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Vor zwei Jahren eröffnete Marjam ihr eigenes Brautmodegeschäft
Vor zwei Jahren eröffnete Marjam ihr eigenes Brautmodegeschäft (Bild: at)

Sie erfüllt den Traum in Weiss

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Sich am Hochzeitstag wie eine Prinzessin fühlen – das ist der Wunsch vieler Frauen. Bei Brautmodeberaterin Marjam Mujic geht er in Erfüllung.

Während die meisten auf der kurzen 80er-Strecke zwischen Au und St.Margrethen aufs Gas drücken, bremsen angehende Bräute genau dort und halten vor dem grossen Haus mit der roten Tür am Monstein. Wer diese Tür öffnet, wird von Glitzer, Tüll, Spitzen und dem Lächeln von Marjam empfangen. Vor zwei Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und eröffnete ihr eigenes Braut- und Abendmodegeschäft «Brauttraum» in Au.

Aus Spass wurde ernst
An den 16. März 2020 kann sich Marjam gut erinnern. An diesem Montag wollte sie ein neues, berufliches Kapitel starten und ihre Ladeneröffnung feiern. Viele ahnen es bestimmt: Der Tag verlief nicht wie geplant. Die Schweiz ging in den Lockdown. Um aus der Situation das Beste zu machen, sagte sich Marjam, dass sie zusätzlich Zeit erhalten habe, um Vorbereitungen zu treffen. Von der Idee eines eigenen Geschäfts bis zur geplanten Eröffnung vergingen nur drei Monate. Den Wunsch selbstständig zu werden, hatte die 29-Jährige jedoch schon länger. Nur «womit» war die Frage. Während eines Abendessens entstand aus Spass die Idee eines Brautmodegeschäfts, denn die Auerin organisierte beruflich bereits einige Hochzeiten und interessiert sich sehr für Mode. Noch am gleichen Abend setzte sich Marjam voller Euphorie an den Computer und erstellte einen Business Plan. Danach ging alles schnell: Sie kaufte Kleider, fand eine Lokalität und bereitete alles für die Eröffnung vor, die nach dem Lockdown stattfinden konnte. Den Besuch der ersten Kundin bezeichnet Marjam als ein Wunder: «Die angehende Braut kam um 17 Uhr in das Geschäft und kaufte innerhalb fünf Minuten ihr Brautkleid. Das deutete ich als ein positives Zeichen.»

Die Zeit seit der Eröffnung war mit viel Arbeit verbunden, die sich ausbezahlt hat. Marjam hat ihren Traumberuf gefunden. An einem normalen Arbeitstag hat sie vier bis sechs Termine mit Bräuten im Alter zwischen 18 und etwa 55 Jahren.  Kleider anprobieren, beraten, abstecken – Marjam hat zu tun und wenn sie Zeit findet, näht sie auch Kleider um. Meistens übernimmt diese Aufgabe aber ihre Schneiderin, die ebenso zum Brauttraum-Team gehört wie eine Lehrtochter. Zu Marjams Aufgaben gehört auch der Kontakt mit Lieferanten. Sie ist immer auf der Suche nach Neuem. Ihr ist wichtig, Kleider anzubieten, die sonst niemand hat. In Zukunft möchte sie auch Herrenmode in das Sortiment aufnehmen.

Tränen fliessen kaum
Viele kennen den Beruf der Brautmodeverkäuferin aus Fernsehsendung wie «Zwischen Tüll und Tränen» oder «Sag Ja zum Kleid», doch Marjams Job ist nicht damit vergleichbar. Die Sendungen seien eine stark gekürzte Version dessen, was sie mache. Ein Beratungstermin dauert im Schnitt drei Stunden und die Frauen probieren etwa zehn Kleider. Der grösste Mythos seien fliessende Tränen, wenn das perfekte Kleid gefunden wird. «Ich kann an einer Hand abzählen, wie viele Bräute geweint haben. Häufig sind die Mütter emotionaler», sagt sie.

Für den Job als Brautmodeverkäuferin braucht es viel Einfühlungsvermögen. Oft muss aus wenigen Sätzen herausgespürt werden, was die Frau will. Und wenn ein Kleid einer Frau nicht schmeichelt, spricht das Marjam ebenfalls an – oder zeigt ein solches Kleid erst gar nicht. Mittlerweile muss sie die Frauen nur anschauen und weiss bereits, welches Kleid zu ihnen passt. «Auch wenn ich beim Einkaufen eine Frau sehe, überlege ich oft, welches Kleid ich ihr anziehen würde. Ich kann diese Reaktion nicht mehr abschalten», sagt Marjam. Wieso spielt das Hochzeitskleid eigentlich eine so wichtige Rolle beim Heiraten? «Das Hochzeitskleid macht aus jemandem eine Braut, darin wird niemand übersehen», sagt Marjam. «Bräute dürfen sich an diesem besonderen Tag wie eine Prinzessin fühlen.» Marjam war schon an mehreren Hochzeiten und noch immer wird sie emotional, wenn sie eine Braut in der Kirche sieht.

Für angehende Bräute hat die Rheintalerin Tipps: «Bleibt entspannt, ihr findet euer Kleid. Geht nicht in mehr als zwei bis drei Brautmodegeschäfte, sonst haben die Kleider keine Wirkung mehr.»

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