufen. Die Polizei verzichtete auf einen Eingriff, weil der Umzug friedlich abgelaufen sei und man die Organisatoren kenne. Allerdings dürften weitere Abklärungen mit der Stadt Rheineck folgen, ergänzt Häderli: «Solche Veranstaltungen müssen von der Gemeinde bewilligt werden.» Wie Stadtpräsident Urs Müller der Redaktion bereits am Nachmittag mitteilte, habe die Stadt den Freunden der Verfassung keine Bewilligung ausgestellt, weil das Gesuch nicht rechtzeitig vor der Stadtratssitzung am Dienstag eingetroffen sei. «Ich habe per Mail versucht, Kontakt mit der Organisatorin aufzunehmen und sie darauf hingewiesen, dass eine Bewilligung nötig ist», sagt Müller – «ohne Erfolg.» 

Bei Esther Wüthrich tönt es derweil anders. Sie spricht von einem bewilligten Umzug. Auch den nächsten kündigt sie bereits an: Am kommenden Mittwochabend ziehen die Massnahmengegner durch Rorschach.

Die Menschenmenge füllte das Städtli.

Folge uns: