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Der Balgacher Jungpolitiker Thomas Percy hatte die Möglichkeit, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, persönlich kennenzulernen.
Der Balgacher Jungpolitiker Thomas Percy hatte die Möglichkeit, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, persönlich kennenzulernen. (Susi Miara)

«Politik ist immer ein Kompromiss»

Susi Miara Kommentare

Im Rahmen des Europakonzils reisten Anfang Februar 35 Jugendliche aus der Bodensee-Region nach Strassburg. Auch der FDP-Jungpolitiker aus Balgach, Thomas Percy, beteiligte sich an dieser Studienreise.

Die 35 Jugendlichen aus der Vierländer-Region Bodensee überbrachten dem Präsidenten des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, dem Generalsekretär der Europaratsorganisation Kongress der Gemeinde und Regionen, Andreas Kiefer, und dem Europaabgeordneten Andreas Schwab Forderungen, die sie am Europakonzil Anfang November letzten Jahres erarbeitet haben. Die Themen der Forderungen waren Toleranz, Integration, Flüchtlingspolitik und Menschenrechte.

Wie haben Sie den Besuch in Strassburg erlebt?

Thomas Percy: Es war sehr spannend. Wir erhielten die Chance, mit Politikern zu diskutieren und gleichzeitig die erarbeiteten Forderungen zu übergeben.

Wie setzte sich die Gruppe der teilnehmenden Jugendlichen zusammen?

Percy: Aus Schweizern, Österreichern, Deutschen und Liechtensteinern. Die Gruppe kam am Europakonzil in Konstanz zusammen.

Wie kamen Sie dazu, an diesem Europakonzil teilzunehmen?

Percy: Durch Florian Schmid von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Ich kenne ihn von Facebook. Da ich politisch interessiert bin, fragte er mich, ob ich teilnehmen möchte.

Wie hat sich die Gruppe auf das Gespräch mit dem Präsidenten des Europaparlaments vorbereitet?

Percy: An zwei Workshops haben wir die Fragen und Forderungen gemeinsam erarbeitet.

Wie wurden Sie in Strassburg empfangen?

Percy: Martin Schulz hat uns sehr herzlich begrüsst. Er zeigte grosse Freude über unser Engagement. Denn in der EU machen sich inzwischen sehr viele für die Schliessung der Grenzen stark. Aus Sicherheitsgründen konnten ihn nur zehn Personen im Büro besuchen. Auch hatte er nur eine halbe Stunde Zeit für uns.

Was forderten Sie bezüglich Toleranz?

Percy: In der Flüchtlingspolitik herrschen viele Vorurteile und viel Unwissen. Es ist deshalb wichtig, dass Bevölkerung und Flüchtlinge interagieren und sich gegenseitig kennenlernen. Ich war bereits in drei Asylzentren. Das Problem ist, dass man nur als Gruppe Zutritt bekommt und nicht spontan eine Unterkunft besuchen kann.

Wie steht es mit der Integration?

Percy: Das grösste Problem ist, dass viel zu wenig in die Bildung der Flüchtlinge investiert wird. Hier geht grosses Potenzial verloren. Wichtig wäre auch, so schnell wie möglich mit dem Deutschunterricht zu beginnen. Da viele Flüchtlinge für immer hierbleiben werden, ist es sinnvoll, jetzt richtig zu investieren, um später hohe Sozialhilfekosten zu vermeiden.

Und die Menschenrechte?

Percy: Alle reden von der Obergrenze. Was macht man mit dem einen, der dann diese Grenze überschreitet? Schickt man diesen in das Krisengebiet zurück, wo er vielleicht getötet wird? Die Menschenrechte sollten für jeden Menschen gelten, das Recht auf Schutz, das Recht auf Nahrung und das Recht auf Bildung. Diese europäischen Werte sollen auch Asylsuchende betreffen.

Was sagen Sie zur aktuellen Flüchtlingspolitik?

Percy: Es braucht eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik, die endlich einen Verteilschlüssel einführt. So wie es jetzt ist, kann es nicht klappen.

Was wurde konkret gefordert?

Percy: Wir haben vier Forderungen überreicht. Das zentrale Anliegen war der Verteilschlüssel. Wichtig für uns sind auch legale, sichere Einreise-Routen. Die Flüchtlinge werden zu uns kommen, auch wenn wir Grenzzäune aufstellen. Somit wäre es sinnvoller, wenn Europa einen Korridor schaffen würde, wo die Flüchtlinge sicher einreisen könnten. Weitere Forderungen waren mehr Interaktion, Bildung und schliesslich die Bekämpfung der Ursachen des Krieges. Die EU soll sich dafür einsetzen, dass in Syrien eine langfristige Lösung gefunden wird. Solange dort Krieg herrscht, werden immer mehr Flüchtlinge zu uns kommen.

Wurden Ihre Anliegen ernst

genommen?

Percy: Besonders Martin Schulz tat dies. Trotzdem machte er uns darauf aufmerksam, dass Politik nicht das Spiel einer Person ist. Er selbst würde alle unsere Ideen umsetzen. Er ist jedoch nicht der einzige Politiker. Es gibt viele Kräfte, die dagegen ziehen. Deshalb erwarten wir auch nicht, dass unsere Forderungen schnell umgesetzt werden. Es wird schwierig.

Was hat Sie in Strassburg am meisten beeindruckt?

Percy: Sicher das riesige Gebäude und das Parlament, wo Politiker aus verschiedenen Ländern und aus verschiedensten politischen Richtungen zusammenkommen, diskutieren und Lösungen suchen.

Auch Sie möchten gerne in die Politik und kandidieren für den Kantonsrat. Wie Martin Schulz sagt, habe ein einzelner Politiker wenig Chancen, etwas zu erreichen. Verunsichert Sie das?

Percy: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ich weiss, dass Politik ein Zusammenspiel von vielen ist. Als junger Mensch ist man aber noch Idealist mit vielen Ideen. Ich denke, ich werde noch früh genug auf dem Boden der Realität ankommen. Politik ist eben immer ein Kompromiss.

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