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Oberriet

Mann aus der Nähe beeinflusste die Geschichte

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Morgen Freitag, 8. Dezember, um 19 Uhr findet im Kirchgemeindehaus ein Bildervortrag von Dr. Philipp Schöbi zum Thema «Rheticus – Revolutionär in reformatorischen Zeiten» statt.

Im Anschluss an den Vortrag, dessen musikalische Gestaltung Franz Pfab und Urs Stieger mit Musik aus dem 16. Jahrhundert übernehmen, sind alle zum Apéro im Foyer des Kirchgemeindehauses eingeladen. Im 16. Jahrhundert fanden drei grosse Umbrüche statt: In der Religion (Luther), in den exakten Wissenschaften (Kopernikus) und in der Medizin (Paracelsus). An allen drei Umbrüchen war ein Mann aus Feldkirch beteiligt: Georg Joachim Rheticus (1514 – 1574). Er lehrte an der Seite von Martin Luther (1483 – 1546) in Wittenberg, war der einzige Schüler des Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473 – 1543), und setzte sich mit Feuereifer ein für die bei den angestammten Medizinern verpönten neuartigen Lehren des Arztes Paracelsus (1493 – 1541) aus Einsiedeln, den er in jungen Jahren persönlich kennengelernt hatte.

Ohne Rheticus kein Wissen über Kopernikus

Ohne Rheticus wüssten wir heute wohl nichts über Kopernikus. Denn ohne den Besuch des damals 25-jährigen Feldkircher Gelehrten beim schon fast 70-jäh­rigen Frauenburger Domherrn hätte dieser sein revolutionäres Werk über den Gang der Gestirne überhaupt nicht mehr zur Druckreife gebracht und veröffentlicht. Zur kopernikanischen Wende, wie wir sie kennen, wäre es ohne Rheticus gar nicht gekommen. Er setzte aber auch eigene Meilensteine in den Wissenschaften, die bis in unsere Zeit nachwirken.

In der Zeit der Reformation spielte die Stadt Feldkirch eine bedeutende Rolle. Denn nebst Rheticus haben andere Humanisten der Montfortstadt zur mehrfachen Zeitenwende jener Epoche beigetragen. Beispielsweise stammte der erste offiziell verheiratete Priester aus Feldkirch. Und bereits im 1559 erstmals erschienenen «Index librorum prohibitorum», dem Verzeichnis verbotener Bücher der Katholischen Kirche, waren die Werke von nicht weniger als acht Feldkircher Gelehrten verzeichnet.

Umwälzungen, welche die Welt für immer veränderten

Philipp Schöbi beleuchtet in seinem reich bebilderten Vortrag das wechselvolle Leben des ­Rheticus und einiger seiner Weggefährten. Für einmal soll die umbruchreiche Zeit der Reformation nicht über religionsspezifische Fragen erschlossen werden, sondern über andere Umwälzungen, welche die Welt für immer veränderten. Der Vortragende stammt aus Altstätten, ist promovierter Mathematiker und lebt heute mit seiner Familie in Feldkirch. Nebst der Literatur interessiert ihn besonders auch die Wissenschaftsgeschichte. Er ist Herausgeber und Mitverfasser der 2014 erschienenen Biografie «Rheticus – Wegbereiter der Neuzeit». (pd)