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Weiss-rot-weisse Symbole markieren Bergwanderwege. Auf ihnen kann Absturzgefahr bestehen.
Weiss-rot-weisse Symbole markieren Bergwanderwege. Auf ihnen kann Absturzgefahr bestehen. (Raphael Rohner)

«Unsere Reichweite ist beschränkt»

Judith Schönenberger Kommentare

Tourismusverband und Kronberg-Seilbahnen bedauern Unfallserie im Alpstein, fürchten aber keinen Imageschaden.

So schön der Alpstein ist, so gefährlich kann er sein. Das zeigen die Wanderunfälle der vergangenen Wochen. Seit Anfang Jahr sind bereits sechs Menschen beim Wandern in der Region tödlich verunglückt. Sind die Wanderwege zu wenig gesichert oder die Personen zu wenig informiert? An der Sicherheit der Wanderwege liege es nicht, sagt Guido Buob. Er ist Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus: «Die Wege werden von Jahr zu Jahr besser und sicherer.»

«Leute für Gefahren im Alpstein sensibilisieren»

Dafür zuständig ist der Wegmacher, der bei Appenzellerland Tourismus angestellt ist, aber im Auftrag der Innerrhoder Bezirke arbeitet. Diese sind für den Unterhalt der Wanderwege zuständig. Trotzdem sieht Buob seine Tourismusorganisation in der Pflicht: «Ich sehe es als unsere Aufgabe, die Leute für die Gefahren im Alpstein zu sensibilisieren.» Appenzellerland Tourismus mache zwar schon einiges, doch die Reichweite des Verbands sei beschränkt. «Wir informieren viel, aber es wird nicht gehört.» Nur ein kleiner Bruchteil der Wandernden würde beispielsweise die Websites des Tourismusverbands vor einem Ausflug anschauen. Buob sagt: «Viele sehen auf Instagram nur die schönen Bilder, blenden aber die Gefahren komplett aus.»

Guido Buob, Tourismusdirektor von Appenzell Innerrhoden. Bild: Karin Erni

Diese müsse der Tourismusverband den Gästen in Erinnerung rufen. Buob mahnt auch die Medien: Diese sollten nicht nur über die Unfälle berichten, sondern auch über die Verhältnisse in den Bergen aufklären. Nach den jüngsten Vorfällen hat Appenzellerland Tourismus reagiert und verweist auf seiner Website prominent auf die Kampagne über sicheres Wandern des Schweizer Wanderwegverbands.

Alle zwanzig bis fünfzig Meter ein Warnhinweis

Wären mehrsprachige Warnschilder auf Wanderwegen ei­ne mögliche Sicherheitsmassnahme, wie es ein Leser in der Kommentarspalte fordert? «Das ist durchaus eine Überlegung wert», sagt Buob. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die meisten verunfallten Personen bisher deutschsprachig gewesen seien. Und schliesslich habe es auf jedem Bergwanderweg bereits alle zwanzig bis fünfzig Meter Warnsignale: weiss-rot-weisse Markierungen. «Sie weisen darauf hin, dass man sich auf einem Bergwanderweg befindet. Auf solchen Wegen besteht Absturz- und Abrutschgefahr. Dessen muss man sich bewusst sein.» 

Für Buob kommt es ebenfalls nicht in Frage, die Bergwanderwege von Steinen freizuräumen. «Müssen wir den Berg dem Menschen anpassen oder umgekehrt?» Das Allerwichtigste sei Konzentration. Das habe er sich bei einem Wanderausflug kürzlich wieder selbst in Erinnerung rufen müssen, als er gestolpert sei. «Nur gute Schuhe reichen nicht, es braucht auf jeden Fall Aufmerksamkeit.» 

Seit die Zeitschrift «National Geographic» den Äscher als Ausflugsziel empfohlen hatte, ist die Alpsteinregion weltberühmt und bei Touristinnen und Touristen beliebt.

Ist die Region Opfer ihres eigenen Erfolgs geworden? Nein, findet Buob: «Erst heute Morgen sprach ich mit dem Wegmacher darüber, dass nach dem Äscher-Boom vor sieben Jahren lange Zeit keine tödlichen Unfälle passiert sind. Nun haben wir diesen Sommer diese auffällige Häufung und ich frage mich natürlich auch, weshalb das so ist.»

Angst, dass die Unfälle Gäste abschrecken könnten und die Alpsteinregion ein Image-Problem bekommt, hat Guido Buob nicht. «Ich hoffe viel eher, dass sich die Leute bewusst werden, dass der Alpstein ein Bergwandergebiet ist, in dem es auch Gefahren gibt.»

«Auffällige und unglückliche Häufung»

Ähnlich sieht es Felix Merz, Geschäftsführer der Luftseilbahn am Kronberg. «Dieses Jahr ist es eine sehr unglückliche Häufung. Doch in den Bergen passieren immer wieder Unfälle, das ist leider so.» Wie sicher die Wanderwege im Alpstein seien, könne er nicht beurteilen. «Am Kronberg haben wir ganz andere Voraussetzungen; wir sind tiefer unten und unsere Hügel sind sanfter. Das ist kein hochalpines Gebiet.»

Der Kronberg ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien. Immer wieder fragen Personen auch bei Appenzellerland Tourismus an, ob die Bergwanderwege für Kinder geeignet seien, sagt Guido Buob. «Wir geben aber keine pauschalen Empfehlungen ab. Die Leute müssen die Gefahr und ihre Fähigkeiten selbst einschätzen.»

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