rheintaler.ch

Kriessern

Hubert Hutter aus Kriessern fürchtet um die Zukunft seine Hofes, sollte er das Pachtland an den Rheindämmen verlieren.
Hubert Hutter aus Kriessern fürchtet um die Zukunft seine Hofes, sollte er das Pachtland an den Rheindämmen verlieren.

Rhesi und die Angst der Bauern

Kurt Latzer Kommentare

Seit Jahrzehnten nutzen Rheintaler Landwirte den Boden am Rhein, zwischen dem Mittelgerinne und dem Hochwasserdamm. Ginge es nach den Naturschützern, würde sich dies ändern.

Die Wasserbau-Fachleute wollen die Dämme im St.?Galler Rheintal sanieren und durchgehende Interventionspisten für die Überwachung dieser Schutzbauten schaffen. Zudem soll der Rhein zwischen den Dämmen wieder mehr Platz bekommen. Um dies zu erreichen, müsste man das Material aus dem Rheinvorland entfernen, das der Fluss in den vergangenen Jahrzehnten bei Hochwassern liegen gelassen hat. Im Projekt «Rhein – Erholung und Sicherheit» (Rhesi) aber geht es um weit mehr als nur um Hochwasserschutz.
Naturschutzverbände wie etwa Pro Natura und WWF wollen, dass sich die Bevölkerung beidseits des Flusses direkt am Rhein naherholen kann. Um dies zu erreichen, sollen die Dämme des Mittelgerinnes an mehreren Stellen geschliffen werden, damit natürliche Auenlandschaften mit Inseln und Badeplätzen entstehen können. Fachleute bezeichnen den Rhein als biologische Wüste. Mit einer Renaturierung des Grenzflusses könnte man dem entgegenwirken und neuen Lebensraum für Flora und Fauna schaffen.
Das alles klingt schön und sieht auf den Fotomontagen der Naturschutzverbände auch gut aus. Zu jenen, die bei den Plänen von WWF und Pro Natura auf der Strecke bleiben würden, zählen Rheintaler Landwirte.

Hubert Hutter aus Kriessern ist einer von ihnen. Er bewirtschaftet gegen 30 Hektaren Land, 2,5 Hektaren davon nennt er sein Eigen. Über einen Drittel der Gesamtfläche hat er am Rhein gepachtet. Im Gegensatz zu anderen Gebieten steht Hutter mit dem Rheinvorland nicht direkt beim Kanton in Pacht, sondern bei der Ortsgemeinde Kriessern. Von ihr und der Ortsgemeinde Oberriet hat der Vieh- und Ackerbauer weiteres Land gepachtet. Was wäre, wenn ihm dieser Boden am Rhein nicht mehr zur Verfügung stünde? «Würde ich die 130 Aaren Land am Rhein verlieren, hätte ich ein echtes Problem», sagt Hutter. Denn einige der von ihm gepachteten Böden, so beispielsweise auch die im sogenannten Schollenloch, kann er nicht jedes Jahr für den Ackerbau nutzen. «Dieses Jahr hatten wir auf weiten Teilen kleine Seen stehen, das Befahren der Böden war unmöglich», sagt Hubert Hutter.

Und mit Wiesland allein bekommt er seine 35 Kühe nicht satt. Silofutter darf Hutter seinen Tieren nicht geben, weil sich der Hof in einer Siloverbotszone steht. «Weil ich bei einem Label dabei bin, darf ich Mais nur frisch vom Feld oder im Winter in Würfeln füttern», sagt der Kriessner Landwirt. Ortsgemeinden sind dabei, schlechte Böden mit Aushubmaterial aus dem Rhein zu verbessern. Wäre das eine Möglichkeit, Ersatzfläche für das Rheinvorland zu schaffen? «Die Böden im Riet, die man verbessern könnte, sind schon verpachtet. Wollte man Ersatz schaffen, müsste man anderen Land wegnehmen», sagt Hubert Hutter. Selbst wenn die aufgefüllten Böden aufgewertet sein werden, werde daraus kein Ackerland.

Andere Bauern träfe es mit dem Wegfall des Rheinvorlandes härter. Im Mittelrheintal  gibt es Höfe, deren bewirtschaftbare Böden zu zwei Drittel im Rheinvorland liegen. Fällt dieses Land weg, bedeutet dies für einzelne Bauernhöfe das Ende.

Vorerst besteht für die Rheintaler Landwirte im oberen Rheintal aber kein Grund zur Sorge. Noch haben die Ortsgemeinden den Bauern die Pacht für das Rheinvorland nicht gekündigt.