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Der Chor über dem Bodensee und das Streichensemble Geschwister Küng begeisterten das Publikum.
Der Chor über dem Bodensee und das Streichensemble Geschwister Küng begeisterten das Publikum. (Bild: Ulrike Huber )

Mit grossem Klang ins Jubeljahr gestartet

Gerhard Huber Kommentare

Der Chor über dem Bodensee feiert dieses Jahr sein zwanzigjähriges Bestehen. Als erstes der geplanten Konzerte wurde gemeinsam mit den Geschwistern Küng die «Toggenburger Messe» von Peter Roth aufgeführt.

Es ist immer wieder erstaunlich, zu welch grossartigen und reifen Leistungen die aus Amateuren bestehenden Chöre des Rheintals und des Appenzeller Vorderlandes fähig sind. In welcher Perfektion und Klangtiefe auch schwierigste Musikstücke vorgetragen werden. Wie am Sonntag in der beinahe bis auf den letz­- ten Platz besetzten katholischen Kirche in Au, wo der Chor über dem Bodensee unter der musikalischen Leitung von Judit Marti gemeinsam mit den Geschwistern Küng die «Toggenburger Messe» des zeitgenössischen Schweizer Komponisten Peter Roth zur Aufführung brachte.

Mit der «Toggenburger Messe» lange verbunden

Für den Chor über dem Bodensee war es der Start ins Jubiläumsjahr. Schon zwanzig Jahre ist es her, dass sich Sängerinnen und Sänger aus allen an den Bodensee anrainenden Schweizer Regionen in Walzenhausen gefunden haben, um gemeinsam zu musizieren. In dieser Zeit hat sich dieser Chor unwahrscheinlich entwickelt und ist unter der professionellen Führung von Dirigentin Judit Marti zu einem Klangkörper mit annähernd sechzig Sängerinnen und Sängern geworden, der auch das mächtige Kirchenschiff in Au mit Leichtigkeit beherrschte.

Mit der «Toggenburger Messe» wurde der Chor über dem Bodensee bereits 2004 bekannt. Damals wurde dieses Kirchenmusikstück aufgrund einer Inspiration von Judit Marti erstmals mit Streichinstrumenten anstatt der vom Komponisten Peter Roth vorgesehenen Blasinstrumente aufgeführt. Auch Roth zeigte sich davon derart angetan, dass er nur wenige Jahre später gemeinsam mit dem Walzenhauser Chor diese Messe im Rahmen einer vom Schweizer, österreichischen und deutschen Fernsehen ausgestrahlten Übertragung zur Aufführung brachte.

Ein grossartiges Werk. Musik, die den Zuhörer an Herz und Seele zu ergreifen vermag. Ländlich-alpine Volksmusikklänge, die sich mit Althergebrachtem und modernen Kompositionsstrukturen zu einem stimmigen Ganzen vermischen.

Zwischen Walzertakt, Polkatönen, Viervierteltakt und Anklängen russischer Volksmusik hin und her changierend. Kirchenmusik mit einem wunderbaren, oft im Schweizerdeutschen Dialekt gehaltenen Text, poetisch, klar und volksnah: «... und gäng i au of en andere Stärn, au dann wärsch du scho vorher döt.»

Vom Chor über dem Bodensee wurde diese Messe virtuos und einfühlsam in Szene gesetzt, kongenial begleitet von den Geschwistern Küng aus Appenzell. Diese in der Besetzung einer Appenzeller Original-Streichmusik mit Violinen, Cello, Kontrabass und Hackbrett auftretende Formation bereicherte das Programm mit instrumentalen Intermezzi. Mit innovativer Streichmusik. Mit alten Appenzeller Volksweisen, neu arrangiert, modernisiert und bearbeitet. Eigentümlich vertraute und doch ganz fremde Musik. New Classic rustikal sozusagen.

Das Publikum dankte die herausragenden Leistungen von Chor und Streichmusik mit lang anhaltenden stehenden Ovationen. Ein würdiger Start ins Jubiläumsjahr des Chors über dem Bodensee.

Gerhard Huber