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Let’s talk about Verhütungsmittel: «Ohne Hormone fühlte ich mich wie ein anderer Mensch»

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Verhütung ist wichtig – das wird schon in der Schule klar oder beim cringen Aufklärungsgespräch mit den Eltern. Trotzdem reden wir im Alltag nur selten darüber. Deshalb gibt es heute Fakten und eure Erfahrungsberichte zum Thema Verhütungsmittel.

Zuerst ein paar Fakten:
Das beliebteste Verhütungsmittel in der Schweiz ist mit 42 Prozent das Kondom, das zeigt eine Befragung des Bundesamtes für Statistik. Gefolgt von der Antibabypille mit 31 Prozent, wobei die Benutzung dieses Verhütungsmittels rückläufig ist. Vor 25 Jahren verhüteten 52 Prozent der Frauen mit der Pille, jetzt sind es nur noch 33 Prozent. Grund dafür sind das alternative Angebot und die Meldungen über ein erhöhtes Embolie-Risiko bei der Einnahme der Östrogen-Gestagen-Pillen. Auf dem dritten Platz befindet sich die Hormonspirale mit 12 Prozent.

Verhütung ist grösstenteils Frauensache
Während Frauen eine grosse Auswahl an Verhütungsmitteln zur Verfügung steht, sieht es für Männer mager aus. Sie haben die Wahl zwischen Kondom oder der Vasektomie, der Sterilisation. Es wurde bereits an weiteren Verhütungsmethoden für den Mann geforscht, dennoch hat sich bisher kein weiteres Produkt auf dem Markt durchgesetzt. Die Forschung an Verhütungsmitteln ist sehr teuer und das Interesse der Pharmaindustrie gering.

Auf Instagram haben wir gefragt, ob ihr zufrieden mit der Auswahl an Verhütungsmittel seid. 64 Prozent stimmten ja, 36 Prozent Nein. Auf die Frage, was sich ändern sollte, lautete die meistgenannte Antwort:  «Mehr Verhütung für Männer». Verhütung soll nicht mehr nur Frauensache sein. Ausserdem sollte es mehr hormonfreie Verhütungsmittel geben und vermehrt auf die Nebenwirkungen von hormoneller Verhütung aufmerksam gemacht werden.

Für viele Frauen funktioniert hormonelle Verhütung gut, andere haben mit starken Nebenwirkungen zu kämpfen wie Kopfschmerzen, Libidoverlust, Stimmungsschwankungen oder Depressionen. Deshalb greifen immer mehr Frauen zu hormonfreien Verhütungsmitteln wie der Kupferspirale oder einem Zyklustracker.

Erfahrungsberichte der Life-Community:
Weiblich, 25

«Ich habe sieben Jahre lang hormonell verhütet. Zuerst mit der Pille, danach mit dem Vaginalring. Am Anfang hat mein Körper die Hormone gut aufgenommen. Später, mit zwanzig Jahren, hatte ich mit depressiven Verstimmungen, Libidoverlust und ständigen Infektionen zu kämpfen. Nach langer Recherche kam ich darauf, dass die hormonelle Verhütung damit zu tun haben könnte und ich entschied mich dazu, sie abzusetzen. Ein halbes Jahr später waren alle Symptome weg und ich fühlte mich wie ein anderer Mensch. Danach stieg ich auf die Kupferspirale um und bin bis heute sehr zufrieden.»

Männlich, 25
«Ich habe es früher gehasst mit Kondom zu verhüten. Meist war es zu eng, liess sich nicht richtig abrollen oder ich hatte kaum mehr Gefühl. Da das Kondom in Bezug auf Geschlechtskrankheiten immer noch das beste und eines der einzigen Mittel ist, um als Mann aktiv zur Verhütung beizutragen, suchte ich nach einer Lösung. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Internetseiten, welche anhand des Umfangs des Gliedes die perfekte Kondomgrösse ausrechnen (zum Beispiel Mysize). Seitdem ich das passende Kondom gefunden habe, fühlt es sich besser an und es gibt keine Probleme mehr beim Überziehen. Ausserdem minimiert sich die Gefahr, dass ein Kondom reisst oder abrutscht. Ich kann diese Abklärung jedem Mann empfehlen.»

Weiblich, 22
«Seit eineinhalb Jahren benutze ich einen Zykluscomputer als Verhütungsmethode und bin sehr zufrieden damit. Ich muss mich konsequent daranhalten und jeden Morgen mit dem Gerät meine Körpertemperatur messen, um meinen Zyklus sicher zu tracken. In sogenannten roten Phasen, in denen eine Befruchtung möglich ist, verhüte ich mit einem Kondom. In grünen Phasen ist es sicher ohne. Das Positive an einem Zykluscomputer ist, dass ich meinen Körper besser kennenlerne. Zudem ist der Sex intensiver als zu der Zeit, als ich die Pille nahm.»

Weiblich, 19
«Ich entschied mich für die Hormonspirale, weil ich der Ansicht war, die Pille enthalte zu viele Hormone. Nach dem Einsetzten bekam ich während der Periode jeweils krasse Bauchkrämpfe, wie ich sie vorher nie hatte. Ein Jahr später, als ich zur Jahreskontrolle ging, stellte sich heraus, dass die Spirale verrutscht war und somit nicht sicher. Ich musste sie sofort entfernen. Diese Erfahrung war nicht nur bezüglich der Schmerzen negativ, sondern auch wegen dem investierten Geld. Jetzt verhüte ich doch mit der Antibabypille.»

Informier dich
Es ist wichtig, sich über die Vor- und Nachteile eines Verhütungsmittels zu informieren und herauszufinden, welches am besten passt. Verhütung funktioniert für jeden Menschen anders.

Quellen: srf.ch, derstandard.at

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