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Das Rhybähnli ist ein vom Verein Rhein-Schauen betriebstüchtig gehaltenes Stück Geschichte. Hier fuhr die Museumsbahn im Sommer 2018 die Teilnehmenden eines Infoanlasses zum Hochwasserschutzprojekt Rhesi auf die Rheinvorstreckung hinaus.
Das Rhybähnli ist ein vom Verein Rhein-Schauen betriebstüchtig gehaltenes Stück Geschichte. Hier fuhr die Museumsbahn im Sommer 2018 die Teilnehmenden eines Infoanlasses zum Hochwasserschutzprojekt Rhesi auf die Rheinvorstreckung hinaus. (Bild: Max Tinner)

Rhein-Schauen fürchtet um seine Zukunft

Max Tinner Kommentare

Der Verein, der das Rhybähnli betreibt, braucht Millionen Euro für die Trasseewiederherstellung nach Rhesi. Kurzfristig sind zudem nicht gerade günstig Auflagen zu erfüllen für die Erneuerung der Betriebsbewilligung. Absehbar ist auch: Ab etwa 2024 dürfte kein Rhybähnli mehr nach Widnau und Kriessern fahren.

An einer ausserordentlichen Generalversammlung letzten Samstag in Lustenau informierte der Vorstand des Vereins Rhein-Schauen seine Mitglieder über die Zukunft des Rhybähnli. Es geht um etliche Millionen Euro und letztlich um die Zukunft des Vereins selbst.

Hintergrund ist, dass für die nötige Sanierung des Aussendamms am Rhein das Bahngleis rückgebaut werden muss. Möchte der Verein nach Abschluss der Bauarbeiten den Fahrbetrieb mit der Museumsbahn wieder aufnehmen, muss erst das Bahntrassee wiederhergestellt werden. Wer dafür aufkommt, ist nach wie vor nicht geklärt.

Die Wiederherstellung der Teilstrecke vom Werkhofareal der österreichischen Rheinbauleitung in Lustenau auf dem rechtsseitigen Damm bis hinaus auf die Rheinvorstreckung in den Bodensee ist zwar im Hochwasserschutzprojekt Rhesi enthalten, wie Rhesi-Gesamtprojektleiter Markus Mähr an einem Informationsanlass für den Verein im August sagte. Die Kosten werden aber nur übernommen, wenn sie in den Staatsvertrag aufgenommen werden. Die Vertragsverhandlungen zwischen der Schweiz und Österreich haben vor kurzem begonnen.

«Eine Million ginge vielleicht, aber zehn …»

Wollen Bern oder Wien die Kosten nicht übernehmen, muss der Verein Rhein-Schauen das Geld selbst aufbringen. Rund 10 Millionen Euro, wie der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Hansjörg Lässig, der Versammlung am Samstag klarmachte. Der Bernecker glaubt nicht, dass dies zu bewerkstelligen wäre: «Eine Million bekäme man vielleicht zusammen, wären es zwei oder drei Millionen würde es schon deutlich schwieriger – aber zehn Millionen …»

Weitere Mittel wird der Verein ausserdem nach Fertigstellung des Hochwasserschutzprojekts benötigen für die Wiederherstellung der Teilstrecke vom Zollamt Mäder in den Steinbruch Kadelberg bei Koblach. Der Vorstand hat dem österreichischen Bundesdenkmalamt ein Beitragsgesuch eingereicht.

Mehrere Vereinsmitglieder forderten, dass sich der Vorstand bei den zuständigen Behörden fürs Rhybähnli stark macht. Und zwar, indem er persönlich in Wien vorstellig wird und dort dessen Bedeutung als technisches Kulturdenkmal hervorhebt: «Es kommt auf persönliche Kontakte an – Österreich funktioniert nun mal so», meinte Uwe Bergmeister, der 22 Jahre österreichischer Rheinbauleiter war. Er erklärte sich auch bereit, den Vorstand dabei zu unterstützen. 

Kein Rhybähnli mehr nach Widnau und Kriessern

Angesichts der Schwierigkeiten, nur schon die Wiederherstellung der genannten Teilstrecken zu finanzieren, verzichtet der Vorstand schweren Herzens auf die Strecke von Lustenau über die Wiesenrainbrücke nach Widnau und Kriessern. Dies, weil auf jener Strecke verschiedene teure Anpassungen am Trassee nötig würden wie lange Rampen und eventuell sogar Tunnels. Mit dem Bau der geplanten Brücke für Fussgänger und Velofahrer wird man diesen Streckenabschnitt voraussichtlich im Jahr 2024 aufgeben.

«Wir müssen all unsere Kraft in den Erhalt der Strecke von Lustenau zum See stecken», stellte Hansjörg Lässig klar. Davon hänge letztlich die Zukunft nicht nur des Rhybähnli, sondern auch des Museums Rhein-Schauen auf dem Werkhofareal in Lustenau ab. Das Museum schreibt jedes Jahr ein Defizit von durchschnittlich 66000 Euro. Nur dank den Rhybähnli-Fahrten (in denen der Museumseintritt jeweils inbegriffen ist) schreibt der Verein schwarze Zahlen. 

Betriebsbewilligung ausgesetzt

Der Verein Rhein-Schauen benötigt aber nicht nur mittelfristig Millionen Euro, sondern kurzfristig auch noch Geld in der Grössenordnung von einigen Hunderttausend Euro für Reparaturen und technische Nachrüstungen an Lokomotiven und Wagen sowie voraussichtlich auch für den Ersatz von einigen Hundert Metern Gleis. Die zuständige Behörde hat die Betriebsbewilligung des Vereins ausgesetzt, bis diese Investitionen gemacht sind. Deswegen hätten die Nikolausfahrten der nächsten Wochen abgesagt werden müssen, wäre dies nun nicht wegen des Lockdowns in Österreich ohnehin nötig geworden. 

Die Reserven des Vereins reichen lediglich für einen Teil der jetzt anstehenden Ausgaben. Dennoch ist Hansjörg Lässig zuversichtlich, dass der Verein die Auflagen der Behörden bis im Frühling wird erfüllen können und der Fahrbetrieb dann regulär zu Saisonbeginn wieder aufgenommen werden kann.

Der Verein braucht neue Vorstandsmitglieder

Auch personell steht der Verein vor einer Herausforderung. Mehrere Vorstandsmitglieder werden an der nächsten ordentlichen Generalversammlung zu ersetzen sein. Auch Hansjörg Lässig wird dann nach 27 Jahren im Vorstand zurücktreten.

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