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Hinterforst

Süsskartoffeln muss man beim Klettern nachhelfen.
Süsskartoffeln muss man beim Klettern nachhelfen. (Bild: Eveline Dudda)

Liebe geht durch den Magen

Eveline Dudda Kommentare

Zum Gärtnern kam ich in der Not. Mit 18 Jahren hatte ich ein Kind, keinen Mann, kein Geld, aber einen Garten. Also übte ich mich in der Selbstversorgung. Das Anfängerglück war mir hold, das Gemüse wuchs üppig, obwohl (oder weil?) der Garten direkt hinter der Kirche und damit den halben Tag im Schatten lag. Zum guten Wachstum beigetragen hatte der mannshohe Kompost, den mir meine Vorgänger hinterlassen hatten. Der Kompost versorgte die Beete mit reichlich Nährstoffen und meine Vorgänger meinen Haushalt mit Silberbesteck, Rüstmessern, Kartoffelschälern, Unmengen Alufolie und was sonst noch so hervorkam.

Kompost und Pflanzenbau prägten auch meinen Beruf. Ich studierte Landwirtschaft und bekam während der nationalen Abfallkampagne vom Bund den Auftrag, die dezentrale Kompostierung in der Schweiz zu fördern. Später wechselte ich in den Agrarjournalismus. Dem Gemüsegärtnern bin ich seit 40 Jahren treu. Das schönste Gemüse hatte ich auf 1500 Metern über Meer, dort vergass ich, dass es Schädlinge gibt. Der Lauchmotte bin ich erst wieder in Hinterforst begegnet, auf 480 m ü. M.. Weisse Fliegen hatte ich während meiner Zeit in dem Bündner Bergdorf keine, auch Kartoffelkäfer begegneten mir dort nie. Dafür war der Sommer kürzer als im Rheintal.

Das Schöne am Gärtnern ist, dass man nie auslernt. Falls man das Gefühl hat, alles im Griff zu haben, kann man sich wieder neuen Aufgaben stellen. Bei mir ist das derzeit die Frage, wie man Süsskartoffeln anbaut, ohne dass sie gefühlte zehn Quadratmeter Platz beanspruchen. Oder wann man Cima di Rapa säen soll, ohne dass er gleich in Blüte gehen muss. Zugegeben, das sind keine Fragen, die die Welt bewegen – doch wenn ich die Antwort da­rauf gefunden habe, macht mich das glücklich. Das bin ich üb­rigens auch, wenn etwas gut wächst, ohne dass ich weiss wa­rum. Und wenn es mal nicht gut wächst, freu ich mich halt auf das nächste Jahr. Im Gegensatz zum Stauden- oder Obstgarten, gilt beim Gemüse ja das Motto «Neues Jahr, neue Chance»!

Eveline Dudda

Hinterforst

Seit Mitte September schreiben zwei neue Autoren die samstägliche Gartenkolumne. Bert Stankowski aus Weisslingen hat bereits mehrfach seine Gedanken über die Gärtnerei an dieser Stelle informativ und unterhaltsam aufbereitet. Heute stellt sich Eveline Dudda aus Hinterforst vor. (red)