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Ohne Kompromiss kein Rhesi

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Ein ausreichender Hochwasserschutz ist sowohl für das St. Galler als auch für das Vorarlberger Rheintal von grösster Bedeutung. Das heisst aber nicht, dass das Projekt Rhesi nur den Bedürfnissen des Hochwasserschutzes und der Ökologie zu genügen hat, wie verschiedene Umweltorganisationen in den letzten Wochen und Monaten forderten, sondern es ist ein ausgewogenes Projekt vorzulegen, welches auf die Bedürfnisse aller Betroffenen angemessen Rücksicht nimmt.

Sehr wichtig sind die Auswirkungen von Rhesi auf das Grundwasser, sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch für die Landwirtschaft und die Gebäude, welche auf einem Pfahlfundament stehen. Nicht in Frage kommen alle Lösungen, bei denen die Trinkwasserbrunnen im Rheintal stillgelegt werden müssen und stattdessen für die Wasserversorgung ein Seewasserwerk nötig ist. Es wäre sehr unsinnig, wenn das Wasser zuerst in den Bodensee fliesst und dort aufbereitet und wieder ins Rheintal hochgepumpt werden müsste. In Frage kommen deshalb nur Lösungen ohne solche Schildbürgereien.

Zu klären ist auch, wie die grossen Geschiebemengen, welche vom Rhein nach der Realisierung von Rhesi nicht mehr an seiner Mündung in den Bodensee abgelagert werden, ohne zusätzliche Verkehrsbelastung der Rheintaler Bevölkerung abtransportiert werden können und was mit dem Geschiebe letztlich geschieht.

Schliesslich ist auch den Interessen der Landwirtschaft Rechnung zu tragen, kann und darf es doch nicht sein, dass die Rheintaler Bauernfamilien die Last der Ökologisierung des Rheins zu tragen haben, ohne dass ihnen eine Alternative für den Pachtlandverlust geboten wird.

Das Rheintal ist eine Kulturlandschaft. Ein wichtiger Teil dieser Kulturlandschaft ist der Rhein. Er ist so auszugestalten, dass die Rheintaler Kulturlandschaft weiter aufgewertet wird, was nicht ohne Kompromisse möglich ist. Sonst besteht die Gefahr, dass Rhesi, welches eine Vielzahl von Bewilligungen voraussetzt, in einer Rechtsmittelflut erstickt wird, haben doch alle Betroffenen die Möglichkeit, sich zu wehren, wenn sie nicht ernst genommen werden. Dessen müssen sich die Verantwortlichen stets bewusst sein, denn nur wenn der Kommunikation – so professionell sie auch sein mag – entsprechende Taten folgen, hat sie die beabsichtigte Wirkung.

Werner Ritter-Sonderegger Kantonsrat CVP, Hinterforst