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Eichberg

So lebt der Christbaum weiter: Statt ihn zu entsorgen, bietet sich mit den Beechüe eine kreative Wiederverwertung an.
So lebt der Christbaum weiter: Statt ihn zu entsorgen, bietet sich mit den Beechüe eine kreative Wiederverwertung an. (Hildegard Bickel)

Spielzeug aus Christbäumen

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Ein alter Brauch lebt wieder auf: «Beechüe» heissen die geschnitzten Kunstwerke aus ausgedienten Christbäumen.

Hildegard Bickel

In einer Feuerschale vor dem Jugend- und Erlebnishaus Eichberg knisterten am Samstagnachmittag die Tannennadeln der Christbaumzweige. Was beim Schnitzen der Beinkühe störte, durfte getrost im Feuer verbrennen und Wärme spenden. Daneben schnitzten die Besucher an den Tischen auf dem Vorplatz geschickt und mit Geduld lustige Holzfiguren aus den ausgedienten Christbäumen – Beechüeh.

Der Blick auf das fertige Kunstwerk verrät, wie es zu diesem Namen kam. Die Holzfigur steht auf zwei Beinen, auf einem Stück Stamm und dem gestutzten Geäst der Tanne.

Bei Schlechtwetter zum Sackmesser gegriffen

«Als Kinder schnitzten wir die Beechüe zum Zeitvertreib auf der Alp im Appenzellerland», erinnerte sich Toni Graf. «Oft jassten wir bei schlechtem Wetter. Sobald es Streit gab, hörten wir auf und begannen mit der Arbeit an einer Beechue.» Er brachte eine gut erhaltene Holzfigur aus seiner Kindheit mit, die als Vorlage diente.

Auf die Idee, das alte Brauchtum aufleben zu lassen, kam Silvia Dietsche, die wie Toni Graf in der Verwaltung des Jugend- und Erlebnishauses tätig ist. Sie sah die Holzfiguren bei einem Besuch in Appenzell. Ihr gefiel die Vorstellung, an einem Familiennachmittag gemeinsam Christbäume kreativ zu verwerten und Kühe entstehen zu lassen, die als Kunstwerk, Sammlerstück oder Spielzeug dienen.

Zudem würden vergessen gegangene Brauchtümer je länger je mehr wieder auf Interesse stossen, sagte Toni Graf. Das zeigte auch der Besuch von Grosseltern, Eltern und Kindern, die der Einladung folgten. Sie erhielten fachkundige Anweisungen, wie mit dem Sackmesser Schritt für Schritt eine Beechue entsteht. «Die Rinde wird sauber weggeschnitzt, das Holzstück mit Schleifpapier bearbeitet und mit etwas Fantasie ausgeschmückt», sagte Ernst Schlegel. Die Teilnehmer verarbeiteten rund ein Dutzend Christbäume. Ganze Herden Beechüe mit Glöckchen, Augen und Schwanz reihten sich mit der Zeit aneinander. Die Verantwortlichen freuten sich, mit welchem Eifer die Besucher mitmachten. Kaum war eine Beechue fertiggestellt, griffen sie zum nächsten Rohling.

Ein Lagerhaus an schönster Lage

Gleichzeitig konnten die Besucher das Jugend- und Erlebnishaus besichtigen. Es ist mit rund 7000 Übernachtungen im Jahr (2018) zufriedenstellend ausgelastet. Oft sind es Gruppen aus Deutschland, die hier ihre Lagerwochen mit Aussicht über das Rheintal verbringen. Der ehrenamtliche Verwaltungsrat kümmert sich um das ehemalige Heilsarmee-Haus und das Areal mit zahlreichen Spielmöglichkeiten, empfängt Gäste und packt Renovationsarbeiten an. Im energetisch sanierten Speisesaal mit Solaranlage auf dem Dach konnten sich die Beechue-Schnitzer aufwärmen bei einem einladenden Kaffee- und Kuchenbuffet.

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