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Meerkohl bietet viel mehr als nur ein paar Blätter.
Meerkohl bietet viel mehr als nur ein paar Blätter. (Bild: Eveline Dudda)

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Eveline Dudda Kommentare

Einmal pflanzen, ewig ernten. So stellt man sich als Gärtnerin das Paradies vor. Und das gibt es tatsächlich. Mehrjähriges Gemüse wie Meerkohl (Crambe maritima) lässt sich sogar noch mehrfach nutzen: Ganz früh im Jahr erntet man die gebleichten Triebe, später die Blütenknospen und wenn man ihn blühen lässt, hat man auch noch etwas für die Vase. Von daher ist es eigentlich erstaunlich, dass dieses Gemüse hierzulande so wenig bekannt ist. Zumal der Anbau wirklich einfach ist, ausser genug Platz (ungefähr einen Quadratmeter) braucht er nämlich nicht viel. Im ersten Jahr muss man dem Gesellen noch das Unkraut vom Hals halten, später ist unter den grossen, welligen Blättern für das Unkraut kein Durchkommen mehr.

Meerkohl ist ein Kaltkeimer. Wer sich an die Aussaat wagen will, sollte jetzt zum Saatgutpäckli greifen. Bei Wintersaaten draussen in Töpfen sind die Chancen, eigene Pflänzli aufziehen zu können, am grössten. Der Samen keimt allerdings widerwillig, oft sogar gar nicht – oder er lässt sich eine gefühlte Ewigkeit Zeit. Mit dem Setzen von Jungpflanzen könnte man dieses Problem umgehen – nur sind diese selten erhältlich. Saatgut findet man via Internet dagegen bald einmal.

Im frühen Frühjahr, sobald die ersten Krokusse blühen, fängt man mit dem Bleichen an. Dazu stülpt man einen grossen Topf, einen dunklen Kessel oder eine schwarze Mulchfolie über den Wurzelansatz des Meerkohls. Zwei bis vier Wochen später kann man die zarten, gebleichten Triebe ernten. Der Geschmack ist schwer zu be-schreiben – er erinnert nur entfernt an Kohl. Im ersten Jahr sollte man die Pflanze noch schonen, in den Folgejahren sind bis zu drei Erntedurchgänge möglich. Nach der Triebernte lässt man die Pflanze am Licht weiterwachsen. Wenige Wochen später können die Blütenknospen geerntet werden. Sie haben die Grösse von kleinen Broccoli und können genau wie sie zubereitet werden.

Aber lassen Sie bitte noch ein paar Blütenstände übrig und in Blüte gehen! Die sind nämlich nicht nur schön und bei Bienen beliebt, sondern duften auch noch unglaublich süss nach Honig. In der Vase halten sie ein paar Tage. Wenn sie verblüht sind, schneidet man die Blütenstängel ab und lässt den Meerkohl endlich in Ruhe vor sich hin wachsen. Bis zum nächsten Jahr.

Eveline Dudda

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