rheintaler.ch

Regionalsport

Beim 24. Rheintal-Cup der Kunstturner vor zwei Jahren nahm OK-Chef Jürg Litscher zum letzten Mal die Siegerehrung vor: «Die Stimmung in der Aegetenhalle habe ich immer genossen.»
Beim 24. Rheintal-Cup der Kunstturner vor zwei Jahren nahm OK-Chef Jürg Litscher zum letzten Mal die Siegerehrung vor: «Die Stimmung in der Aegetenhalle habe ich immer genossen.» (Archiv/ys)

Stiller Abschied vom Rheintal-Cup

Ys Kommentare

Jürg Litscher war 15 Jahre OK-Chef des grössten Kunstturnanlasses im Tal, jetzt übernimmt die nächste Generation.

Der 60-jährige Jürg Litscher aus Rebstein ist nicht der Erfinder des Rheintal-Cups, der erste Präsident des beliebten Anlasses war Hanspeter Nüesch aus Balgach. Aber der frühere Aktivturner des TV Rebstein hat den Rheintal-Cup, der in pandemiefreien Jahren im April stattfindet, während vielen Jahren mit dem langjährigen Cheftrainer Reini Blum geprägt. Die 25. Ausgabe des Rheintal-Cups im Jahr 2020 hätte die letzte sein sollen, die von Litscher organisiert wird. Allerdings musste die Jubiläumsausgabe sowohl 2020 als auch 2021 abgesagt werden.

Deshalb konnte das Trainingszentrum Rheintal den Cheforganisator nicht so gebührend verabschieden wie vor fünf Jahren den scheidenden Trainer Blum. Die Verabschiedung des Vorarlbergers in der Sporthalle Aegeten in Widnau war ein atmosphärisches Highlight in der Geschichte des stimmungsvollen Rheintal-Cups. Zumindest bisher bleibt’s bei Litschers Abschied still: Die Rheintaler Kunstturner finden aber sicher im nächsten Jahr einen Weg, ihren langjährigen OK-Chef zu verabschieden – wenn der Rheintal-Cup 2022 wieder stattfindet. An der Anwesenheit von Jürg Litscher in der Halle wird’s nicht scheitern. Die OK-Leitung übernimmt der frühere TZR- Präsident Marcel Keller, der seit Reini Blums Abschied bereits als Technischer Leiter des Cups amtete. «Mit der Organisation habe ich nächstes Jahr nichts mehr zu tun», sagt Jürg Litscher, «aber ich werde sicher mithelfen; sei es am Grill oder beim Aufstellen der Geräte.»

Turner aus ganz Europa und Asien in Widnau

Jürg Litscher hat den Rheintal-Cup im Jahr 2005 bei dessen elften Austragung übernommen. «Er war damals noch ein eintägiger Wettkampf», erinnert sich Jürg Litscher. Der Rheintal-Cup war bereits ein wichtiges Standbein des damals noch jungen TZ Rheintal, aber die Organisatoren hatten jeweils Mühe, ein attraktives Starterfeld zusammenzustellen. «Weil das Rheintal nicht zentral gelegen ist, turnten kaum Nachwuchsturner aus dem nationalen Kader bei uns», sagt Jürg Litscher. Gemeinsam mit Reini Blum richtete er den Anlass neu aus: Immer noch vornehmlich für Nachwuchsturner (nur männliche), aber mit einem klaren Fokus auf sportliche Relevanz, sprich: kompetitive Wettkämpfe. Dazu wurden auch ausländische Nachwuchsnationalteams eingeladen: «Wir hatten zum Teil sieben, acht Nationen am Start», erinnert sich Jürg Litscher. Die Wettkämpfer in Widnau kamen (und kommen weiterhin) aus Grossbritannien, Ungarn oder anderen europäischen Ländern. Einige Österreicher, regelmässige Gäste in der Aegetenhalle, genossen ein Heimspiel. Einen längeren Anfahrtsweg hatten die Kunstturner aus Japan.

Ein Alleinstellungsmerkmal des Rheintal-Cups sind die Majoretten aus Tschechien, die die Turner beim Gerätewechsel begleiten. Auch sonst fielen dem rund zehnköpfigen OK immer wieder Innovationen ein, die bei den Zuschauern gut ankommen. Dazu gehören beispielsweise die Geräte- bzw. Teamfinals vom Samstagabend. «An die hervorragende Stimmung in der Halle erinnere ich mich gerne», sagt Jürg Litscher. Wenn, was auch schon vorkam, das Schweizer Nationalteam in Widnau Qualifikationen austrug, stieg die Geräuschkulisse nochmals um ein paar Dezibel. «Wenn sich dann Turner wie Pablo Brägger positiv über den Rheintal-Cup äussern, ist das ein schönes Kompliment – und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass weiterhin Spitzenturner den Weg nach Widnau finden», sagt der Rebsteiner.

Grosser Stellenwert des Turnens im Rheintal

«Wir bildeten ein eingespieltes Organisationskomitee», sagt Jürg Litscher. Der Arbeitsaufwand wurde mit der Zeit dank Erfahrung etwas kleiner. Und mit der gleichzeitigen Ausrichtung von Testtagen jeweils im Herbst konnten Synergien genutzt werden. Aber für einen mitgliedermässig eher kleinen Verein wie das TZ Rheintal war und ist der Rheintal-Cup immer noch ein grosser Lupf. Aber auch ein wichtiges Standbein: Mit den Einnahmen zwischen 20 000 und 30 000 Franken deckt das TZR rund einen Viertel seines jährlichen Budgets. «Die Kosten für den Rheintal-Cup spielten wir mit der Festwirtschaft und den Startgeldern ein», sagt Litscher, «den Gewinn ermöglichten uns die stets grosszügigen Sponsoren.» Er habe beim «Weibeln» um Sponsorengelder meist offene Türen betreten: «Der Stellenwert des Turnens im Rheintal ist sehr gross.»

Jürg Litscher war einst selbst Kunstturner, wechselte aber schon früh zum weniger trainingsintensiven Geräteturnen. Ende der 1970er-Jahre wurde er mit dem TV Rebstein mal Schweizer Meister im Vereinsturnen. Mehr Lorbeeren sammelte Jürg Litscher indes als Funktionär. Er war zu Beginn des Jahrhunderts eine treibende Kraft bei der Bildung des Regionalen Leistungszentrums (RLZ) in Wil, dessen Geschäftsführer er während der ersten fünf Jahre war. Er war als Chef Spitzensport des Kantonalverbands fürs Kunstturnen und die Rhythmische Gymnastik zuständig. Beim RLZ RG in St. Gallen sitzt er immer noch im Vorstand, zudem arbeitet er beim kantonalen Projekt «Sportvision Ost» mit. In den Ruhestand geht Jürg Litscher auch nach seinem runden Geburtstag vom 7. April nicht: «Aber eigentlich wollte ich die Ämter bis zu meinem 60. Geburtstag abgeben.» Doch seine Expertise im Turnen ist nach wie vor gefragt. Seinen letzten Einsatz als Turner hatte Litscher vor acht Jahren: «Beim Eidgenössischen in Biel machte ich meinen letzten Salto.» Inzwischen ist er (in pandemiefreien Zeiten) eher an der Kletterwand aktiv. Oder er geht «z’Berg», wie neulich in den Ferien.

Litschers Karriere als Funktionär endet nicht ganz

«Beim Rheintal-Cup soll jetzt die nächste Generation das Ruder übernehmen», sagt Jürg Litscher. Das ist wörtlich zu verstehen: Sein Sohn Fabio, der Kampfrichter ist, gehört ebenfalls zum neuen OK unter der Leitung von Marcel Keller. Fabio Litscher ist wie Manuel Kast ein gutes Beispiel für die Entwicklung der Turnerfamilie: Viele kehrten und kehren nach ihrer Spitzensport-Karriere zum örtlichen Turnverein zurück. Sie turnen an den Turnfesten in der Riege des TV Widnau oder des STV Kriessern. Und viele setzen sich zudem beim TZ Rheintal für den Kunstturn-Nachwuchs ein. Dabei ist die Familie der Turner nicht aufs Rheintal beschränkt, das zeigt sich bei den Kampfrichtern, die gegenseitig an den Anlässen ihrer Kollegen teilnehmen. «Während des Wettkampfs sind wir Konkurrenten, daneben aber Kollegen», sagt Litscher über das Innenleben bei den Turnern.

Folge uns: