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Let’s talk about gendern: Überflüssig oder überfällig? Der Kampf um eine geschlechtergerechte Sprache

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Ist gendern im Jahr 2021 ein Muss oder eine unnötige Verhunzung der deutschen Sprache? Drei junge Erwachsene reden über Pro und Kontra der geschlechtergerechten Sprache.

Was bedeutet gendern?
Das eingedeutschte «gendern» stammt vom englischen Wort «Gender», was Geschlecht bedeutet und die Anwendung einer geschlechtergerechten Sprache bezeichnet. Wie korrekt gegendert wird, ist (noch) nicht festgelegt. Möglichkeiten sind der Unterstrich (Ärzt_innen), Doppelpunkt (Ärzt:innen), grosses I (ÄrztInnen), Schrägstrich (Ärzt/innen) oder mit Sternchen (Ärtz*innen). Wobei letzteres als Gendersternchen bekannt ist. Der Stern soll alle Menschen, egal welchen Geschlechtes, miteinbeziehen.

Der Mehrheit ist eine gendergerechte Sprache egal
Laut unserer Umfrage auf Instagram ist gendern bei den meisten im Alltag nicht integriert. Nur gut 30 Prozent achten auf eine geschlechtsneutrale Sprache. Genaueres Nachfragen ergab folgendes:

 

Während die meisten unschlüssig sind, zeigen Julia, Sandro und Caco eine klare Haltung:

Julia, 25, aus Altstätten

Wieso bist du für eine gendergerechte Sprache?
Alle Menschen sollten die gleichen Rechte haben, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe oder einer allfälligen Beeinträchtigung. Das muss auch in der Sprache berücksichtigt werden. Sprache und Kultur prägen sich gegenseitig. Verändern wir unsere Sprache, verändern wir auch unser Denken.

Was sagst du zum Gegenargument, dass
…das generische Maskulinum schon alle miteinschliesst?

Das generische Maskulinum macht die anderen Geschlechter unsichtbar. Die meisten Menschen denken beim Ausdruck Ärzte an eine Gruppe männlicher Ärzte. Es gibt aber auch viele Ärzt*innen anderen Geschlechts.
…es mühsam sei, Texte mit Sonderzeichen wie Sternchen, Doppelpunkten oder Unterstrichen zu lesen?
Die vielen Nachteile, die sich aufgrund der fehlenden Gleichberechtigung der Geschlechter ergeben, sind viel mühsamer. Zumindest für nicht-männliche Menschen. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter ist mühsam, aber notwendig. Eine gendergerechte Sprache ist ein sehr kleiner Schritt in die richtige Richtung. Dieser kleine Mehraufwand ist nicht zu viel verlangt, wenn sich dadurch etwas an unserem Denken verändert.

Wie soll deiner Meinung nach gegendert werden?
Ich bevorzuge die Variante mit Sternchen. Sie schliesst nicht nur Männer und Frauen ein, sondern auch andere Geschlechter.

Sandro, 28, aus Oberriet

Wieso bist du gegen eine gendergerechte Sprache?
Aus dem einfachen Grund, dass die gendergerechte Sprache, beziehungsweise deren Anwender, viele wesentliche Denkfehler begehen. In der deutschen Sprache dominiert die maskuline Form, das hat nichts mit männlicher Dominanz zu tun, sondern ist die Eigenheit der Sprache.

Was sagst du zum Gegenargument, dass das generische Maskulinum nicht alle Geschlechter anspricht?
Das ist korrekt. Schauen wir aber kurz das generische Maskulinum an. Nehmen wir folgenden Beispielssatz: «Alle Lehrer sind um das Wohlergehen der Schüler besorgt». Das Wort Lehrer sowie das Wort Schüler sind männlich, beziehen aber die weibliche Form mit ein. Würden wir den Satz folgendermassen ändern: «Alle Lehrerinnen sind um das Wohlergehen der Schülerinnen besorgt», beziehen sich die Wörter ausschliesslich auf das weibliche Geschlecht. Das ist der Unterschied. Wenn wir einen Schritt weiter gehen: Wie will man Wörter wie «verarzten» oder «bewirten» gendern? Das ist unmöglich und es resultiert nur Unfug, der die deutsche Sprache schrittweise ruiniert. Ausserdem leidet der Rede- und Lesefluss enorm unter diesen «Anpassungen».

Was wäre die beste Lösung?
Die Sprache nicht in sinnlose Richtungen verändern und der linken, feministischen Minderheit in dieser Sache nicht zu viel Gehör verleihen. Meiner Meinung nach hat gendergerechte Sprache nichts mit natürlichem Sprachwandel zu tun und die Sprache wiederum nichts mit Gleichberechtigung.

Caco, 22, aus Marbach

Wieso findest du eine gendergerechte Sprache notwendig?
Weil das Geschlecht kein binäres System ist und alle Geschlechter berücksichtigt werden müssen. Es ist wichtig, alle Geschlechter anzusprechen.

Was sagst du zum Gegenargument, dass
…sich nur eine Minderheit an einer nicht gendergerechten Sprache stört?
Das Argument finde ich absurd, denn auch Minderheiten müssen berücksichtigt werden. Die Minderheit wird sich in Zukunft vergrössern, da die Aufklärung rund um Feminismus und zum nicht binären Geschlechtersystem immer mehr aufkommt.
…gendern den Lesefluss unterbricht?
Die Sonderzeichen können am Anfang gewöhnungsbedürftig sein. Es kommt aber auf die Qualität des Textes an und nicht auf kleine Sonderzeichen, die in einem Wort auftauchen.

Wie sollte deiner Meinung nach gegendert werden?
Es sollte wenn möglich eine neutrale Form gewählt werden, wie zum Beispiel Studierende statt Student*innen. Wo dies nicht möglich ist, sollte das Gendersternchen verwendet werden. Mir ist wichtig, dass alle Geschlechter eingeschlossen werden.

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