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Oberegg

Tod und Teufel in Menschengrösse

Rainer Stöckli Kommentare

Am 11. März wird in der katholischen Kirche zum ersten Mal das Figurenspiel «Himmel und Höll» gezeigt. Gute Beziehungen haben zu diesem Gastspiel geführt.

Es braucht mehr als einen schönen Zufall, bis eine Winterthurer Spielgruppe mit Sprech- und Singchor, mit menschengrossen Holzfiguren, mit Tod und Teufel und einer himmlischen Seherin in Innerrhoden zur Premiere auftritt. Das langhohe Kirchenschiff in Oberegg muss Werner Bühlmann, dem Leiter der Tösstaler Marionetten-Truppe, imponiert haben, wohl auch der erhöhte Sandsteinpodest des Altarraums und möglicherweise auch die Akustik.

Tatsächlich ist der Winterthurer Autor und Spielführer schon länger auf der Suche nach passenden Ostschweizer Sakralräumen gewesen; es galt nämlich nicht nur eine Himmelsbotin und eine Höllenfigur vor volle Kirchenbänke zu bringen, nicht nur den sogenannten «Teufelsbraten» und einen «Chor der Untoten», sondern es sollte auch das Personal aus Gotthelfs «Schwarzer Spinne» zu Wort kommen – die Befehlshaberei des Ritters von Stoffeln, die Ratschlüsse der kecken Lindauerin Christine, die willfährigen Antworten der Teufelspaktierer und die Reaktion der Gottesfürchtigen innerhalb der Emmentaler Bauernsame. Spätestens dann, wenn das Volkslied vom Schnitter erklingt, der die Gewalt vom Grossen Gott hat und dazu ansetzt, sein Messer zu wetzen, spätestens dann wird deutlich: Da gestaltet ein alterfahrener Regisseur und Stabpuppen-Meister mit seinen Spielleuten einen Totentanz.

Alte und gute Beziehungen

Dass die Premiere für Oberegg vorgesehen ist, mitten in die Fastenzeit hinein und rechtzeitig vor dem Gedenken des biblischen Passionsgeschehens, das ist – wie gesagt – nicht nur ein schöner Zufall, sondern alten, guten Beziehungen zu verdanken, die vor sechs Jahren bei einer Ausstellung unter dem Motto «Lebenskunst und Totentanz» in Oberwinterthur den Anfang nahmen.

Schlusschoral sagt Versöhnung an

Bühlmanns Figurentheater belebt zwar das spätmittelalterliche Totentanz-Geschehen wieder, doch nicht die Furcht zu sterben behält die Oberhand; der Schlusschoral sagt Versöhnung an, nicht Untergang. Das passt zum Monat März: Man darf dem Lied der wieder angesagten Jahreszeit trauen, wendet sich dem sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont neu zu, erinnert sich des ­Versprechens, das der Schöpfer seinem Geschöpf auf den Weg gegeben hat: das Versprechen der letztendlichen Befreiung zu einem schwerelosen Dasein.

Angesichts des ernsten, aber insgesamt tröstlichen Theater-Vorhabens, übrigens unterstützt von der Kulturstiftung Innerrhoden, der Appenzeller Kantonalbank und den hiesigen Kirchgemeinden – pauschal also dürfte man folgern: mit dem Himmel-und-Höll-Spiel am 11. März finde ein Tausch statt zwischen Oberwinterthur vor ein paar Jahren und Oberegg heute – und erst von da an, genau genommen, seien wir quitt.

Rainer Stöckli

Premiere des Figurenspiels «Himmel und Höll» am 11. März in Oberegg, 19.30 Uhr in der katholischen Kirche, Eintritt frei.