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Berneck

Es bringt nichts, sich an Dingen festzuklammern, die in der Zukunft liegen.
Es bringt nichts, sich an Dingen festzuklammern, die in der Zukunft liegen. (Bild: depositphotos/ekostsov)

«Sorgt euch nicht um den morgigen Tag»

Manuela Schäfer Kommentare

Als im Frühjahr die Pandemie unser öffentliches und privates Leben plötzlich ausbremste, nahm ich die Einschränkungen meinem Naturell entsprechend auf und versuchte, positiv und optimistisch zu denken: «In Ordnung, bleiben wir einige Zeit zu Hause, dann können wir spätestens an Ostern wieder gemeinsam feiern.»

Ostern kam und ging, ohne dass meine Vorstellung erfüllt wurde. Ich hielt mich weiter daran fest, was in Zukunft noch Schönes zu erwarten war: die Pfingstferien und Familienbesuche. Auch daraus wurde bekannterweise nichts. Wir sahen Ereignisse, auf die wir uns gefreut und die wir fest geplant hatten, dahinschwinden, die Termine, an denen wir etwas vorhatten, kommen und gehen, ohne dass etwas hätte stattfinden können. Dies betraf Feste, Konzerte, Reisen und vieles mehr. Ein Grossteil meiner Energie ging dafür drauf zu überlegen, was abzusagen und zu verschieben war oder mit welchen Einschränkungen durchgeführt werden konnte. 

«Wer von euch vermag durch Sorgen seiner Lebenszeit auch nur eine Elle hinzuzufügen? (…) Sorgt euch also nicht um den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Jeder Tag hat genug an seiner eigenen Last.» Selten schienen die Worte Jesu aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium passender. Es bringt nichts, sich an Dingen festzuklammern, die in der Zukunft liegen. Wir haben sie nicht in der Hand. In dieser Zeit half mir schliesslich, das ganz brutal und realistisch einzusehen. Wir können nicht für die Zukunft leben. Und gleichzeitig halte ich an der Hoffnung fest, dass menschlicher Zusammenhalt, Kreativität, Ausdauer und Widerstandskraft uns durch schwere Zeiten bringen werden. Die Quelle von all dem ist für mich Gott, die uns damit speist und nährt und die nie versiegt. Das was uns trägt, gibt es jeden Tag neu. Jeder Tag hat seine eigenen Herausforderungen, in diesen Zeiten besonders. 

Es gilt, auf die Kraft des Heute zu vertrauen, ohne sich sorgenvoll im Blick in die Zukunft zu verlieren. Das ängstliche Vorausschauen wird uns kein bisschen dabei helfen, durch die Gegenwart zu kommen. Fragen wie «Wann ist es vorbei?» helfen uns überhaupt nicht, die uns jetzt gestellten Aufgaben zu meistern. Nur mit Vertrauen können wir der Realität begegnen. Wir können nicht sicher wissen, was die vor uns liegende Zeit bringt. Schmerzhaft stehen uns die erlittenen Verluste von Geld, Träumen und Aktivitäten und womöglich auch von geliebten Menschen vor Augen. Doch wir sind stark aus Gottes Kraft, wenn wir die Sorge um das Morgen abgeben.

Manuela Schäfer, Pfarrerin in Berneck

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