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Nicola Graber aus Kriessern erlebt mit dem Start an den Weltspielen der Studenten einen späten Karrierehöhepunkt. Das Bodenturnen – nebst dem Reck seine Lieblingsdiziplin – ist eine von vier oder fünf Sparten, in denen er in Taiwan antreten wird.
Nicola Graber aus Kriessern erlebt mit dem Start an den Weltspielen der Studenten einen späten Karrierehöhepunkt. Das Bodenturnen – nebst dem Reck seine Lieblingsdiziplin – ist eine von vier oder fünf Sparten, in denen er in Taiwan antreten wird. (Archiv/ys)

Späte Erfüllung eines Traums

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Der 21-jährige Kriessner Nicola Graber startet vom 19. bis 23. August an der Universiade in Taipeh (Taiwan). Für den Medizinstudenten ist es der erste Auftritt an einem internationalen Titelkampf.

Kunstturnen. Seit über 15 Jahren ist Nicola Graber Kunstturner. Zuerst im Trainingszentrum Rheintal in Widnau, nachher während acht Jahren im Regionalen Leistungszentrum Ost in Wil. Er gehörte zum erweiterten Kader des Schweizer Nationalteams. In den erlauchten Kreis der WM-, EM- oder gar Olympia-Teilnehmer hat er es nie geschafft.

Jetzt, in einem Alter, in dem sich Kunstturner bereits im Herbst ihrer Laufbahn befinden, darf Nicola Graber erstmals an einem internationalen Grossanlass starten.

Training reduziert – auf 15 Stunden pro Woche

Im Sommer vor einem Jahr hat Graber ein Medizinstudium in Basel begonnen – und damit seine Nationalmannschafts-Ambitionen endgültig begraben. Aber ans Beenden seiner Kunstturner-Karriere dachte er damals nicht – und denkt er auch heute im Vorfeld der Universiade-Teilnahme noch nicht.

Die Universiade sind die Weltspiele der Studenten. Vor zwei Jahren hat Nicola Graber entschieden, den Start in Taiwan als Ziel anzuvisieren: «Es gibt nicht so viele Kunstturner, die auch studieren, deshalb habe ich mir gute Chancen ausgerechnet.»

Das Training hat er zwar dem Studium zuliebe reduziert, aber mit 15 Stunden pro Woche verbringt er immer noch viel Zeit in der Turnhalle – jedoch nicht mehr 25 wie früher. Er turnt auch nicht mehr in Wil, sondern im Nordwestschweizer Kunstturmzentrum in Liestal. «Dort werde ich im Training auch betreut», sagt Graber. Das sei trotz seiner immensen Erfahrung wichtig. In Wil geniesst er aber immer noch Hausrecht: «Wenn ich in der Ostschweiz bin, gehe ich oft dort ins Training.»

Sieben Kunstturner haben um fünf Schweizer Universiade-Startplätze gebuhlt. Zwei davon waren durch Mitglieder des Nationalteams mehr oder weniger vergeben. Die Qualifikation fand an zwei Wettkämpfen statt, der zweite war eine interne Angelegenheit ohne Zuschauer. «Das war schon ein bisschen merkwürdig. Und vom Mentalen her nicht ganz einfach, weil es mir vorkam wie ein Training», sagt Graber. Dass er die Quali schafft, hatte sich aber schon nach der ersten Konkurrenz abgezeichnet.

In Taiwan wird Graber an vier oder fünf Geräten starten. Sicher in seinem Programm sind Pferd, Reck, Boden und Ringe, eventuell auch Barren. Am Sprung wird der Kriessner dagegen nicht im Einsatz stehen. Seine Lieblingsdisziplinen sind Bodenturnen und Reck: «Das hat sich im Lauf der Zeit geändert, früher war es das Pferd.»

Grabers Ziel an der Universiade ist eine gute Platzierung im Teamwettkampf: «Ein Platz in einem Gerätefinal ist nicht realistisch – zum Teil stehen an der Universiade Weltstars im Einsatz.»

Zwischen der Bundesliga und dem STV Kriessern

Die Weltspiele der Studenten – der nach Teilnehmern zweitgrösste Multisportanlass nach den Olympischen Sommerspielen – finden alle zwei Jahre statt. Ob er die Qualifikation für 2019 erneut in Angriff nimmt, weiss Graber noch nicht: «Das ist möglich, aber soweit denke ich noch nicht. Es hängt auch von den Anforderungen des Studiums ab.» Denn dieses möchte er ohne Zeitverlust hinter sich bringen, nach einer Karriere als Bummelstudent trachtet Graber nicht.

Nicola Graber wohnt in Basel in einer WG mit einem ehemaligen Kunstturner. Ein Studentenjob liegt mit seinem immer noch beträchtlichen Trainingsumfang nicht drin. Ein paar Euro verdient er aber in Süddeutschland als Bundesliga-Turner der TG Allgäu. Das Kunstturnen macht ihm immer noch Spass, im Rückblick «stellen die vielen Freunde, inzwischen auch in Deutschland, die ich gewonnen habe den grössten Wert dar.»

Dem Turnen wird er verbunden bleiben: «Trainer werde ich jedoch nicht.» Dafür will er mit seinem Heimatverein, dem STV Kriessern, an Teamwettkämpfen antreten. Letztes Jahr beim Kantonalen war Graber schon mal mit den Kriessnern am Start. Im Hinblick auf die Universiade hat er diesbezüglich eine Pause eingelegt: «Mir fehlte die Zeit, um mit den Kriessnern zu trainieren.» Turnerisch könnte er mit ihnen auch ohne gemeinsames Training mithalten: «Aber für die Synchronität muss man schon ein paar Mal gemeinsam üben.»