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(instagam/lucymountain)

«Schreib mir, wenn du zuhause bist» – ein Satz geht viral

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Die Haare verstecken, Schlüssel zwischen die Finger klemmen und dunkle Strecken rennend hinter sich bringen – ein Szenario, das die meisten Frauen kennen, wenn sie allein nach Hause laufen. Alles aus Angst vor (sexueller) Belästigung, vor Gewalt, vor Männern. Wie damit umgehen? Und wie sich Männer verhalten können, ohne unter Pauschalverdacht zu stehen.

Der Mord an einer Britin löste in den vergangenen Tagen eine Diskussion über die Sicherheit von Frauen aus. Die 33-jährige Sarah Everard wurde am 3. März auf dem Heimweg entführt und getötet. Der Fall geht nicht nur durch die britische Presse, auch auf Instagram wird darauf aufmerksam gemacht.

Influencerin Lucy Mountain teilte kürzlich auf Instagram ein Bild mit nur sechs Worten: «Text me when you get home» – «Schreib mir, wenn du zu Hause bist». Eine harmlose Nachricht, die vermutlich schon viele bekommen, geschrieben oder gesagt haben.

Welcher Frau wurde nicht schon mal hinterhergerufen? Welche Frau wurde nicht schon mal angesprochen oder angefasst, obwohl sie zu verstehen gab, dies nicht zu wollen? Welche Frau fühlte sich nicht schon einmal unsicher?

Unter dem Hashtag #textmewhenyougethome teilen Frauen ihre Ängste und Erfahrungen mit Übergriffen oder geben Tipps, welche Vorkehrungen sie treffen, wenn sie allein irgendwo hingehen. In vielen Beiträgen wird auch diskutiert, warum Frauen solche Vorkehrungen überhaupt treffen müssen. Sollte es nicht normal sein, ohne Angst eine Strasse entlanglaufen zu können? Dieses Problem kann nicht mit dem Schlüssel in der Hand, mit jemandem am Telefon oder einem geteilten Live-Standort gelöst werden.

Statt Mädchen und Frauen beizubringen sich nicht zu freizügig anzuziehen, das Handy immer griffbereit zu haben und nicht zu spät nach Hause zu kommen, sollten auch Jungs und Männer darüber aufgeklärt werden, was sie tun können, damit sich Frauen sicherer fühlen.

Das können Männer tun
Halte Abstand im Dunkeln
Wenn du nachts hinter einer Frau läufst, achte drauf, dass der Abstand gross genug ist. Wenn du überholen willst, wechsle die Strassenseite. Falls dies nicht möglich ist, gib Entwarnung. Zum Beispiel mit diesen Sätzen: «Hab keine Angst, ich muss nur in dieselbe Richtung» oder «Ich überhole dich gleich, du brauchst keine Angst zu haben». Das hört sich vielleicht etwas merkwürdig an, ist aber definitiv besser, als sich stumm anzupirschen.

Kein catcalling!
Rufe, pfeife, starre oder hupe niemandem hinterher. Das ist nicht schmeichelnd oder witzig, sondern einfach nur unangenehm und angsteinflössend.

Busfahren in der Nacht
Setz dich im leeren Bus am besten auf einen Platz vor der Frau. Nein, nicht direkt vor ihr – auf einen Platz, wo sie dich sehen kann. Falls ihr gleichzeitig austeigen müsst, steig vor ihr aus dem Bus und lauf in deine Richtung.

Zeig dein Gesicht
Nimm deine Kapuze runter oder stehe an einen hellen Ort. Somit wirst du weniger bedrohlich wahrgenommen.

Speak up
Wenn du merkst, dass sich eine Frau in einem Gespräch mit einem fremden Mann unwohl fühlt, überlass sie nicht sich selbst. Frag nach, ob alles okay sei und zeig, dass sie nicht allein ist.

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