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Russische Reisetomaten.
Russische Reisetomaten. (Bild: Urs Stieger)

Russisches

Urs Stieger Kommentare

Der russische Bär ist in der Politik eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung, die schon lange vor Welt- und Kaltem Krieg in Umlauf war. Noch älter ist allerdings dieselbe Bezeichnung für einen Falter, der weder mit Bären noch mit Politik etwas zu tun hat. Auch hat er einen zweiten Namen: Spanische Flagge. Was wiederum zeigt, welch grenzenlose Fantasie bei Pflanzen- und Insektennamen zum Tragen kommt.

Der Falter mit den schwarz-weissen Deck- und den orangen Hinterflügeln fällt nicht nur wegen der Farben auf. Wenn er den Wasserdost nach Nektar absucht, bildet er ein genaues gleichschenkliges Dreieck. Der Falter mag es gerne warm. Er steht auf der Roten Liste als «potenziell gefährdet», kommt aber lokal trotzdem häufig vor. In Griechenland wurde sogar wegen ihm eine Gegend als das «Tal der Schmetterlinge» bezeichnet. Entgegen russischer und anderer Politiker ist der Russische Bär auch nicht so nervös wie andere Schmetterlinge, und er lässt sich daher gut fotografieren. Nur müssten dann die Fotos auf dem PC wieder gefunden werden. Hier wird der Stieger vielleicht zur Lachnummer, aber im Wust der Ferienfotos, Garten- und Familienaufnahmen haben sich die schönen Schmetterlinge irgendwo in den Dateien verkrochen und harren da, hoffentlich, der Entdeckung.

Das andere aktuelle russische Element im Garten sind Reisetomaten. Je nach Gegend und politischer Aktualität heissen sie auch ukrainische oder sibirische Reisetomaten. Haben Sie auch schon im Zug oder im Auto so schön vollreife Tomaten gegessen? Das saftet und spritzt in der Weltgeschichte herum! Die Reisetomaten machen das nicht. Sie können ohne schneiden in mundgerechte Stücke abgetrennt werden, ohne dass die weisse Bluse einen Fleck bekommt. Eigentlich sind es kleine Tomätli, die oben etwas zusammenhalten. Beim Grossverteiler mit den Normtomaten sind sie natürlich nicht erhältlich. Im eigenen Garten oder auf dem Balkon wachsen sie aber gut und gesund wie kaum eine andere Sorte. Hier sind sie jetzt schon mehr als 250 cm hoch. Oben werden sie geschnitten, damit diese lustigen Gebilde bis zum Herbst ausreifen. Dass in Sibirien überhaupt Tomaten wachsen, war für mich schon erstaunlich, dachte ich doch, Sibirien bedeutet Permafrost, Schnee und Minustemperaturen. Offensichtlich, und nicht nur hier, falsch gedacht!

Russischer Spitzkohl, Yantar (Physalis), Riesenkiwanos (Horngurken), Russischer Stielmangold, Russischer Palmkohl, Sibirischer Hauspaprika, Russische Oliven (verwandt mit Pfaffenhütchen), Riesengemüsezwiebeln aus Russland, jede 1 kg schwer, Russischer Butterriesenkohlrabi, usw. Das Riesenreich hat noch viele kulinarische Überraschungen bereit.

Im Garten wachsen die ägyptischen Randen. Die sind die Hauptzutat für die berühmte russische Suppe mit dem unaussprechlichen Namen: Borschtsch

Urs Stieger

Berneck

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