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Koni Holderegger auf Besuch im Rhein-Valley Hospital: Der Rebsteiner hat während seines einmonatigen Aufenthalts vieles erfahren.

    Koni Holderegger auf Besuch im Rhein-Valley Hospital: Der Rebsteiner hat während seines einmonatigen Aufenthalts vieles erfahren. (Stephan Holderegger)
  • Das Rhein-Valley Hospital steht in Kasambara-Gilgil, rund 150 Kilometer nördlich von Kenias Hauptstadt Nairobi.
    Das Rhein-Valley Hospital steht in Kasambara-Gilgil, rund 150 Kilometer nördlich von Kenias Hauptstadt Nairobi. (Stephan Holderegger)
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Koni Holderegger auf Besuch im Rhein-Valley Hospital: Der Rebsteiner hat während seines einmonatigen Aufenthalts vieles erfahren.
  • Das Rhein-Valley Hospital steht in Kasambara-Gilgil, rund 150 Kilometer nördlich von Kenias Hauptstadt Nairobi.

«Matata» hat immer ein offenes Ohr

Koni Holderegger, Notiert Von Beni Bruggmann Kommentare

Koni Holderegger berichtet von seinem Besuch im Rhein-Valley Hospital in Kenia, jenem Spital, das sein Bruder Stephan zusammen mit Ruth Schäfer vor zwölf Jahren gebaut hat. Der Rebsteiner hat einen ganzen Monat in Kenia verbracht.

«Ich bin am 3. September nach Nairobi geflogen. Ein Taxi brachte mich vom Kenyatta-Flughafen nach Nakuru. Nach drei Stunden Fahrt kam ich bei Ruth Schäfer an. Sie ist die Leiterin des Rhein-Valley Hospitals in Kasambara-Gilgil, wohnt aber nicht dort, sondern in der 35 km entfernten Stadt Nakuru.
Das Leben in Kenia ist für Weisse gefährlich. Ruth Schäfer ist in einem goldenen Käfig daheim. Sechs Villen sind zu einem kleinen Quartier zusammengefasst, das eine hohe Mauer umgibt, auf der sich oben noch ein Stacheldrahtzaun befindet. Das Eingangstor ist durch Security-Männer gesichert. Um ihr Haus ist eine zweite Mauer gebaut. Auf ihr Grundstück gelangt man durch ein eisernes Tor.
Im Garten hält Ruth Schäfer weitere <Wächter>: Es sind zwei Gänse, die bekanntlich ausgesprochen aufmerksam sind und sofort mit ihrem Geschnatter Alarm schlagen, wenn eine fremde Person auftaucht.
19 Angestellte arbeiten im Rhein-Valley Hospital
Am nächsten Tag fahre ich mit Ruth ins Rhein-Valley Hospital nach Kasambara-Gilgil. Im ersten Haus ist die Bettenstation untergebracht, mit elektrisch verstellbaren Betten, so wie wir sie bei uns kennen. Dazu kommt noch eine Geburtsabteilung.
Im zweiten Haus habe ich Labor, Apotheke, Sprech- und Behandlungszimmer sowie den grossen Warteraum und das Sekretariat gesehen. Für die Angestellten steht ein Personalhaus zur Verfügung.
Im Moment sind 19 Personen beschäftigt. Drei Ärzte, ein Krankenpfleger, ein Laborant, ein Medical-Store-Keeper (er verwaltet die Medikamente) und ein Sekretär arbeiten im medizinischen Bereich. Für das leibliche Wohl gibt es eine Köchin, mehrere Putzfrauen und Gärtner sowie zwei Sicherheitsangestellte. Sie alle halten den Betrieb im Spital aufrecht. Krankenschwestern gibt es keine mehr, weil sie früher oft belästigt oder sogar vergewaltigt wurden. Beim Besuch in den Häusern ist mir aufgefallen: Alles ist blitzsauber.
Ich habe während meines Aufenthaltes vor allem im grossen Garten geholfen, habe Steine zusammen gelesen oder Bäume geschnitten. Ich habe bemerkt, dass die Einheimischen Anweisungen rasch wieder vergessen und nicht mehr weiter wissen. Deshalb haben wir über die Arbeit des Baumschneidens ein Video gedreht und dieses den Gärtnern auf das Handy geladen. So konnten sie stets nachschauen und den nächsten Schritt erfahren. Ein Handy hat dort jeder.
Ruth Schäfer muss immer wieder improvisieren
Ein Rundgang durchs Spital mit Ruth Schäfer ist spannend. Sie spricht Englisch oder Suaheli, die am weitesten verbreitete Sprache in Ostafrika. Wenn es nötig ist, legt sie sofort Hand an. Sie schraubt den Wasserbehälter über dem WC fest. Mit den einen Patienten muss sie unnachgiebig sein, mit den andern lacht sie. Für Sorgen hat Mamma Matata, wie sie Ruth Schäfer dort nennen, immer ein offenes Ohr.
Dann kommen ihre Stärken ins Spiel: Sie kann improvisieren, und sie hat Nerven aus Stahl. Sie arbeitet ehrenamtlich, für Kost, Logis und Auto.
Auf dem Areal des Spitals gibt es einen Brunnen. Fast 200 Meter tief wurde gebohrt, um zum Wasser zu gelangen. Da darf jeder täglich 40 Liter Wasser holen, gratis. Die Person, die das Wasser holt, wird jeweils registriert. Die Menschen kommen von weit her. Sie tragen die Kanister sicher auf dem Kopf und gehen den weiten Weg zu Fuss zurück.
Am 4. Oktober bin ich heimgekehrt. Auf dem Flug habe ich mir meine Gedanken gemacht: Mein Bruder Stephan ist siebzig, Mamma Matata bald sechzig. Seit 17 Jahren gibt es dieses Spital.
Wer wird einmal Nachfolgerin oder Nachfolger? Wer kann eine solche Aufgabe überhaupt übernehmen, die so viel Herzblut und Leidenschaft erfordert?»