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St. Margrethen

Um die Renovierung der Wohnung im Restaurant Rössli will sich der Genossenschaftsvorstand erst kümmern, wenn nach der sanften Sanierung des Lokals Geld übrig bleibt.
Um die Renovierung der Wohnung im Restaurant Rössli will sich der Genossenschaftsvorstand erst kümmern, wenn nach der sanften Sanierung des Lokals Geld übrig bleibt.

«Rössli» ohne Saal sanft renovieren

Kurt Latzer Kommentare

Anstelle eines Teilabbruchs und Neubaus des Restaurants Rössli soll nun sanft renoviert werden. Das wurde letzte Woche an der ausserordentlichen GV der Genossenschaft Rössli beschlossen.

Remo Pedron ist «Rössli»-Genossenschafter. Die Tatsache, dass die Presse zur Generalversammlung nicht eingeladen war, hat ihn erstaunt. Und davon, was sich seit der Gründung der Genossenschaft zugetragen hat, ist er enttäuscht. Das habe er letzten Donnerstag an der GV deutlich gemacht. «An der Versammlung war ich wütend, habe mich dreimal zu Wort melden müssen», sagte Pedron. Er habe beantragt, nochmal bei Null zu starten und das «Rössli» als Beiz sofort zu eröffnen – egal ob mit oder ohne Saal. Sei die Dorfbeiz erst einmal geöffnet, habe man genug Zeit, zu planen. «Von meinem Vorschlag wollte an der GV niemand etwas wissen. Der Antrag eines Architekten, man solle eine Fachperson aus dem Bauwesen in den Vorstand wählen, wurde ebenfalls abgelehnt», sagte der erboste Genossenschafter. «Der Antrag eines Genossenschafters, eine unabhängige und neutrale Baufachperson in den Vorstand zu wählen, wurde mehrheitlich abgelehnt, da man der Überzeugung war, dass die Begleitung durch den Bauverwalter der Gemeinde in der Funktion als Eigentümervertreter ausreichend sei», hat der Vorstand der Genossenschaft Rössli gestern in einem Communiqué mitgeteilt.

Renovieren, abbrechen und neu bauen, renovieren

Anfangs wollte die Genossenschaft das Restaurant Rössli für rund 450 000 Franken sanft renovieren und einen Saal einbauen. Die Mehrheit der Anteilschein-Besitzer war mit dem Projekt Teilabbruch einverstanden, obwohl eine spätere, detailliertere Kostenschätzung etwa eine Million Franken auswies.

Dann haben die Fachleute die Bausubstanz des Restaurants noch genauer unter die Lupe genommen und festgestellt: Die Million reicht nicht. Der Genossenschaftsvorstand war geschockt, für das geplante Projekt musste er plötzlich von 840 000 Franken Mehrkosten ausgehen. Weil das Projekt mit Gesamtkosten von 1,84 und eine abgespeckte Variante mit 1,3 Mio. Franken nicht finanzierbar war, wurde die ausserordentliche Generalversammlung einberufen.

Doch wieder zurück zum einst Geplanten? «Nach einer angeregten Diskussion stimmte die Versammlung einer sanften Renovation im Rahmen der eigenen finanziellen Möglichkeiten zu», heisst es im Communiqué des Genossenschaftsvorstandes zur Generalversammlung. Man wolle die nötigen Abklärungen sofort an die Hand nehmen und an der ordentlichen Generalversammlung im Februar 2017 detailliert darüber berichten. Und warum waren die Medien an der GV nicht erwünscht? Jacqueline Stäbler, Präsidentin der Genossenschaft Rössli: «Es war eine ausserordentliche GV mit unseren Genossenschaftern sowie den involvierten Korporationen wie Ortsgemeinde und Politischer Gemeinde.» Man habe im Detail über die Situation mit den unerwarteten Mehrkosten informieren und das weitere Vorgehen des Vorstandes diskutieren wollen. Es sei offen diskutiert worden.

Hätte man nicht besser die Notbremse gezogen und die ganze «Übung» abgebrochen, nachdem feststand, es würde um über 800 000 Franken teurer und damit nicht finanzierbar? «Auch das wurde ausgiebig diskutiert. Ziel bleibt aber, das wieder zu eröffnen, um damit die Genossenschaftsidee umzusetzen», sagte die Präsidentin.

Warum kann man die Beiz nicht gleich wieder eröffnen? «Bei einer Wiedereröffnung mit neuem Pächter oder einer neuen Pächterin sind auch gesetzliche Auflagen zu erfüllen, zum Beispiel seitens der Lebensmittelkontrolle», sagte Jacqueline Stäbler. Und dies sei mit der heutigen Küche nicht möglich. Wie der Mitteilung zu entnehmen ist, hat die Versammlung am Donnerstag dem neuen Vorschlag des Vorstandes zugestimmt, das «Rössli» einer sanften Renovation im Rahmen der eigenen finanziellen Möglichkeiten durchzuführen. Wird demnach auf den Saalanbau verzichtet?

«Ja. Wir wollen die Küche sanieren und im Restaurant nur das Nötigste instand stellen», sagt die Genossenschaftspräsidentin. Dem Vorstand schwebt vor, die beiden Räume neben dem Restaurant sanft zu renovieren und einen Begegnungsraum und Treffpunkt zu schaffen. Um die Wohnung könne man sich kümmern, wenn nach den Massnahmen im Lokal Geld übrig bleibe. Die neue Variante mit Kostenberechnung will der Vorstand an der ordentlichen Generalversammlung im Frühjahr präsentieren.