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Heerbrugg

Filmemacher Thomas Lüchinger aus Oberriet stellte seinen neuen Dokumentarfilm «Being there – da sein» vor.
Filmemacher Thomas Lüchinger aus Oberriet stellte seinen neuen Dokumentarfilm «Being there – da sein» vor.

Starker Rücken und weiche Brust

Gerhard Huber Kommentare

Im Kinotheater Madlen wurde der neue Dokumentarfilm des Oberrieter Filmemachers Thomas Lüchinger vorgestellt. Ein Film über das Sterben, über die Liebe, die Zuneigung und das Leben.

«Ich bin völlig überwältigt!» Thomas Lüchinger, Dokumentarfilmer aus Oberriet, zeigte sich überrascht vom gewaltigen Andrang des Publikums auf seinen Film. Tatsächlich reichte die Schlange, die vor der Kinokasse anstand und eine der begehrten Karten ergattern wollte, bis hinaus auf den Gehsteig vor dem Kinotheater Madlen. Viele Interessierte mussten vertröstet mit dem Hinweis auf eine weitere Vorstellung des Films «Being there – da sein» am kommenden Freitag, 10. November, den Heimweg antreten.

Das Wichtigste ist das Da-Sein

«Being there» ist ein eindrückliches Filmwerk über die Sterbebegleitung. Vier Menschen an vier verschiedenen Ecken unserer Welt, die sich um todkranke und sterbende Menschen kümmern, wurden von Thomas Lüchinger über Monate hinweg begleitet. Die ruhig geführte Kamera schaut ihnen bei ihren Besuchen über die Schulter, fängt das Leid, aber auch die ruhige Gelassenheit der todgeweihten Menschen ein. Die vier Protagonisten reflektieren über ihr Leben, über ihre Berufung, über ihr Dasein. Das ist auch der Gedankenschluss, der sich bei der Betrachtung des Filmes einstellt. Das Wichtigste bei der Sterbebegleitung ist nicht das Tun. Das machen Ärzte, Schwestern, Pflegerinnen zur Genüge. Das Wichtigste ist das Da-Sein. An Ort und Stelle sein. Zuhören. Erzählen. Den kranken Menschen halten.

Ein Film über das Sterben und das Leben

Ein Film also über das Sterben. Aber weit mehr ein Film über das Menschlichsein, über Zuneigung und Liebe. Ein Film über das Leben. Grossartig und mit spärlichen Stilmitteln in Szene gesetzt. Da verwundert es nicht, dass Lüchinger für sein Werk bereits bei Dokumentarfilmfestspielen ausgezeichnet wurde. Und noch zu weiteren bedeutenden Festivals eingeladen ist.

Eingangs der Vorstellung stellten unter der Gesprächsleitung von Helga Klee die Geschäftsführerin von Palliative Ostschweiz, Katharina Linsi, und Regula Bont vom ambulanten Hospizdienst im Rheintal ihre Tätigkeiten vor. Zentrales Thema bei diesem Gespräch war die Betonung der Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit für Menschen in der letzten Lebensphase.

Offenheit und Akzeptieren der Gefühle

Regisseur und Filmemacher Thomas Lüchinger sieht in seinem Film die Möglichkeit für Interessierte, im Kino mit dem schwierigen Thema der Sterbebegleitung in Kontakt zu kommen, ohne vorderhand mit der Wirklichkeit konfrontiert zu werden. Was er bei der Vorbereitung auf seinen Film gelernt habe, sei eine Weisheit, die ihm Seminarleiterin Joan Halifax nahegebracht habe: Das Wichtigste bei der Begleitung und Pflege sei ein starker Rücken und eine weiche Brust im Raum des Nichtwissens. Offenheit und Akzeptieren der Gefühle, die im Moment des Abschieds hervorbrechen können, sowie Respekt vor dem grossen Mysterium. Das sei es, was Menschen brauchen, wenn sie Sterbende auf ihrem letzten Wegstück begleiten: Einfach da sein.