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Traumhafte Eisgebilde konstruieren die Nebelgeister in eine eisige Nacht: Raureif an einer Wilden Möhre.
Traumhafte Eisgebilde konstruieren die Nebelgeister in eine eisige Nacht: Raureif an einer Wilden Möhre. (Bild: Bert Stankowski)

Raureif und Blumen

Bert Stankowski Kommentare

Das Phänomen Raureif ist eigentlich viel zu wenig bekannt. Jeder kennt es, jeder ist verzaubert von der Schönheit der Kristall­gebilde. Doch was ist die Erklärung dafür? Auf die kleins­-te Potenz hinuntergebrochen heisst es: Luftfeuchtigkeit (Nebel) und Luftbewegung, sprich Wind.

Raureif bildet sich während feuchten, nebligen Nächten mit nicht zu starkem, eisigem Wind. Er entsteht immer dann, wenn der Taupunkt unter dem Gefrierpunkt liegt. Der Wasserdampf aus der Luft setzt sich dadurch direkt in Form von Eiskristallen ab. Wasserdampf kondensiert in Bodennähe bei Abkühlung oft zu Tau. Ist es unter null Grad, wachsen stattdessen Kristalle – und der wunderschöne Raureif entsteht. Es bilden sich vor allem entgegen der Windrichtung Eiskristalle in Nadelform als sechsstrahlige Dendriten. Die Luftfeuchtigkeit muss dabei über 90 Prozent betragen und die Temperatur unter – 8 °C liegen.

Am schönsten ist Raureif an feinästigen Bäumen und Sträuchern und vor allem an filigranen, abgedorrten Blütenständen und Gräsern. Nicht umsonst antworte ich in Beratungsgesprächen auf die Frage: «Wie viel muss ich zurückschneiden?» immer wieder gerne: «So wenig wie möglich!»

Bleiben Pflanzenteile stehen, so können sich die Eiskristalle daran festsetzen und die Blumen «erblühen» ein weiteres Mal. Ich bin mir sicher, Sie stimmen mir zu, dass es etwas Wundervolleres als einen Raureifmorgen kaum gibt? Eine besondere Form des Raureifs sind Eisblumen an Fenstern.

Nur, die ganze Pracht ist leider allzuschnell vorbei. Sobald die Sonne aufgeht und ihre jetzt schon wieder wärmeren Strahlen aussendet, tauen die filigranen Gebilde und fliessen als Tautropfen zum Boden. Viele Raureif­tage sind es in der Regel nicht pro Winter. Geniessen wir unseren Garten darum – und es lohnt sich das nächste Jahr darauf zu achten das «etwas stehen bleibt»!

Zum Schluss noch eine Bauernregel: «Warmer Oktober bringt fürwahr, stets einen kalten Januar/Februar.»

Bert Stankowski

Weisslingen

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