rheintaler.ch

So (nervig) ist es, während Corona zu studieren

At Kommentare

Die Uni haben viele Studierende schon lange nicht mehr von Innen gesehen. Die Vorlesungen finden immer noch online statt und das Studentenleben beschränkt sich auf die eigenen vier Wände. Drei junge Erwachsenen aus dem Rheintal sprechen über ihr Studium während der Pandemie.

Ob Studium am Küchentisch, in Lerngruppen oder im Bett – mittlerweile haben Studierende eine Art gefunden, mit der seit über einem Jahr anhaltenden Situation umzugehen. Auch Andrea, Fabian und Max.

«Der coole Teil fiel weg» – Andrea studiert im achten Semester an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen

Den 13. März 2020 habe ich deutlich in Erinnerung. An diesem Tag kam der Entscheid, dass wir vorläufig Online-Unterricht haben werden. Diese neue Situation fand ich aufregend und dachte, ein paar Wochen Vorlesungen zu Hause werden sicher spannend. Nach nur zwei Wochen hatte ich diese Art von Studentenleben satt. Der «coole» Teil fiel weg. Mir fehlten der Austausch, die gemeinsamen Pausen und die Zeit nach dem Unterricht mit meinen Kommilitonen und Kommilitoninnen. Am Anfang haben wir uns manchmal in der Bibliothek getroffen, bis diese auch schliessen musste. Seitdem studiere ich am Wohnzimmertisch in meiner WG in St.Gallen. Ich bin beeindruckt, wie die Dozierenden die Situation meistern. Alle versuchen das beste aus der Situation zu machen und nutzen neue Möglichkeiten, um den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. Trotzdem spüre ich, dass ich online weniger lerne.

Mittlerweile habe ich mich an die Situation gewöhnt und nutze die Vorteile des Online-Studiums. Noch nie hatte ich so viel Zeit, um Sport zu treiben oder eigene Projekte zu verfolgen. Ich kann meinen Tag flexibel gestalten.

Ich freue mich aber, nach dem Sommer hoffentlich wieder in die Schule gehen zu können. Vor allem weil es mein letztes Semester ist und ich nochmals Zeit mit meinen Freunden verbringen und das Leben als Studentin voll und ganz auskosten möchte.

«Ich mag es, dass ich während den Vorlesungen kochen kann» – Fabian studiert im vierten Semester Sportmanagement an der Fachhochschule Graubünden

Ich habe 2019 mit dem Studium begonnen und konnte zum Glück ein Semester vor Ort erleben. Somit durfte ich meine Mitstudierenden kennenlernen, was ich sehr geschätzt habe. Das war vor allem für spätere Gruppenarbeiten ein grosser Vorteil. So konnte ich besser beurteilen, mit wem eine Zusammenarbeit funktioniert und mit wem vielleicht eher nicht. Zudem habe ich neue Freunde dazugewonnen, mit denen ich manchmal gemeinsames Homeschooling gemacht habe.

Die meiste Studienzeit verbrachte ich zu Hause in meinem Elternhaus in Berneck. Ich switchte zwischen meinem Zimmer, der Stube, dem Garten oder auch der Küche. Beim Online-Unterricht gefällt mir, dass ich nebenbei Dinge erledigen kann, wie Essen zubereiten. Ausserdem muss ich nur zuhören, wann ich will und kann so die wichtigsten Informationen rausfiltern. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass ich die Zeit nutzen kann, die sonst für das Pendeln draufgehen würde. 

Gleichzeitig ist die Ablenkung daheim riesig und die Konzentration schwindet schnell. Zu meinem Vorteil bin ich relativ diszipliniert und erledige Aufträge rechtzeitig, um nicht alles am Semesterende nachholen zu müssen.

Mir fehlt jedoch die räumliche Trennung von Studium und Privatem sowie der persönliche Kontakt mit meinen Mitstudierenden und den Dozierenden. Deshalb bin ich froh, nächstes Semester hoffentlich wieder vor Ort zu studieren, obwohl ich das «chillige» Leben sicher vermissen werde.

«Die Online-Bachelorpräsentation war sehr chillig» – Max machte letztes Jahr seinen Bachelorabschluss in Maschineningenieurwissenschaften an der ETH Zürich

Als im März 2020 die Uni schloss, wurde es in Zürich schnell leer. Auch ich pendelte öfter zwischen meinem Elternhaus in Berneck, der Wohnung von Kollegen in St.Gallen und meiner WG in Zürich. Bereits während der normalen Studienzeit besuchte ich die Vorlesungen nicht besonders häufig und lernte das meiste selbstständig. Als die Uni auf Online-Unterricht umstellte, schwand meine Motivation für die Teilnahme an Vorlesungen komplett. Die ersten zwei Mal habe ich noch reingeschaut, danach nicht mehr. Ich habe den Stoff entweder eigenständig bearbeitet und Übungen gemacht oder erst auf die Prüfungen gelernt. Je nach dem wie gut ich das Fach meisterte.

Als ich letzten Sommer mit der Bachelorarbeit begann, war die ETH für kurze Zeit wieder offen und ich konnte mich persönlich mit anderen austauschen. Gemeinsam mit meinen Mitbewohnern ging ich in die Bibliothek, um zu schreiben.

Die Präsentation der Arbeit fand online statt. Der Fakt, dass ich in einen Bildschirm sprach und keine Leute direkt vor mir sassen, vereinfachte das Präsentieren um einiges. Zudem musste ich nicht auf meine Körperhaltung und Gestik achten, was sehr chillig war.

 

 

 

Folge uns: