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Altstätten

  • Eliane Fritz aus Mittelberg im Kleinwalsertal (A) verstanden die Einheimischen fast so gut wie Jack Griss aus Altstätten, aufgewachsen in Götzis (A).
    Eliane Fritz aus Mittelberg im Kleinwalsertal (A) verstanden die Einheimischen fast so gut wie Jack Griss aus Altstätten, aufgewachsen in Götzis (A). (Max Pflüger)
  • Erika Hössli aus Splügen im Vorderrheintal (GR) hatte viele Ausdrücke, die man schlechter verstand wie Ueli Bietenhaders Altstätter Dialekt.
    Erika Hössli aus Splügen im Vorderrheintal (GR) hatte viele Ausdrücke, die man schlechter verstand wie Ueli Bietenhaders Altstätter Dialekt.
  • Eliane Fritz aus Mittelberg im Kleinwalsertal (A) verstanden die Einheimischen fast so gut wie Jack Griss aus Altstätten, aufgewachsen in Götzis (A).
  • Erika Hössli aus Splügen im Vorderrheintal (GR) hatte viele Ausdrücke, die man schlechter verstand wie Ueli Bietenhaders Altstätter Dialekt.

Rheintaler und Walser Dialekte

Max Pflüger Kommentare

Im Rahmen des fünften Mundart-Mai präsentierte am Donnerstagabend das Diogenes-Theater in Altstätten, umrahmt von zwei typischen Rheintaler Vertretern, auch zwei Autorinnen mit Texten im Walser Dialekt.

ALTSTÄTTEN. Unter dem Titel «Heann und Deann» lud das Diogenes-Theater zu einer Dialektlesung vier Autoren ein, denen die Pflege des sprachlichen Lokalkolorits und ihres Dialekts ein besonderes Anliegen ist. Der Anlass gab einen kleinen Einblick in die bunte Vielfalt der unterschiedlichen Mundarten in der Grossregion links und rechts des jungen Rheins. Der Heimatdialekt der gebürtigen Altstätter wurde vertreten von Ueli Bietenhader und seinen Dialekt aus Götzis brachte Jack Griss über den Rhein mit. Er ist seiner Muttersprache treu geblieben, trotz langjährigem Exil jenseits der Grenzen. Mit dem bündnerischen «Walserdiitsch» machte Erika Hössli aus Splügen das Publikum vertraut. Die Sprache der Vorarlberger Walser präsentierte Eliane Fritz aus dem Kleinwalsertal. Musikalisch umrahmt wurden die Lesungen vom Klarinettenquintett der Musikschule Oberrheintal unter der Leitung ihres Lehrers Erich Berthold.

Die Walser

Einen kurzen Einblick in die Geschichte der Walser gab in seiner Begrüssung Theo Frey vom Diogenes-Theaterverein. Vor etwa 1000 Jahren erreichten die Alemannen auf ihrer Wanderung vom Berner Oberland her das Goms im Wallis und besiedelten nach und nach das obere Rhonetal. Um das 13./14. Jahrhundert begannen einzelne Gruppen von Wallisern oder eben Walsern, das Rhonetal zu verlassen; sie zogen in alle Himmelsrichtungen, vor allem aber nach Osten: In unserer Region zeugen zum Beispiel die Walsersiedlungen am Vorderrhein und auf österreichischer Seite im grossen und kleinen Walsertal auch heute noch mit ihren Dialekten von dieser Völkerwanderung.

Erika Hössli, Splügen

Die Altstätter erinnern sich noch: «ünsch» für «uns» statt «üs». So redete Stadtpräsident Daniel Bühler. Auch er stammt aus der Vorderrheiner Walser-Region. Bei der Lesung von Erika Hössli hörte das Altstätter Publikum diese sprachliche Eigenart immer wieder. Erika Hössli las in einer recht urchigen Sprache mit zahlreichen eigentümlichen Wörtern, die hierzulande unbekannt sind, deren Sinn sich für die Zuhörer aber ab der Betonung und dem Sinnzusammenhang erschliessen liess. Erika Hössli ist eine feine Beobachterin und vermochte ihr Dorf, seine Bewohner und die herrliche Berglandschaft in einer differenzierten Sprache nachzumalen. Ebenso begeisternd waren ihre eindrücklichen Reiseberichte aus Jemen und Istanbul.

Eliane Fritz, Mittelberg (A)

Leichter verständlich, weil ihre Sprache näher bei der unsrigen ist, war Eliane Fritz. Und doch: das walserische «Ünsch» hörte man auch bei ihr. Sie las kürzere Texte. «Sachen, wie es mir geht mit den (Gofen) und dem Mannsbild. Das ist manchmal wild. Denn ich schreibe oft dann», bekannte die Autorin witzig. Die kurzen Texte, wie später auch ihre etwas längeren, zeugen von einer tiefen, vielleicht sogar philosophischen Verarbeitung des Erlebten. Es sind liebe- und humorvolle Betrachtungen über die alltäglichen Zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten. So zum Beispiel auch ihre gefühlvolle Mundart-Übersetzung des Poetry-Slam-Gedichts «One day, baby, we'll be old» der deutschen Schauspielerin und Slammerin Julia Engelmann.

Ueli Bietenhader und Jack Griss

In Altstätten bekannt sind die beiden Mundart-Autoren Ueli Bietenhader und Jack Griss. Ueli Bietenhader erzählte in gepflegter Altstätter Mundart Geschichten aus der Vergangenheit. Mit den Augen des damaligen kleinen Ueli in einer kinderreichen Familie schilderte er Erlebnisse aus den letzten Kriegsjahren und den Anfängen der Nachkriegszeit. Jack Griss las seinen autobiographischen Text «50 Jahre als Groschli in der Schweiz».

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