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(unsplash/rheintalerlife)

Versprechen vom schnellen Geld – Was hinter Network Marketing steckt

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Mit einem harmlosen «Hey, wie geht’s? Darf ich dich etwas fragen?» schleichen sie sich in mein Nachrichtenfach auf Instagram. Digital Nomads, Win-Win Experten, Social Networker und wie sie sich alle nennen. Sie geben auf Instagram richtig Gas, um neue Kunden anzuwerben.

Wer noch nie eine solche Nachricht erhalten hat – so läuft es etwa ab:
Ein fremder Instagram-Benutzer/in schickt dir ungefragt eine Nachricht, in der deine Ausstrahlung bewundert wird, nachgefragt wird, wie es dir geht oder ob dir eine Frage gestellt werden darf. Meistens unterstreichen glückliche Emojis den Text. Oder du erhältst die Nachricht in eine überfreundliche Sprachnachricht verpackt. Sie alle haben ein Ziel: Dich anzuwerben. Du könntest easy Geld verdienen, von überall auf der Welt arbeiten und dein eigenes Business aufbauen. Das Ganze nennt sich Network-Marketing: Dabei bist du selbstständige/r Verkäufer/in eines Produktes. Gleichzeitig wirbst du weitere Verkäufer/innen an, die sich unter dir eingliedern und durch die du zusätzlich verdienst.

Nachrichten gehen auf die Nerven
Bei mir landen solche Anfragen etwa einmal pro Monat im Postfach. Anderen geht es genau gleich. Auf Instagram habe ich einen Aufruf gestartet und wollte von ihren Erfahrungen hören. Ich erhielt dutzende Antworten: «Ich öffne solche Nachrichten nicht mehr und lösche sie direkt», «Meistens höre ich mir an, was die Leute zu sagen haben, da ich nicht unhöflich sein will. Das Angebot schlage ich aber immer aus, da ich diesem System nicht traue» oder «Die Personen sind richtig hartnäckig und akzeptieren kein Nein». Was alle genannt haben: «Die Anfragen sind langsam echt nervig.»

Wenn Geld verdienen so einfach ist, wieso machen wir nicht mit?
Ich habe mit Aline* gesprochen, die Teil einer Network-Firma war. Sie vertrieb während ein paar Monaten Beauty-Produkte der Marke Forever Living. Damit begonnen hat sie nach einer Verkaufs-Veranstaltung in Zürich, zu der sie durch eine Freundin eingeladen wurde. «Verschiedene Redner und Rednerinnen traten auf die Bühne und erzählten, was sie bereits erreicht haben. Schon bei den kleinsten Erfolgen riss es das Publikum von den Sitzen und es wurde applaudiert», erinnert sich Aline. «Die Veranstalter liessen uns fühlen, als wären wir Könige und Königinnen». Die Leute waren euphorisch und die Stimmung mitreissend. «Der Anlass hatte etwas sektenähnliches an sich.» Die Veranstalter empfahlen Aline und den anderen Neulingen eine Starterbox für etwa 470 Franken. Darin enthalten waren Produkte, die sie testen konnten. Ihre Aufgabe lag darin, diese Produkte zu vertreiben und weitere Vertriebspartner anzuwerben. Dafür erhielt Aline Geld. «Doch irgendwann hat man einfach keine Menschen mehr im Umfeld, die Produkte kaufen oder ins Business einsteigen wollen. Deshalb weichen viele auf Instagram aus», sagt sie. Zu diesem Zweck gibt es sogar vorgefertigte Texte. Schnell merkte Aline, dass dies nicht ihre Welt ist. Sie wollte Menschen nichts mehr andrehen und auf diese Weise Geld verdienen. Sie stieg mit über 200 Franken Verlust aus.

Nach diesen Erfahrungen rät Aline, Anfragen für Network-Marketing freundlich abzulehnen. Falls die Person ein Nein nicht akzeptiert, ist es am besten, die Nachricht zu ignorieren.

Fazit: Hinterfrage solche Anfragen auf Social Media kritisch und mit gesundem Menschenverstand. Wieso will eine fremde Person, dass du viel Geld verdienst? Sind die Gewinnversprechungen realistisch? Welches Unternehmen steckt dahinter? In Firmen, die sich auf Network-Marketing stützen, machen oft nur diejenigen an der Spitze das grosse Geld. Viele bleiben auf ihren Produkten sitzen und schreiben Verluste.

*Name von der Redaktion geändert.

Quellen: srf.ch, youtube: reporter

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