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Berneck

Für ihren Froneinsatz bei der Uferreinigung wurden Thomas Lüchinger, Stefan Schmelzer und Atanas Golubov (von rechts) geehrt.
Für ihren Froneinsatz bei der Uferreinigung wurden Thomas Lüchinger, Stefan Schmelzer und Atanas Golubov (von rechts) geehrt. (Bild: Maya Seiler)

Mehr Patente, weniger Fische

Maya Seiler Kommentare

Mit grossem Interesse folgten die Mitglieder des Fischereivereins Mittelrheintal den Verhandlungen. Schnell wurde klar, dass es hier ebenso um Tier- und Naturschutz geht wie ums Fischefangen.

Wenn auf eine Hauptversammlung ein Nachtessen folgt, ist das Interesse an den statutarischen Geschäften oft klein; man möchte möglichst bald zum gemütlichen Teil übergehen. Nicht so am vergangenen Samstag im «Ochsen», wo 75 Fischer und einige Fischerinnen sowie Gäste aus benachbarten Vereinen sich zur 72. Hauptversammlung trafen. In seiner Begrüssung gab sich Präsident Thomas Dietrich kämpferisch: «Wir als Fischer müssen der Öffentlichkeit klarmachen, was wir alles zu Gunsten der Natur leisten.» Sorgen machen die Verschmutzung der Gewässer durch Pestizide oder die Zunahme von Fischräubern wie dem Graureiher oder der Fischotter. Auch der Biber – ein Vegetarier – schadet den Fischen, wenn er, wie im Sickerli Widnau, durch Dammbau den Aufstieg der Seeforellen zu ihren Laichgewässern verhindert.

Erfreuliche Finanzen, sinkende Fangzahlen

Dietrich blickte auf ein erfolgreiches Jahr zurück, ist doch die Mitgliederzahl mit 224 Aktiven und 44 Jungfischern erfreulich. Wie Kassier Ralf Bont berichtete, schlug sich die stark gestiegene Zahl verkaufter Patente – darunter sehr viele Tageskarten –auch positiv in der Kasse nieder. Bei einem Aufwand von knapp 80000 Franken, davon 30000 zum Einsetzen von Jungfischen, betrug der Ertrag gut 94000 Franken. Unter diesen günstigen Voraussetzungen stimmten die Mitglieder einer Senkung der Patentpreise um 30 Franken für 2019 gerne zu.

Gewässerwart Fridolin Scherrer wartete mit interessanten Daten auf: Im Fischerjahr 2017 wurden im Alten Rhein 735 Fische gefangen, was ein Gewicht von gut 680 Kilo ergibt. Den grössten Anteil hatten die ins­gesamt 95 Hechte mit einem Durchschnittsgewicht von fast viereinhalb Kilo. Die Fangzahlen waren durchwegs rückläufig, wobei der Gewässerwart unterstrich, dass auch weniger Stunden gefischt worden war.

Besorgt um saubere Ufer und Unterstände für Brütlinge

Er kam auf das Problem der Abfälle am Alten Rhein zu sprechen; das neue Konzept ohne Abfallkübel habe sich nicht bewährt. Auch hier bemühten sich die Mitglieder des Fischereivereins um Abhilfe, indem sie bei der Uferreinigung im vergangenen Jahr insgesamt 310 Stunden Fronarbeit leisteten. Drei Fischer wurden für ihren Einsatz von 20 und mehr Stunden ausgezeichnet. Geehrt wurden auch Christ Federer für 50 Jahre Mitgliedschaft; Platz eins im Fotowettbewerb errang Harry Dornig.

Engagierte Voten gab es zu den Hochwasserschutzmassnahmen. Lettenabtrag im Binnenkanal und Bachsohlenreinigung in verschiedenen Nebengewässern haben natürlich gewachsene Fischunterstände zerstört. Trotz klarer Vorschriften und verschiedenen Einsprachen durch Fischerei-Aufseher Marcel Zottele versäumten es die Verantwortlichen bis jetzt, Ersatz zu schaffen. Ohne geeignete Unterstände werden Brütlinge beim geringsten Hochwasser weggeschwemmt.

Dass den Fischern der Nachwuchs nicht ausgeht, belegte der Bericht von Jugendwart Christian Schmid: Viele Aktivitäten mit Jugendfischern wie ein Nacht­fischen oder ein Alet-Fischen in der Rietaach, immer unter Anleitung von erfahrenen Spezialisten, zeigten die intensiven Bemühungen um die junge Generation.

Maya Seiler