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Reisen während Corona: Resortferien in Punta Cana

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#traveltuesday: Unser Redaktor Remo Zollinger hatte noch Ferientage übrig, die er vor Jahresende beziehen sollte. Und er wollte verreisen. So informierte er sich und sah: Einige Länder heissen Touristen auch ohne negativen PCR-Test willkommen. Etwa die Dominikanische Republik, wo er neun Tage verbrachte.

2020 ist besonders. Daher ist es höchst erfreulich, überhaupt reisen zu können, ohne unverantwortlich zu sein. Im Flieger herrscht eine Maskenpflicht, das Personal weist auf Luftfilter hin. Mein gebuchtes Resort in Punta Cana ist grosszügig, wer will, findet weite Wege an allen anderen vorbei. Die Dominikanische Republik hat tiefe, dreistellige Fallzahlen. Und ein Tapetenwechsel tut gut, vor allem mental. Besonders für Leute, die viel reisen.

Resortferien mache ich zum ersten Mal. Als ich mein Zimmer – Wohnung ist der bessere Begriff – betrete, wird klar: Es ist kein Vergleich zu den Hostels, in denen ich früher die Nächte durchvegetiert hatte. Am ersten Morgen bin ich schon früh hellwach, der westwärts angenehme Jetlag macht sich bemerkbar. Ich mach mich auf den Weg, das Resort zu erkunden. Ein Pool, zehn verschiedene Restaurants und viele bunte Vögel begegnen mir. In der stilvollen Bar bei der Rezeption finden sich erste Gäste ein, denen nach tropischen Drinks zumute ist.

Es ist jetzt nicht so, dass ich keine Piña Colada zum Frühstück vertragen würde, da ist neben einem kleinen Schluck Rum nur Ananasglacé drin. Aber ich bin gespannt darauf, was sich vor den Toren dieser immensen Hotelanlage verbirgt. Da liegt ein Dorf mit dem Namen Bávaro, das mit knallig bunt angemalten Häusern einen spannenden Eindruck erweckt. Doch der Blick des Sicherheitsbediensteten am Eingang des Resorts hätte mir eine Warnung sein sollen. Ich gehe keine 50 Meter, bis mich jemand anquatscht. Der Kerl scheint verwirrt, weshalb ich ihm keine Beachtung schenke. Selbst ich schmächtiges Bürschchen hätte den wohl noch in die Schranken weisen können. Schwieriger wird es, am Zigarrenladen vorbeizulaufen, ohne hineingezerrt zu werden. Es gelingt, ehe ein Typ auf einem Motorrad anhält und alles anbietet, um den Aufenthalt hier zu «verschönern». «Brauchst du Rum? Zigarren? Kokain? Frauen? Ich kann dir alles bieten, Bruder», versichert er und zeigt sein Gebiss mit Goldblättchen auf den Schneidezähnen. Noch ein Bruder, schon der vom Zigarrenladen wollte mit mir verwandt sein. Ich belasse es bei einem Kleineinkauf im Tankstellenladen, gehe zurück ins behütete Resort und weiss jetzt auch, warum es so behütet ist.

Im Resort gibt’s einen Tagesablauf. Zuerst treffen sich die Besucher im «Gaucho», das auch Frühstücksbuffet ist. Dann teilen sie sich in drei Gruppen auf: Eine verschiebt sich an den Pool oder ans Meer. Dann gibt’s die, die sich weiter voll dem gastronomischen Angebot widmet. Die dritte Gruppe macht eine «actividad»: Buggyfahren im Landesinneren, Besuch einer Zigarrenfabrik, Schwimmen mit Delfinen und so weiter. Ich finde das stümperhaft, ebenso, wie ich Resortferien immer stümperhaft gefunden habe. Warum soll ich 150 Dollar bezahlen, um einmal im gleichen Wasser zu schwimmen wie ein Delfin? Und: Ist ein Land kennenzulernen, indem man mit einem Quad durch die Landschaft düst und die halbe Landschaft so kaputtmacht?

Surfen am Playa Macao
Meine «actividad» ist anders. Keineswegs erhebe ich den Anspruch, mich durch das Surfen auf irgendeine Art von den Resort-Touristen abzuheben. Ebenso wenig wählte ich diese Betätigung, um mir ein sportliches Image zu verschaffen. Im engen Trikot sehe ich ein bisschen aus wie eine Presswurst. Oder wie vom Grossvater wenige Tage zuvor darauf hingewiesen, langsam «einen kleinen Ranzen» zu haben. Mich leitet die Neugier. Der gesprächige Paco holt mich in einem schmuddeligen Pick-Up ab, um in 20 Minuten an die Playa Macao zu fahren. Dort empfängt mich Elvin, der aussieht wie der Typ, der mir auf dem Töff «alles mögliche» angeboten hatte. Vielleicht tut er das in seiner Freizeit, geht mich nichts an. Er ist hier, um mir Surfen beizubringen. «Du wirst heute auf dem Brett stehen, das verspreche ich dir», sagt er, nachdem wir Aufwärmübungen gemacht und die Bewegung einstudiert haben. Trocken sieht das ebenso einfach aus wie bei Elvin, der es mir im Wasser zeigt. Dann bin ich dran. Wenig überraschend lande ich hochkant im Wasser, bevor ich mit den Füssen das Brett berührt habe. Die Welle hat mich weggespült, gnadenlos. Elvin sagt, die Bewegung sei nicht schlecht gewesen, um mir Mut zu machen. Beim dritten Versuch klappt es aber wirklich; es ist ein wunderbares Gefühl und Elvin jubelt. So geht’s die nächsten Tage weiter: Elvin nimmt mich mit aufs Meer, wir unterhalten uns, ich werde immer besser und scheitere wieder; er reklamiert, ich ärgere mich, er freut sich, ich freue mich.

Ich muss zugeben: Die Ferien sind verdammt gemütlich. Alles wird vorgekaut, es gibt keinerlei Probleme, es ist immer warm und schön und das Resort ist äusserst gepflegt. Jeder Wunsch wird von den Lippen abgelesen. Und dennoch ist es irgendwie auch ungemütlich. Nicht nur, weil die «Housekeeping»-Lady ohne zu fragen um Acht in der Tür steht, sondern auch, weil es eine Blase ist.

Ausflug nach Santo Domingo
Niemand darf nach einer solchen Reise sagen, er habe die Dominikanische Republik (Land austauschbar) besucht. Also: Ein bisschen mehr darf es doch sein. So gibt’s am letzten Tag einen Ausflug in die Hauptstadt. Santo Domingo ist die älteste Stadt der neuen Welt, der Weg dahin ist 210 Kilometer lang. Dank arrangiertem Transfer geht’s locker; die Strasse ist hervorragend, auch der Regen beunruhigt meinen privaten Fahrer nicht.

Der erste Halt heisst «Los tres Ojos», die drei Augen, ein Nationalpark mit herrlichen Höhlen mitten in Santo Domingo Este. Nun soll die Reise zur Seilbahn führen, die die Stadt und ihre Vorstädte verbindet – wir finden den Abfahrtsort nicht, durchqueren dafür aber die Elendsviertel Emilio II und Gualey, die Santo Domingo von einer anderen Seite zeigen. Dieser Dreieinhalb-Millionen-Moloch, in dem rund ein Drittel der Bevölkerung dieses Landes wohnt, hat verschiedene Gesichter. Ein anderes zeigt sich in der Zona Colonial, dem einzigen Ort, den Touristen besuchen. Hier reihen sich alte Gebäude aneinander, die brutalen Invasoren aus der Kolonialzeit gewidmet sind, etwa Hernán Cortés.

Nach einem vorzüglichen Mittagessen geht’s vorbei am Präsidentenpalast zum Stadion, dem Estádio Olímpico Félix Sánchez. Mit Maske dürfen Zuschauer sogar das Stadion betreten. Unter ihnen auch ich, Sportredaktor beim «Rheintaler». Der Eintritt beträgt weniger als zwei Franken und so darf man dem Vergleich zwischen den Delfines del Este und dem Cibao FC zuschauen.

Der Rest des Tages und somit auch der Reise ist rasch erzählt: Zurück nach Punta, noch eine Nacht, etwas Meer und ab an den Flughafen. Zehn Stunden später heisst es «Willkommen in Zürich». Und das dank des Resorts deutlich erholter als nach anderen Reisen, nach denen ich meistens eine Woche Ferien brauchen könnte.

Den vollständigen Bericht findest du hier.

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