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Walzenhausen

Der Sessellift hätte die Gäste von der Bahnstation in das Restaurant Rosenberg befördern sollen.
Der Sessellift hätte die Gäste von der Bahnstation in das Restaurant Rosenberg befördern sollen. (Bildrepro: Peter Eggenberger)

Per Sessellift ins Gasthaus

Peter Eggenberger Kommentare

In den 1960er-Jahren wollte ein Wirt in Walzenhausen eine Luftseilbahn für seine Gäste installieren.

Kürzlich wurde über das Ergebnis der Abklärungen betreffend der Zukunft der vom Kanton St. Gallen ins Appenzellerland führenden Zahnradbahnen informiert. Gemäss dem St. Galler Regierungsrat Bruno Damann wäre statt dem «Walzehuuser Bähnli» durchaus auch eine Luftseilbahn denkbar. Diese Idee erinnert an die seinerzeitigen Pläne einer Sesselbahn als Fortsetzung der bestehenden Bergbahn.

In den 1950er- und 60er- Jahren brachten die Bodenseeschiffe scharenweise deutsche Tagesausflügler nach Rheineck. Ihre Reise setzten sie mit der Walzenhauser Bahn fort. Beim Bahnhof holte der Wirt des «Rosenberg», A. Kaiser, die Ausflügler ab und begleitete sie auf dem Fussmarsch hinauf 

zu seinem aussichtsreich über dem Dorf gelegenen Restaurant. Als Attraktion hatte der umtriebige Wirt sogar einen Bärengraben eingerichtet. Bärengraben? Es war nichts weiter als ein enges Erdloch, in dem ein Braunbär traurig vor sich hin vegetierte. Heute undenkbar, damals aber toleriert.

Ein Sessellift sollte die Lösung bringen

Unter den deutschen Kaffee- und Kuchengästen machte sich immer wieder Unmut breit, wurde doch der Aufstieg übers steile Friedhofsträsschen als Zumutung empfunden. Anfang der 1960er-Jahre forderte Wirt Kaiser deshalb im Rahmen einer Versammlung der Handwerker und Gewerbler den Bau eines Sessellifts ab der Bahnstation Walzenhausen hinauf zu seinem Hotel-Restaurant. Als dann in der Diskussion Beni Hagen, Spassvogel und Wirt vom 

«Hirschen» im Güetli, eine Trambahn vom Dorf bis Platz mit Haltestelle beim «Hirschen» forderte, wurde das Thema Sessellift unter grossem Gelächter und faulen Sprüchen beerdigt. Wenig später kehrte im «Rosenberg» Stille ein. Bär und Wirt waren praktisch bei Nacht und Nebel verschwunden. Später führte Hanspeter Jüstrich den «Rosenberg» als Pächter. 1971 entschied er sich dann aber zum Kauf des noch heute bestehenden Restaurants Wilder Mann in Walzenhausen. 

Als letzte erfolgreiche «Rosenberg»-Wirtin ging Romy Elsässer in die regionale Gastrogeschichte ein, ehe das verwinkelte Gebäude 1998 verkauft, abgebrochen und durch ein privates Wohnhaus ersetzt wurde.

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