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Hinterforst

Königliche Trompetenklänge zum Dreikönigs-Tag in Hinterforst.
Königliche Trompetenklänge zum Dreikönigs-Tag in Hinterforst. (Bild: Max Pflüger)

Trompetenklänge und ihre Geschichte

Max Pflüger Kommentare

Auch dieses Jahr eröffnete der Altstätter Konzertzyklus wieder mit dem Hinterforster Dreikönigs- Konzert zum Gedenken an den vor 121 Jahren geborenen Altstätter Künstler und Ehrenbürger Ferdinand Gehr.

Im Mittelpunkt des Konzertes standen neun kurze Werke anonymer und wenig bekannter Komponisten von der Spätrenaissance bis zur Klassik. Vorgetragen wurden sie vom Barocktrompeten-Ensemble Ostschweiz mit Gabriel Mayer Hétu, Daniel Bietenhader, Krisztian Kovats, Annette Geisel, Jonas Inauen und Andreas Schneggenburger (Barocktrompeten), Lukas Rechsteiner (Pauke), Kaspar Wagner (Truhenorgel), Matthew Smith (Barockfagott) und Tabea Bietenhader (Kontrabass).

Zwischen den Vorträgen des Trompetenensembles erklangen die Sätze der englischen Suite BWV 809 von Johann Sebastian Bach auf einer Truhenorgel des Rebsteiner Orgelbauers Walter Mutzner, interpretiert von Kaspar Wagner.

Abwechslungsreich und kurzweilig

Mit dem «Aufzug des Augsburger Trompeterautomaten von 1582» für sechs Trompeten und Pauken eines anonymen Komponisten erklang auf den historischen Barocktrompeten bereits zu Beginn des Konzerts ein wahrhaft königliches Fanfarenspektakel. Es erfüllte das von Ferdinand Gehr 1951 gestaltete Hinterforster Kirchenschiff mit der Ahnung von der Ankunft der Heiligen Drei Könige. Adelig erhaben und immer wieder prunkvoll intonierten die Bläser anschliessend Fanfaren und Auf- züge aus dem weltlichen und kirchlichen Umfeld des 17. und 18. Jahrhunderts. Dazwischen unterbrach Kaspar Wagner auf der Truhenorgel die prunkvollen Trompetenklänge mit der weicheren Klangwelt der englischen Suite von Bach. Virtuos und abwechslungsreich registriert, liess der Organist seine Finger über die Klaviatur tanzen und verlieh so den tänzerischen Sätzen der Suite Eleganz und Leben. Erstaunlich, wie viel Klang und Kraft er aus dem kleinen, knapp tischgrossen Orgelmöbel herausholen konnte.

Unvergesslich wird den Konzertbesuchern die Zugabe bleiben. Schon die Ansage erstaunte: «Fribourger Kuhreihen – Ranz des vaches». Das Barocktrompeten-Ensemble Ostschweiz blies die traditionsreiche Schweizer Volksmelodie in einem herrlich adaptierten Arrangement, sodass sie sich nahtlos in das königlich barocke Konzert einfügte. Viel zur guten Unterhaltung trugen auch die Zwischentexte bei, die Hanspeter Küng aus einer Schrift mit dem Titel «Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter- und Pauker-Kunst» von Johann Ernst Altenburg aus dem Jahre 1795 vorlas: Kulturhistorisch Interessantes, nach heutiger Sicht jedoch schon fast kabarettistische Behauptungen.

Anleitung für Trompeter und Pauker

Da hörte man etwa: «Soll keiner, der nicht aus einem keuschen, reinen Ehebette erzeugte, zu der wohledlen rittermässigen Kunst des Trompetenblasens gelassen werden.» Oder: «Soll auch kein Lehrling sich unterstehen, mit Kunstpfeiffern oder Waldhornisten umzugehen; … auch nicht auf der Bierbank oder andern Bauerngelagen seine Trompete brauchen; sondern vor Kaysern, Königen, Fürsten, Grafen wie auch allen vornehmen Militair-Bedienten.» Und: «Der Gesundheit wegen hat man sich auch sorgfältig zu hüten, dass man nicht sogleich nach dem Essen blase oder nach dem Blasen kalt trinke, weil beides unheilbare Krankheit nach sich ziehen kann.» – So, nun wissen es die Trompeter also.

Max Pflüger